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Lebensmittelverschwendung

In allen Bereichen der Lebensmittelindustrie, von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zum Konsumenten, werden Nahrungsmittel weggeworfen. Jeder kann dagegen aktiv werden.

Lebensmittel in der Mülltonne
aid

Im Schnitt werfen alle Haushalte in Deutschland pro Jahr 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Pro Person sind das jährlich 82 Kilogramm Lebensmittel im Wert von ca. 235 Euro. Die Vernichtung von Lebensmitteln ist nicht nur ein ethisches, sondern auch ein ökologisches Problem. Immerhin werden sowohl für die Erzeugung als auch für die Vernichtung von Waren Rohstoffe, Energie und Wasser benötigt. Mit jedem Lebensmittel, das unnötig im Müll landet, werden also wertvolle Umweltressourcen verschwendet.

In allen Bereichen der Lebensmittelindustrie, von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zum Konsumenten, werden Nahrungsmittel weggeworfen. Innerhalb der EU stammen 42 Prozent der Lebensmittelabfälle aus Privathaushalten. Entsprechend finden sich in dieser Kompaktinfo ganz einfache und alltagstaugliche Tipps, die helfen, die Verschwendung von Lebensmitteln zu verringern.

Zahlen zur Lebensmittelverschwendung

Weltweit gehen jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel verloren oder werden verwschwendet. In Europa und Nordamerika betragen die Abfallmengen pro Kopf und Jahr 95 bis 115 Kilogramm, in Südasien, Südostasien und in Subsahara-Afrika 6 bis 11 Kilogramm.

Insgesamt sind die die Lebensmittelverluste in Industrieländern ähnlich hoch wie in den Entwicklungsländern, sie finden lediglich auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen statt. So entsteht in den Entwicklungsländern mehr als 40 % des Lebensmittelmülls nach der Ernte und bei der Verarbeitung. In den Industrieländern hingegegen entstehen die Lebensmittelverluste zu mehr als 40 % im Handel und auf Konsumentenebene. Die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln auf Konsumentenebene in den Industrieländern (222 Mio. t) entspricht nahezu der Menge der gesamten Nahrungsmittelproduktion in Subsahara-Afrika (230 Mio. t). (FAO 2011)

Laut einer 2012 von der Uni Stuttgart veröffentlichten Studie über Lebensmittelabfälle werden in Deutschland pro Jahr knapp 11 Millionen Tonnen Lebensmittel von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten entsorgt. Dabei entstehen 61 % der Abfälle in den Privathaushalten, 17 % bei den Großverbrauchern, weitere 17 % in der Industrie und 5 % im Handel.

Studie "Global food losses and food waste" (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen - FAO, 2011, 37 S., PDF, 1,2 MB)

Studie über Lebensmittelabfälle in Deutschland - Kurzfassung (Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Uni Stuttgart, 2012, 42 S., PDF; 1,5 MB)

Studie über Lebensmittelabfälle in Deutschland - Langfassung (Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Uni Stuttgart, 2012, 483 S., PDF; 6,3 MB)

Gründe für Lebensmittelverluste

Lebensmittelabfälle entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bereits bei der Produktion müssen Lebensmittel aussortiert werden, beispielsweise wenn sie unreif geerntet wurden, durch Schädlinge befallen sind oder Krankheiten aufweisen. In vielen Entwicklungsländern sind die Transport-, Lager- und Kühlmöglichkeiten nach der Ernte unzureichend oder fehlen sogar, sodass bereits auf dieser Wertschöpfungsstufe Lebensmittel verderben. Auch mangelhafte Hygiene und fehlende Kühlung bei der Verarbeitung verursachen vor allem in Entwicklungsländern hohe Lebensmittelverluste. In den Industrieländern sind die Lebensmittelverluste eher am Ende der Wertschöpfungskette zu verzeichnen. Zum Beispiel im Lebensmittelhandel. Hier müssen oft große Mengen nicht verkaufter, leicht verderblicher Produkte am Abend aussortiert werden. Warum werden im Haushalt viele Lebensmittel weggeworfen? Gründe hierfür sind eine schlechte oder fehlende Planung des Einkaufs oder der Mahlzeiten, ein mangelnder Überblick über den Vorrat oder eine falsche Lagerung.

Lebensmittelmüll im Haushalt vermeiden

Bewusst einkaufen, Reste verwerten

Die Lebensmittelvielfalt in Supermärkten ist verführerisch. Schnell wandern mehr Lebensmittel in den Einkaufskorb als nötig. Und einige davon landen schließlich im häuslichen Müll. Wenn man ein wenig bewusster plant, einkauft und kocht, lässt sich sicherlich einiger Lebensmittelmüll vermeiden. Das spart übrigens bares Geld, denn jeder deutsche Vier-Personen-Haushalt wirft derzeit jedes Jahr Lebensmittel im Wert von etwa 940 Euro weg.

