Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Landwirtschaft und Nachhaltigkeit

Neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik, über Natur und Umwelt, soziale und ökonomische Entwicklungen fordern eine ständige, nachhaltige Neuausrichtung unserer Entscheidungen.

Mutter mit Kleinkind auf dem Arm vor einer Sonnenblume
hyperstocker / Fotolia.com

Die Herausforderung für Landwirte und Verbraucher ist: Ob wir heute nachhaltig handeln, zeigt sich aus der Perspektive künftiger Generationen. Ganzheitliches Denken ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Die Natur dient dabei als Vorbild.

Nachhaltigkeit und Landwirtschaft gehören zusammen

Landwirtschaft ist Arbeiten in und mit der Natur - mit den Menschen und für die Menschen. Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem die drei Säulen der Nachhaltigkeit Ökologie, Ökonomie und Soziales so eng miteinander verbunden sind wie hier. Was also liegt näher, als genau hier zu sehen, was bereits geschieht?

Wir haben sechs Videos dazu gedreht

Das Thema Nachhaltigkeit ist kein Thema für Sonntagsreden. Es geht um nichts Geringeres, als allen, die nach uns diese Erde, dieses Land, jeden einzelnen Flecken bewohnen, die Ressourcen in Menge und Qualität zu überlassen, die wir heute zur Verfügung haben. Dabei spielt die Landwirtschaft eine zentrale Rolle.

Spruch von Johann Wolfgang von Goethe
"In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in einer Verbindung mit dem Ganzen stehe.", Johann Wolfgang von Goethe

Kleine Schritte bringen voran, Einstellungen sind die Triebfeder

Nachhaltigkeit ist schwer anhand bestimmter Maßnahmen zu beschreiben. So vielfältig die Orte, so vielfältig sind die Wege und so unterschiedlich die Beiträge zu nachhaltigem Leben und Arbeiten. Die Konsequenz besteht nicht aus Nichtstun. Vieles ist möglich im Kleinen wie im Großen.

Nachhaltigkeit ist eine Frage der Einstellung. Denn Einstellungen sind die Grundlage für unser Handeln. Das gilt für Landwirte, Forstwirte oder Gärtner, die den Zustand von Boden, Wasser, Luft und Artenvielfalt maßgeblich mitbestimmen. Es gilt aber ebenso für jeden Verbraucher, der beim Einkauf über Umwelt-, Lebens- und Arbeitsbedingungen in Produktion und Handel mitentscheidet.

Nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis

 

Kälber auf der Weide
Boden, Pflanzen, Tiere, Menschen im Einklang
Die drei zentralen Aspekte der Nachhaltigkeit Ökologie, Ökonomie und Soziales spiegeln sich am Bauernhof wieder beim Blick auf den Boden, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen, die dort leben.
Rapsfeld
Gesunden Boden födern
Nachhaltige Landwirtschaft fängt beim Boden an. Wasser, Luft, Artenvielfalt sind nicht weniger wichtig. Aber ohne einen gesunden Boden keine Landwirtschaft, schon gar keine nachhaltige.
Erntereste in einer Hand
Bodenfruchtbarkeit erhalten
Wer den Boden bewirtschaftet, will dauerhaft seine Fruchtbarkeit erhalten - nicht allein die Ertragsfähigkeit zählt. Die auf den Höfen Leben werden alles tun, Bodenverluste zu vermeiden, denn fruchtbarer Boden „wächst“ nur sehr  langsam nach.
Traktor appliziert Dünger
Umweltgerechter Düngereinsatz
Nachhaltigkeit auf den Nutzflächen heißt umweltgerechter Düngereinsatz und Pflanzenschutz, gesunde Fruchtfolgen und zu jeder Zeit standortangepasste Bewirtschaftung.
Biene auf einer gelben Blüte
Lebensräume schaffen
Nachhaltige Landwirtschaft hört nicht am Weidezaun und an der letzten Furche auf. Auch dahinter übernehmen Landwirte Verantwortung für Pflanzen und Tiere in ihren lokalen Lebensräumen.
Kalb im Stall
Genügend Flächen für Nutztiere
Das Wohlergehen der Nutztiere ist derzeit der zentrale Aspekt nachhaltiger Landwirtschaft. Es ist nicht der einzige. Zu Ende gedacht, muss es beispielsweise ausreichend Flächen geben, um den organischen Dünger zum Vorteil für Boden und Pflanze und ohne Beeinträchtigung von Luft und Wasser einzusetzen.
Schweine im Stroh
Nachhaltige Futtermittel
Nachhaltige Tierhaltung braucht Futter. Vom Anfang her gedacht, ist die Frage zu beantworten, was der Betrieb selbst zur Verfügung stellen kann und wie nachhaltig die Zukäufe und die Situation an den Orten sind, wo diese Futtermittel angebaut werden.
Klaus Parr und sein Mitarbeiter am Traktor
Bedarfsgerechtes Einkommen erwirtschaften
Nachhaltigkeit ist für die Menschen da. Die auf dem Bauernhof leben brauchen ein bedarfsgerechtes Einkommen, das nicht allein vom Hof, sondern mit dem Hof erwirtschaftet werden kann. Vielfalt ist auch hier sicherer und nachhaltiger. Diversifizierung geht vor Spezialisierung.
Zwei Männer vor einem Traktor
Soziales fördern
Die soziale Seite der Nachhaltigkeit zeigt sich am Bauernhof in genügend Freiraum für Erholungs- und Fortbildungszeiten, Zeiten für sich selbst und zum Austausch mit Menschen auch außerhalb des Hofes.
Vater mit Kind auf dem Arm vor einem Gemüsestand
Nachhaltigkeit leben
Aufmerksam und achtsam mit Natur und Mensch, mit Wissenschaft und Technik unterwegs zu sein, ist ein Kennzeichen nachhaltiger Betriebsführung. Wie gut sie funktioniert hängt auch von der Wertschätzung und Zahlungsbereitschaft der Verbraucher ab. Nachhaltigkeit bleibt am Ende die Entscheidung jedes einzelnen von uns.

