Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Landwirtschaft morgen

Die Agrarstruktur Deutschlands befindet sich in einem kontinuierlichen Wandlungsprozess. Lesen Sie hier, welche Trends sich aus Sicht des Thünen-Instituts heute schon abzeichnen.

Luftbildaufnahme einer Agrarlandschaft
agrarfoto.com

Die Kernaussage ist: Der agrarstrukturelle Wandel in Deutschland wird sich fortsetzen, wie bisher mit deutlichen regionalen Unterschieden.

Folgende wesentliche Tendenzen lassen sich erkennen: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und der in der Landwirtschaft Beschäftigten wird weiter abnehmen. Gleichzeitig werden viele professionell geführte Betriebe deutlich wachsen. Das bunte Bild aus Unternehmen unterschiedlicher Größe, verschiedener Spezialisierungs- und Diversifizierungsgrade und regional auseinanderstrebender Strukturen wird weiterhin die deutsche Landwirtschaft prägen. Diese Heterogenität ergibt sich aus den spezifischen Anpassungen an die natürlichen und wirtschaftlichen Bedingungen. Auch die jeweilige Ausgangssituation, die typischen Entwicklungspfade sowie vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten spielen einen bedeutende Rolle.

Tierhaltung

Der Umfang der Nutztierhaltung in Deutschland wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich erweitert. Es gibt eine zunehmende Diskrepanz zwischen der Branchenentwicklung und den gesellschaftlichen Ansprüchen. Der gesellschaftliche Druck auf sehr große Tierbestände wird voraussichtlich weiter zunehmen, nicht nur in den Regionen mit hoher Viehdichte. Tierschutzauflagen und spezielle Anforderungen des Handels können dazu beitragen, dass kleine Tierbestände schneller als bisher aufgelöst werden.

Stark verschärfte Auflagen an die Tierhaltung in Deutschland können dazu führen, dass sie in andere Länder verlagert wird. Wenn man dies vermeiden will, sind flankierende Maßnahmen zum Beispiel im Rahmen von Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum notwendig. Die Agrarinvestitionsförderung kann eine wichtige Rolle im Transformationsprozess hin zu mehr Tierwohl und Umweltschutz in den Betrieben spielen.

Die wirtschaftlichen Kräfte führen einerseits zur Konzentration der Produktion in besonderen Gunstregionen, andererseits werden zunehmende Auflagen und die Genehmigungspraxis in Intensivgebieten (Veredlungszentren der Tierhaltung) die weiteren Konzentrationsprozesse begrenzen.

Veränderte Unternehmensformen in der Agrarstatistik

Einzelunternehmen in Familienhand und Unternehmensgesellschaften werden zunehmend komplexere Strukturen aufweisen, um sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen optimal anpassen zu können. In den bestehenden Agrarstatistiken können diese jedoch nicht nachgezeichnet werden. Von daher spiegelt die derzeitige Agrarstatistik die tatsächliche Einkommenslage der landwirtschaftlichen Unternehmer/n immer weniger gut wider. Für eine sachgerechte Analyse der Einkommenslage sind daher künftig angepasste Erfassungsmethoden zu entwickeln, um insbesondere die für eine effektive Politikberatung notwendigen Grundlagen erarbeiten zu können.

Starke Professionalisierung

Die Produktionsweise in den Betrieben wird weiterhin immer mehr professionalisiert werden, was auch Anpassungen in der Berufsausbildung nach sich ziehen wird. Eine zunehmende Transparenz der Produktion und stärkere Kontrollen werden mittelmäßiges Wirtschaften nicht mehr zulassen. Der Wunsch nach Rückverfolgbarkeit entlang der Produktionskette wird zu mehr vertikaler und horizontaler Kooperation (Vertragsproduktion, Erzeugerzusammenschlüsse) führen.

Die Anzahl der Betriebe ist in den letzten Jahrzehnten anscheinend ganz unabhängig von den politischen Rahmenbedingungen kontinuierlich zurückgegangen. Die Politik ist jedoch hinsichtlich Richtung und Ablauf des agrarstrukturellen Wandels trotz starker wirtschaftlicher Triebkräfte nicht ohnmächtig. Sie ist auch nicht untätig. Durch die Gestaltung des fachrechtlichen Rahmens können deutliche Veränderungen herbeigeführt werden. Das Grundstückverkehrsgesetz und das Landpachtgesetz (GrdstVG, LPachtVG) enthalten wichtige Regelungsspielräume. Auch das Baugesetzbuch, das Umweltrecht (Dünge-VO), Tierhaltungsvorschriften, das Bewertungs- und Steuerrecht setzen wichtige Rahmendaten für die Betriebsentwicklung. Voraussetzung für die bewusste Gestaltung der Agrarstrukturen und eine konsistente Agrarpolitik sind klare strukturpolitische Vorstellungen, an denen es jedoch derzeit noch mangelt.

Ausführlichere Informationen zum Thema finden Sie in einem PDF-Dokument (Auszug aus der BLG-Zeitschrift "Landentwicklung aktuell"), das Sie auf den Internetseiten des Thünen-Instituts herunterladen können:

Perspektiven der Agrarstrukturentwicklung in Deutschland (PDF)

Hiltrud Nieberg und Berhard Forstner, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft |

als hilfreich bewerten 0 Versenden
Collage Mähdrescher alt und neu
Kletr / Fotolia.com
Umwelt, Ländlicher Raum

Landwirtschaft gestern und heute

Umfassender Strukturwandel in den letzten 50 Jahren

Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen 50 Jahren grundlegend verändert. Der aid veranschaulicht diesen Strukturwandel mit aufschlussreichen Zahlen und anschaulichen Grafiken.

mehr...
Geldmünzen Erde
maxsattana / Fotolia.com
Umwelt, Ländlicher Raum

Bodenpreise

Wie viel Steigerung ist noch zu ertragen?

Seit einigen Jahren ist ein Trend zu beobachten, der viele Landwirte beunruhigt: die kontinuierliche Steigerung der Pacht- und Kaufpreise für deutsche Agrarflächen.

mehr...