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Landschaftszerschneidung: Leben zwischen Straßen

Die zunehmende Landschaftszerschneidung gilt mittlerweile als eine der Hauptursachen für den vielerorts beobachteten Artenrückgang in Deutschland und Europa.

Wildbrücke Autobahn
vielfalt / Fotolia.com

Für viele Tiere ist die Zerstückelung ihres Lebensraums durch stark befahrene Verkehrswege und die damit entstehenden Lärmkorridore, sowie  Siedlungen eine massive Beeinträchtigung. Die Suche nach neuen Revieren oder Partnern für die Fortpflanzung wird durch die Barrieren oft unterbunden. Diese Isolation erhöht die Gefahr einer Inzucht und führt schlimmstenfalls zu einem Aussterben der Art.  Fehlt eine Tierart auf einer Teilfläche, kann diese – je nach Art der Barriere – nur schwer wieder besiedelt werden. Besonders negativ wirkt sich die Landschaftszerschneidung in Gebieten mit überdurchschnittlich vielen Biotopen oder Schutzräumen aus, da hier viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten vorzufinden sind.

Auch die zunehmende Anzahl der Wildunfälle verdeutlicht die Problematik. Im Jahr 2013 wurden von deutschen Versicherern rund 247.000 Wildunfälle registriert. Die größte Gefahr geht hierbei von Rehen und Wildschweinen aus.

Wie groß müssen unzerschnittene Flächen sein?

Um den Grad der Zerschneidung eines definierten Gebietes erfassen zu können, wenden die meisten Bundesländer heute eine standardisierte Methode an. Ziel dieser Berechnungen ist es, das Problem der Landschaftszerschneidung fassbarer zu machen und die fortschreitende Zerstückelung der Lebensräume aufzuhalten.

Die für das dauerhafte Überleben von Tieren erforderliche unzerschnittene Flächengröße variiert von Art zu Art. Kleinere Tierarten sind meistens weniger anspruchsvoll als größere Raubtiere, wie Wölfe oder Luchse. Ein Luchs benötigt beispielsweise ein zusammenhängendes Gebiet von um die 100 km². Diese Größe entspricht der vorgeschriebenen Mindestgröße eines unzerschnittenen und verkehrsarmen Raumes (UZVR) der Länderinitiative Kernindikatoren. In Baden-Württemberg gibt es 20, in NRW 3 solcher Räume.

Korridore überbrücken

Aufgrund der bereits bestehenden Landschaftszerschneidung gilt es nun, die Folgen für Wildtiere zu mildern und Ihnen eine gewisse Bewegungsfreiheit wiederzugeben. Ein Mittel hierfür sind sogenannte Wild- oder Grünbrücken. Diese werden vornehmlich an bekannten Wildwechseln erbaut und verbinden die zerschnittenen Landschaftselemente. Mit einer Breite von mindestens 50 Metern und einer Abschirmung zum Verkehrsweg durch Hecken etc. ermöglicht die Brücke den Tieren die gefahrlose Überquerung der Straße oder Autobahn. Mittlerweile gibt es 37 Brücken in Deutschland, weitere sind in Planung. Andere Mittel zur Korridorüberbrückung sind zum Beispiel Fischaufstiegshilfen an Fließgewässern oder Amphibientunnel.

Da die bisher erfolgte Landschaftszerschneidung nicht rückgängig gemacht werden kann, gilt es nun, Maßnahmen wie z.B. Wildbrücken gezielt einzusetzen und die Planung neuer Bauvorhaben kritischer zu betrachten.

Marilena Kipp, aid |

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Studie Quantifizierung und Bewertung der Landschaftszerschneidung

Im 166-seitigen Arbeitsbericht zur wissenschaftlichen Studie der baden-württembergischen Akademie für Technikfolgenabschätzung über die Landschaftszerschneidung wird die Theorie zur Ermittlung des Zerschneidungsgrades ausführlich dargestellt.
 

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