 

Grenzen und Freiräume, Vorsorge und Kreativität sind mit im Boot

Mit der Erhaltung und Förderung der Ressourcen verbunden ist die Anerkennung von Begrenzungen und Begrenztheiten. Sie bewusst wahrzunehmen, ist ein Teil einer nachhaltigen Lebensführung, zu der es auch gehört, Würde und Eigenwert von Pflanzen und Tieren zu akzeptieren. Nicht alles Leben durch die Brille der Nützlichkeit und Leistungssteigerung zu betrachten, ist kaum jemandem konkreter vor Augen, als den Arbeitstätigen in grünen Berufen.

Freiräume für Pflanzen und Tiere sind das eine, Freiräume für Menschen und deren Entfaltung das andere. So wie die Bereitstellung entsprechender Flächen die Vielfalt der Arten unterstützt, so ist die materielle Absicherung der Berufstätigen die Grundlage für Spielräume der persönlichen und sozialen Entwicklung. Vielfalt geht auch hier vor Vereinheitlichung und die Erkenntnis von Grenzen schützt vor grenzenloser Erwartung.

Spruch von Schopenhauer: Jeder dumme Junge kann einen käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeit ist der Verzicht auf Maßnahmen mit voraussichtlich negativen Folgen, auch wenn deren Nachweis noch nicht erbracht ist. Dahinter stehen die Begriffe Vorsorge und Vermeidung von Schäden. Bei der Arbeit in der Landwirtschaft gibt es eine Vielzahl von rechtlichen Regelungen, die nachhaltiges Wirtschaften unterstützen wollen. Was Recht und Gesetz verlangen, ersetzt jedoch nicht die persönliche Wahrnehmung von Verantwortung.

Nachhaltigkeit ist kein schnurgerader Entwicklungspfad. Nicht allein deshalb, weil neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Beratung immer wieder verlangen, unsere Standpunkte und Einstellungen zu überprüfen. Sie ist verbunden mit den vielfältigen Möglichkeiten einer Kreativität, die Arbeitsplätze schafft, die Umwelt schützt und wirkliche Lebensqualität in Aussicht stellt zum Vorteil künftiger Generationen.

Nachhaltigkeit öffnet Fenster

Nachhaltigkeit spielt nicht nur in jedem einzelnen Betrieb und Haushalt eine Rolle. Auch außerhalb der "eigenen vier Wände" gibt es bereits Beispiele. Ökolandbau oder Projekte der sozialen Landwirtschaft (SoLaWi) haben sich etabliert und vereinen viele Aspekte der Nachhaltigkeit in sich. Ein anderes Beispiel sind hunderte von Lerchenfenstern, die von Bauern- und der Naturschutzverbänden aktiv gefördert werden. Die Zahl der Beispiele wächst. Nachhaltigkeit wird auch weiterhin Fenster öffnen, nicht nur für die Lerchen.