Eigenes Konsumverhalten überdenken

Durch das eigene Konsumverhalten kann jeder dazu beitragen, den Warenausschuss im Supermarkt zu reduzieren: Ein Joghurt, der sofort gegessen wird, muss kein Mindesthaltbarkeitsdatum haben, das weit in der Zukunft liegt. Für Semmelknödel reicht auch das Brotangebot vom Vortag, und eine Bananenmilch schmeckt meist sogar besser, wenn die Schale der Banane schon etwas braun ist.

5 Tipps - So vermeiden Sie Lebensmittelmüll

Schnell wandern einige Lebensmittel in den häuslichen Müll. Doch das muss nicht sein, wenn ein wenig bewusster geplant, gekauft und gekocht wird. Wir haben Ihnen fünf Tipps gegen Lebensmittelverschwendung zusammengestellt:

  1. Einkauf planen und bewusst einkaufen
  2. Lebensmittel richtig lagern
  3. Haltbarkeit prüfen
  4. Beim Kochen Portionen richtig einschätzen
  5. Reste einfrieren oder weiterverwerten

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

Weniger wegwerfen! - Mit gutem Beispiel voran

Um die Verschwendung von Nahrung zu stoppen, ist weltweit ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln nötig. Dutzende von staatlichen und privatwirtschaftlichen Initiativen wurden hierzu in den letzten Jahren ins Leben gerufen. Nicht bei allen ist der Erfolg direkt messbar, jedoch regen viele dieser Konzepte zum Nach- und Umdenken an.

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

Netzwerk essens-wert – Wissenschaftlicher Austausch

Deutschsprachiges Netzwerk ermöglicht gemeinsame Forschungsaktivitäten

Ziel des Netzwerks "essens-wert" ist es, den wissenschaftlichen Austausch rund um das Thema Lebensmittelabfall zu ermöglichen, gemeinsame Forschungsaktivitäten zu fördern und Forschungsergebnisse außenwirksam zu kommunizieren. Das Netzwerk arbeitet im Austausch mit aktuellen Forschungsaktivitäten auf europäischer Ebene wie dem EU-Projekt FUSIONS.

essens-wert.net

Projekt EU FUSIONS

SAVE FOOD – Globale Zusammenarbeit fördern

Dialog zwischen Wirtschaft, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft

In Zusammenarbeit mit der FAO und der UNEP möchte die Messe Düsseldorf GmbH einen Beitrag zum Kampf gegen globale Lebensmittelverluste leisten. Wo Nahrung ungenutzt auf Äckern verrottet, unterstützt die Initiative die Suche nach effizienteren landwirtschaftlichen Verfahren. Wo Lebensmittel in den Lieferketten verderben, werden Konzepte gefördert, die auf bessere Logistik und angemessene Verpackung setzen.

save-food.de

FoodCycle-Cafés – Zubereiten statt vernichten

Preiswerte Mahlzeiten aus Lebensmittelspenden zubereiten

FoodCycle-Cafés sind Gemeindeküchen in London und Umgebung. Ehrenamtliche Helfer sammeln Lebensmittel, die der Handel aus dem Wirtschaftskreislauf nimmt und bereiten daraus günstige Mahlzeiten zu. Tipps und Tricks rund um das Thema Kochen und gesunde Ernährung gibt es in den FoodCycle-Cafés inklusive.

foodcycle.org.uk

Love Food Hate Waste – Aufklären und aufrühren

Koch- und Einkaufstipps für Verbraucher

Statistiken zeigen, dass Haushalte im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland pro Jahr rund 50 % der gekauften Lebensmittel wegwerfen. Um dem entgegenzuwirken wurde 2007 die Aufklärungskampagne Love Food Hate Waste ins Leben gerufen. Herzstück der Kampagne ist ein Internetportal mit verbrauchernahen Koch- und Einkaufstipps zur Vermeidung von Lebensmittelmüll. Seit 2014 gibt es auch eine Smartphone-App zur Kampagne.

lovefoodhatewaste.com

Containern/Dumpstern – Aus dem Müll in den Topf

Weggeworfene Lebensmittel aus Abfallcontainern der Supermärkte mitnehmen

Obwohl der Einzelhandel aussortierte Nahrungsmittel oft an Einrichtungen wie die Tafel weitergeben, landet noch immer tonnenweise Essbares in den Abfallcontainern der Supermärkte. Einige Menschen durchsuchen diese Abfallbehälter regelmäßig nach Genießbarem - entweder aufgrund großer Armut oder als Zeichen der Kritik an der Wegwerfgesellschaft. Die Sammelaktionen bewegen sich an der Grenze der Legalität, deshalb erfolgt das Containern, auch Dumpstern genannt, in der Regel nachts.

