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Landwirtschaft als Mitverursacher des Klimawandels

Der Klimawandel wird hauptsächlich durch Industrie-, Haus- und Fahrzeugabgase verursacht. Doch auch der Agrarsektor trägt einen Teil dazu bei, dass sich die Erde erwärmt.

Kuh von hinten
iStock.com / 100zax

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) schätzt in seinem letzten Sachstandsbericht von 2007 den Anteil der Landwirtschaft an den gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen weltweit auf etwa 12 %. Doch das ist noch nicht alles: Auch die klimatischen Wirkungen von Landnutzungsänderungen sind international von immenser Bedeutung: So setzen vor allem die großflächigen Rodungen von tropischen Urwäldern, zur Urbarmachung von Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung, enorme Mengen an Treibhausgasen frei. Durch diese Urwaldrodungen kommt der agrarwirtschaftliche Sektor weltweit insgesamt sogar auf einen Anteil von über 30 %.

In Deutschland sind die Emissionen der Landwirtschaft wesentlich geringer. 2010 verursachte die heimische Landwirtschaft zusammen mit den Wirkungen der Landnutzungsänderungen nur etwa 11 % der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands.

Direkte Emissionen

Die bedeutendsten, direkt aus der Landwirtschaft stammenden Emissionsquellen sind Lachgas und Methan. Kohlendioxid wird dagegen nur in sehr geringen Mengen emittiert.
Der Anteil der Landwirtschaft an der globalen Methan-Emission liegt bei 50 %, der Anteil an Lachgas sogar bei 60 % (IPCC 2007). Das Problem dieser beiden Treibhausgase ist, dass sie um ein Vielfaches klimaschädlicher sind als Kohlendioxid: So entspricht eine Tonne Methan 25 Tonnen Kohlendioxid, eine Tonne Lachgas sogar 298 Tonnen Kohlendioxid.

Lachgas entsteht hauptsächlich bei der unsachgemäßen Lagerung und Ausbringung von Stickstoffdüngern – insbesondere Mineraldünger, aber auch Gülle und Mist. Methan-Emissionen dagegen werden bei der Verdauung von Wiederkäuern sowie durch methanbildende Mikroorganismen im Nassreisanbau verursacht.

In Deutschland ist der Ausstoß dieser beiden Treibhausgase seit 1990 zurückgegangen bzw. seit 2005 etwa konstant, doch weltweit hat er sich von 1990 bis 2005 um fast 17 % erhöht und die Prognosen des IPCC sind alles andere als beruhigend. Denn wenn die weltweite Nachfrage nach Agrargütern, insbesondere tierischer Herkunft, in gleichem Maße ansteigt wie bisher, werden sich bis 2030 die landwirtschaftlichen Emissionen von Lachgas um 35 bis 60 % und von Methan um etwa 60 % erhöhen.

Indirekte Emissionen durch Landnutzung und Landnutzungsänderung

Doch nicht nur die unmittelbaren Emissionen aus der Landwirtschaft tragen zum weltweiten Klimawandel bei. Auch die Gewinnung zusätzlicher landwirtschaftlicher Nutzflächen – sei es durch Rodung von Urwäldern oder Entwässerung von Niedermoorböden – hat eine negative Klimabilanz. Und auch der Umbruch von Grünland zu Acker macht sich negativ bemerkbar.

Der Grund: In Ackerböden wird wesentlich weniger Kohlenstoff gespeichert als in Wald-, Wiesen- oder Moorböden, was vor allem auf den niedrigeren Humusgehalt von Ackerböden zurückzuführen ist. Das bedeutet also, dass jede Umwandlung von Land in Ackerfläche eine Freisetzung von Kohlendioxid zur Folge hat und damit den Klimawandel beschleunigt.

Führt man sich die stetig wachsende Weltbevölkerung und den daraus abgeleiteten Bedarf an zusätzlicher landwirtschaftlicher Nutzfläche vor Augen, wird einem schnell klar, dass der Landwirtschaft nicht nur aus Sicht der Ernährungssicherheit, sondern auch aus Sicht des Klimaschutzes zukünftig eine besondere Rolle zukommt.

 

Fragen und Antworten

Wie hoch ist der Anteil tierischer Emissionen am Klimawandel?

Laut des FAO-Berichts „Livestocks long shadow“ aus dem Jahre 2006 ist die Tierhaltung weltweit für 18 % der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Dieser Anteil ist höher als der des Transportwesens.

Wieso entsteht Methan beim Reisanbau?

Methan ist ein farb- und geruchloses Gas. Es wird in der Natur von speziellen Mikroorganismen – den Archaea – gebildet. Diese kleinen Methanproduzenten sind in der Lage, organisches Pflanzenmaterial zu Methan umzusetzen. Voraussetzung ist eine geringe Sauerstoffkonzentration und ausreichend organisches Material wie es zum Beispiel in Sümpfen, im Magen von Wiederkäuern oder aber im Nassreisanbau der Fall ist. Beim Nassreisanbau werden die Felder über einen Großteil der Kulturperiode unter Wasser gesetzt. In dem schlammigen Boden der Reisfelder finden die kleinen Methanproduzenten ideale Bedingungen vor, um Kohlendioxid oder andere einfache Kohlenstoffverbindungen zu Methan umzusetzen. Je länger die Felder überflutet sind, desto geringer sind die Konzentrationen von Sauerstoff und desto intensiver läuft die Methanproduktion.

Wie kann die Landwirtschaft zu einer Emissionsminderung beitragen?

Wichtige Maßnahmen zur Emissionsminderung in der Landwirtschaft sind (Quelle: IPCC 2007):

  • Verbessertes Management von Acker- und Weideflächen zur Erhöhung der Kohlenstoffspeicherung im Boden
  • Renaturierung von kultivierten Torfböden und degradierten Böden
  • Verringerung der Methanemissionen durch Verbesserung der Reisanbautechniken und des Vieh- und Düngemanagements
  • Verringerung der  Lachgas-Emissionen durch verbesserte Stickstoffdüngung
  • Energiepflanzen als Ersatz für fossile Brennstoffe

Jörg Planer, Meckenheim |

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