Autor: Dr. Martin Heil, aid |

als hilfreich bewerten 0 Versenden

Videos: Nachhaltige Landwirtschaft

Auschnitt aus dem aid-Video Nachhaltiges Wirtschaften - Vier Bauernhöfe stellen sich vor
aid
Ökonomie, Recht, Soziales

Video: Nachhaltiges Wirtschaften - Vier Bauernhöfe stellen sich vor

Nachhaltigkeit ist kein theoretisches Konstrukt

Gerade in der Landwirtschaft, an der Schnittstelle von Technik und Natur, von wirtschaftlichen Zwängen der Gegenwart und dem fürsorglichen Bewahren für die Zukunft wird Nachhaltigkeit gelebt.

mehr...
Hände fühlen Ackerboden
aid
Ökonomie, Recht, Soziales

Video: Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft - mit gutem Boden fängt alles an

Die Bodenfruchtbarkeit erhalten

Erosionsschutz ist angesichts der langsamen Neubildung Pflichtaufgabe einer nachhaltigen Landbewirtschaftung.

mehr...
Schlepper mit Sämaschine im Einsatz auf dem Acker
aid
Ökonomie, Recht, Soziales

Video: Nachhaltiger Pflanzenbau

Mehr als Säen und Ernten

Konventionelle und ökologische Bewirtschaftung gehen eigene Wege. Vielfalt in der Fruchtfolge, Artenschutz auf und neben dem Acker stehen im Fokus.

mehr...
Schweine im Stroh
aid
Ökonomie, Recht, Soziales

Video: Nachhaltige Tierhaltung

...heißt Verantwortung übernehmen

Nachhaltige Tierhaltung ist mehr als Tierwohl. Da steht auch die Frage der Herkunft der Futtermittel und der Ausbringung der organischen Dünger im Raum.

mehr...
Junge Frau bei der Arbeit im Melkstand
aid
Ökonomie, Recht, Soziales

Video: Nachhaltige Landwirtschaft ist Landwirtschaft für die Menschen

Was schafft wirklich Zufriedenheit?

Ist Zeit für Urlaub und Fortbildung vorhanden? Stimmt das Einkommen? Vielfalt geht auch hier vor Einheitlichkeit.

mehr...
Kind füttert Kuh mit Löwenzahn
aid
Ökonomie, Recht, Soziales

Video: Nachhaltigkeit ist für die Menschen da

Für Landwirte und für Verbraucher

Der Schlüssel für das Gelingen nachhaltiger Landbewirtschaftung hat einen langen Halm. Landwirte und Verbraucher tragen ihn gemeinsam in ihren Händen.

mehr...

Auch interessant

Collage aus Bildern mit verschiedenen Auslaufkonzepten
aid
Nutztiere

Tiergerechte Ausläufe

Vier Videoclips zeigen preisgekrönte Auslaufkonzepte für Rinder, Schweine und Geflügel

Die vier vorgestellten Auslaufkonzepte ermöglichen den Tieren in vorbildhafter Weise den Auslauf im Freien und schonen gleichzeitig die Umwelt.

mehr...
Behornte Rinder auf der Weide
Europäische Kommission
Landwirtschaft

Ökolandbau

Im Ökolandbau werden Nahrungsmittel auf Grundlage möglichst naturschonender Produktionsmethoden hergestellt. Das erfordert denken in Kreisläufen.

mehr...
Nutztiere

Tierwohl in der Milchviehhaltung

So kann´s gehen...

Kuh benutzt Kuhbürste
aid

Der aid zeigt mit diesem Online-Special am Beispiel besonders tiergerechter Milchviehställe, wie Landwirte über das gesetzlich geforderte Maß hinaus das Wohl ihrer Kühe berücksichtigen können.

mehr...
Forst, Holz, Jagd

Nachhaltige Holzerzeugung

Holz – eine unendliche Geschichte

Gebäude aus Holz hinter Gras
Petair / Fotolia.com

Holz spielt auch heute noch eine wichtige und ökologisch herausragende Rolle als nachwachsender Rohstoff.

mehr...
Titelbild des KTBL-Buchs Faustzahlen für den Ökolandbau
KTBL

Buchtipp

Download Anforderungen an Betriebe, Überblick über Bewertungssysteme

Kriterien der Nachhaltigkeit
Auszug aus dem KTBL-Buch "Faustzahlen für den Ökologischen Landbau"
(PDF, 9 Seiten, 97 kb)
Autoren: Gerold Rahmann, Matthias Stolze, Manuela Winbeck

Link zum Buch