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Landwirtschaft ist so, wie der Verbraucher kauft

„Landwirtschaft und Feuerwehr haben etwas gemeinsam: Sie werden vor allem dann wahrgenommen, wenn man sie braucht“

Kinder beobachten Kühe
BAGLoB

(aid) – „Landwirtschaft und Feuerwehr haben etwas gemeinsam: Sie werden vor allem dann wahrgenommen, wenn man sie braucht“, so die Einschätzung von Hans-Stephan Lütje. Er ist Bürgermeister und Landwirt in Rade in Schleswig-Holstein. Und er weiß, wovon er spricht, wenn er seine Einschätzung an Lehrkräfte von allgemeinbildenden Schulen weitergibt. Diese waren der Einladung des Bauernverbandes Schleswig-Holstein gefolgt und nahmen auf der Landwirtschaftsmesse NORLA in Rendsburg an einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Landwirtschaft teil.

Familienbetriebe haben dann eine gute Zukunft, wenn sie Akzeptanz finden, meint Lütje. Und deshalb appelliert er an die Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen auf die Betriebe zu bringen, damit sie sich aus erster Hand über Landwirtschaft informieren. Zukunftsfähige Betriebe brauchen aber nicht nur kompetente Gesprächspartner, sondern auch ein Einkommen, das für eine gute Ausbildung und Entwicklung der nächsten Generation ausreicht. Wichtig ist für ihn dabei, dass es nicht nur ein Einkommensstandbein gibt, um Risiken zu senken, aber auch nicht zehn, weil heute viel Fachwissen notwendig ist. Zu guten Aussichten der Landwirtschaft gehöre auch, dass die Marktmacht der landwirtschaftlichen Erzeuger und Verarbeiter, beispielsweise der Molkereien, von staatlicher Seite gefördert werde. Aktuell gebe es einerseits Fusionen im Lebensmitteleinzelhandel mit Ministerzustimmung, andererseits aber sofort Beschwerden von den Kartellbehörden, wenn Molkereien versuchten zu kooperieren.

Ökolandwirt Johannes Bausch aus Altwittenbeck denkt anders als Lütje, aber dann auch wieder ganz ähnlich. Sein vorrangiges Ziel für die Zukunft ist es, die betrieblichen Kreisläufe noch mehr als bisher zu schließen, auch Nebenprodukte gut zu verwerten und weiterhin gut mit anderen Höfen zusammenzuarbeiten. Daher gibt er organischen Dünger an andere Betriebe weiter, übernimmt Bestellung oder Ernte für sie oder nutzt gemeinsam mit ihnen teure Maschinen. Wie sein konventionell arbeitender Kollege auch, will er wettbewerbsfähig bleiben, seine Pachten bezahlen und aktives Marketing betreiben können. Auch er weiß, wie wichtig gesellschaftliche Akzeptanz ist, wenn er sagt „Die Gesellschaft muss mitwachsen mit einer in die Breite wachsenden Landwirtschaft.“

Temme Struck ist Schweinemäster und Viehhändler aus Schnarup-Thumby, der mit vielen Landwirten in Kontakt steht. Er sieht es so: „Der Familienbetrieb hat Zukunft, wenn der Betriebsleiter gut strukturiert ist.“ Das ist für ihn recht einfach daran zu erkennen, wenn er seine Rechnungen problemlos bezahlen kann. Zum gut strukturierten Arbeiten gehört es für ihn auch, dass man Arbeit an 450-Euro-Kräfte oder andere Mitarbeiter delegiert. Natürlich muss sich das lohnen, aber es muss eben auch mitgedacht werden. Bei allem, was die Zukunft der Landwirtschaft betrifft, spielt für ihn letztlich der Verbraucher die zentrale Rolle, wenn er sagt „Landwirtschaft ist so, wie der Verbraucher kauft.“

Dr. Martin Heil, www.aid.de

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