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Landwirte bei der Digitalisierung vorn

Sensoren für das Biomassewachstum oder die Kombination von Wetter- und Bodendaten mit der Ausbringmenge an Düngemitteln ist für viele Landwirte bereits Alltag.

Landwirt
iStock.com / Vicki Reid

(aid) – Sensoren für das Biomassewachstum oder die Kombination von Wetter- und Bodendaten mit der Ausbringmenge an Düngemitteln ist für viele Landwirte bereits Alltag. Die Digitalisierung steht beim bäuerlichen Interesse auf Platz 4. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken sieht mit diesem Techniktrend Chancen für kleine Betriebe, Ressourcen effektiver einzusetzen und neue Wertschöpfung zu generieren. Hauptgeschäftsführer des digitalen Dachverbandes bitcom, Dr. Bernd Rohleder, zeigte sich überrascht: „Die Landwirtschaft ist im Bereich der Digitalisierung weiter als die übrige Fertigungswirtschaft in Deutschland.“ Anfang November hatten die digitalen Berufsstandsvertreter zusammen mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) die Digitalisierung der Landwirtschaft unter die Lupe genommen.

Die neue Technik wirft den Landwirten aber auch Sorgenfalten auf die Stirn. Vor dem Hintergrund der Fusion von Bayer und Monsanto werden immer mehr Daten aus den Betrieben in anderen Händen zusammengeführt. Krüsken empfiehlt den Landwirten, auf Hersteller-übergreifende Farmmanagementsysteme zu setzen. Damit behalten sie die Hoheit über ihre Daten. „Herstellerbezogene Systeme haben keine Chance“, meint Krüsken.

Es geht um die Balance zwischen Datenschutz und Datennutzen. „Diese Balance haben wir noch nicht gefunden“, ergänzt Rohleder. Technisch gebe es aber Lösungen, wie die „homomorphe Verschlüsselung“, bei der Daten in der Cloud verarbeitet werden können, ohne sie zu entschlüsseln.

Der Rechtsrahmen hinkt der Technikentwicklung hinterher. Derzeit sind ausschließlich personenbezogene Daten geschützt und die EU brauche noch eineinhalb Jahre bis zu einer Sicherheitsverordnung, erklärte Rohleder. Der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hat in diesem Jahr bereits ein Positionspapier im Sinne der Landwirte erarbeitet. Neben der Vertraulichkeit, Verfügbarkeit (Zugriff auf eigene Daten) und Integrität (Daten ohne Defekte und Manipulationen) wird ein umfangreicher Handlungsbedarf vorgestellt. So müssen für die Verarbeitung von Betriebsdaten die Nutzungsbedingungen eindeutig definiert werden. Das sollte im Rahmen eines Vertrages geschehen. Betreiber von externen Systemen sollten darin u.a. verpflichtet werden, keine Unterauftragsverhältnisse einzugehen. Geodaten über Boden und Wetter sollten für alle offen bleiben. Die Schnittstellen sollten standardisiert sein, damit Landwirte vertikal und horizontel Hersteller-übergreifend arbeiten können. Landwirte sollten sich die Partner, mit denen sie zusammen arbeiten wollen, aussuchen und andere ausschließen können.

Die Datensicherheit ist leider nicht die einzige Baustelle. „Das Breitband ist das A und O“, sagte Krüsken. Die bildgebenden Sensoren brauchen eine G5-Versorgung auf dem Land. Doch da fällt die Versorgung steil ab. Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind Städte zu elf Prozent mit modernem Glasfaser versorgt, das Land hingegen lediglich zu 1,8 Prozent. Auf dem Land sind zwar 91 Prozent der Haushalte mit einer Leistung von 6 MBit/s angeschlossen, aber bei über 50 MBit/s ist es nur noch ein Drittel.

Roland Krieg, www.aid.de

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