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Kartoffeln richtig ernten und lagern

Ab Mitte August beginnt die Erntezeit für Lagerkartoffeln. Gut ausgereifte Kartoffeln lassen sich unter geeigneten Bedingungen monatelang lagern. Dafür sind aber einige Dinge zu beachten.

Kartoffeln in schmutzigen Händen
mjaud / Fotolia.com

Grundsätzlich gilt: Solange das Kraut – das heißt Stängel und Blätter – der Kartoffel noch grün ist, wachsen auch die Knollen und lagern Stärke ein. In dieser Phase kann man Kartoffeln zwar schon ernten und essen, sie sind dann aber noch nicht reif genug für die Lagerung. Kartoffeln, die einige Monate im Lager durchstehen sollen, ohne faulig oder schrumpelig zu werden, dürfen erst geerntet werden, wenn sie ganz ausgereift sind.

Wann ist die Kartoffel reif?

Zu welcher Zeit eine Kartoffel reif ist, darüber entscheidet hauptsächlich die Kartoffelsorte. Je nach Länge der Vegetationszeit werden Kartoffelsorten in verschiedene Reifegruppen eingeteilt (siehe Tabelle unten). Kartoffeln, die für die Lagerung bestimmt sind, gehören zu den mittelfrühen, mittelspäten und späten Sorten, die mindestens vier Monate für die Abreife benötigen. Neben der Sorte haben aber auch Witterung, Boden und Nährstoffversorgung einen entscheidenden Einfluss auf die Abreife der Kartoffel, sodass es zu Abweichungen der in der Tabelle genannten Zeiträume kommen kann.

Als Faustregel gilt: Etwa 2-3 Wochen nachdem das Kraut abgestorben ist, sind die Kartoffeln reif genug für die Lagerung und können geerntet werden. Reife Kartoffeln haben eine feste Schale und lassen sich leicht von den unterirdischen Stängeln – Stolonen genannt – lösen.


Reifegruppen von Kartoffeln 

Sortengruppe  Sortenbeispiel  Vegetationszeit  Sonstiges 
Sehr frühe Sorten 'Christa' und 'Atica'  90-110 Tage  Ernte Juni/Juli als Frühkartoffel, sehr dünne Schale, kaum lagerfähig 
Frühe Sorten  'Cilena', 'Sieglinde' 110-120 Tage Ernte ab Juli/August, festere Schale als Frühkartoffeln, bedingt lagerfähig
Mittelfrühe Sorten   'Nicola', 'Linda' 120-140 Tage  Ernte Ende August, größte Sortengruppe, gelten als die eigentlichen Lagerkartoffeln 
Mittelspäte bis späte Sorten   'Aula', 'Donella' 140-160 Tage  Ernte September/Oktober, sehr gute Lagereigenschaften

 

Vorzeitiges Entfernen des Krauts meist unnötig

Hin und wieder ist der Ratschlag zu hören, mit Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) befallenes Kraut vorzeitig zu entfernen, um damit den Befall der Knollen zu verhindern. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Befallsstärke an den Blättern und dem Knollenbefall gibt. Wenn also nicht gerade extremer Blattbefall vorliegt, kann nur vom vorzeitigen Entfernen des Laubs abgeraten werden, denn dadurch wird der Abreifeprozess der Kartoffel vorzeitig beendet.

Gerät und Technik für die Ernte

Bevor die Kartoffelknollen ausgegraben werden, ist das Kraut zu entfernen. Stark mit Pflanzenkrankheiten befallenes Kraut sollte über die Biotonne und nicht über den Kompost entsorgt werden. Denn bei der Eigenkompostierung werden häufig nicht die für die Abtötung der Krankheitserreger benötigten Temperaturen erreicht.

Da Verletzungen an den Knollen die Lagerfähigkeit verringern, ist eine schonende Erntetechnik das A und O bei der Kartoffelernte. Geeignete Gartengeräte für die Kartoffelernte sind Grabgabeln oder Kartoffelhacken, denn sie lassen sich leicht in die Erde einstechen und mitsamt der Knollen heraushebeln. Beschädigungen werden damit auf ein Minimum reduziert. Die Knollen werden dabei per Hand von anhaftenden Erd- und Laubresten befreit und vorsichtig in Kisten gelegt. Beschädigte Kartoffeln sind direkt für den sofortigen Verbrauch auszulesen. Der Transport ins Lager sowie das Umladen in die Lagerbehälter sollte auch möglichst schonend vonstatten gehen.

Für eine lange Haltbarkeit im Lager

Kühle, frostfreie, trockene und abgedunkelte Räume sind ideal für die Lagerung von Kartoffeln. Darin lassen sich die Knollen auch in größeren Mengen wochen- oder sogar monatelang lagern. Früher diente meist der Keller für die Lagerung von Kartoffeln, daher spricht man auch heute noch von "einkellern“. Leider erfüllen die meisten heutigen Keller die oben genannten Bedingungen nicht mehr.

Die optimale Lagertemperatur liegt zwischen 4 und 6 °C. Niedrigere Temperaturen führen zu einer unerwünschten Umwandlung der Stärke in Zucker, wodurch die Kartoffeln einen unangenehm süßlichen Geschmack bekommen. Temperaturen von über 8 °C sind nach Möglichkeit auch zu vermeiden, da die Kartoffeln dann keimen. Der Lagerraum sollte trocken, aber gut durchlüftet sein, denn Nässe lässt die Kartoffeln faulen. Außerdem sollten die Kartoffeln vor Licht geschützt sein, da sie unter Lichteinwirkung giftiges Solanin bilden.

Größere Mengen Kartoffeln können gut auf Lattenrosten oder hölzernen Horden gelagert werden. Hier können sie locker und bis zu einer Höhe von etwa 40 cm aufgeschüttet werden. Liegen größere Mengen übereinander, entstehen Druckstellen und es kommt schneller zum Verderb.

Jörg Planer, Meckenheim |

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