dumpstern.de

FoodLoop – Reduzierte Produkte in der Nähe finden

App informiert über Lebensmittel mit kurzer Resthaltbarkeit

Lebensmitteleinzelhändler kennzeichnen am Verkaufsort automatisiert Lebensmittelprodukte mit kurzer Resthaltbarkeit als Rabattangebote in ihrem Warenwirtschaftssystem. Diese werden anschließend dem Verbraucher in Echtzeit über die FoodLoopApp in personalisierter Form kommuniziert. 

foodloop.net

Restlos genießen – Reste einpacken lassen

Restaurant-Gästen das Einpacken der Reste aktiv anbieten

Die Aktion ‘Restlos genießen‘ möchte Restaurants animieren, ihren Gästen das Einpacken der Reste aktiv anzubieten – für den zweiten Hunger zuhause. Teilnehmende Betriebe erhalten ein Starterpaket mit 100 Boxen und Aktions-Speisekarteneinlegern. Die Teilnahme ist kostenfrei.

greentable.de/restlos-geniessen

foodsharing.de – Lebensmittel teilen anstatt sie wegzuwerfen

Online-Plattform mit interaktiver Suchfunktion

Die deutsche Initiative foodsharing startete 2012 mit der Internetplattform foodsharing.de. Auf dieser Website kann sich jeder einloggen und seine überschüssigen Lebensmittel inklusive Ortsangabe eintragen. Eine Datenbank und Suchfunktion ermöglicht anderen das einfache Auffinden dieser Lebensmittel in der Nähe. Eine interaktive Deutschlandkarte zeigt die Standorte der abholbereiten "Essenskörbe" an. foodsharing kooperiert seit April 2015 mit dem Bundesverband Deutsche Tafel.

foodsharing.de

Die Tafeln – Lebensmittel für Bedürftige

Gespendete, überschüssige Lebensmittel kostenfrei weitergeben

Die Tafeln sind Vermittler zwischen Überfluss und Mangel. Sie geben an Bedürftige weiter, was der Handel an Essbarem aussortiert. Die Tafeln existieren seit 1993 in Deutschland. Mittlerweile gibt es mehr als 900 dieser gemeinnützigen Einrichtungen, die insgesamt über 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln oder Mahlzeiten versorgen.

tafel.de

Schnippeldisko – Schnippeln, Kochen und Tanzen

Kulinarische Protestaktion gegen Lebensmittelverschwendung

Die Jugendbewegung der Organisation Slow Food veranstaltet regelmäßig in verschiedenen Städten Deutschlands so genannte Schnippeldiskos. Bei diesen Veranstaltungen verarbeiten Jugendliche und junge Erwachsene Gemüse mit optischen Fehlern, das beim Bauern aussortiert wird. Gemeinsam wird gekocht, gegessen und anschließend getanzt.

slowfoodyouth.de/was-wir-tun/schnippeldisko

 

Misereor – Petition „Kein Essen für den Eimer“

Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung

Misereor, die zentrale katholische Einrichtung für Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland, engagiert sich seit 2015 aktiv gegen Lebensmittelverschwendung. In ihrer Petition an die Bundesregierung „Kein Essen für den Eimer“ forderte Misereor eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2020. Verschiedene Maßnahmen sollen helfen dieses Ziel zu erreichen: ein Wegwerfstopp für Supermärkte, die Stärkung regionaler Lebensmittelsysteme und eine Anpassung der Produktstandards. 

https://blog.misereor.de/2015/10/16/lebensmittelverschwendung-ist-ein-skandal/

Aktion Agrar – Kampagne „Leere Tonne“

Mit kreativen Kampagnen die Agrarpolitik herausfordern

Der Verein Aktion Agrar setzt sich zusammen mit Umwelt-, Tierschutzverbänden und Agrarnetzwerken für eine Agrarwende ein. Ziel ist eine ökologisch nachhaltige, sozial verträgliche und bäuerliche Landwirtschaft. Mit der Kampagne „Leere Tonne“ fordert Aktion Agrar die Politik auf, Supermärkten und Lebensmittelhändlern das Wegwerfen essbarer Lebensmittel zu verbieten. Stattdessen sollen die unverkäuflichen, aber noch genießbaren Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen abgegeben werden.

www.leeretonne.de

United Against Waste – Gemeinsam gegen Verschwendung

Lebensmittelabfall in der Außer-Haus-Verpflegung vermeiden

United Against Waste ist eine internationale Initiative von Unilever Food Solutions, die sich seit 2012 zusammen mit Partnern aus der Food Service Branche gegen Lebensmittelverschwendung in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) einsetzt. United Against Waste vermittelt Basiswissen zur Vermeidung von Lebensmittelabfall, optimiert Planungsprozesse, vernetzt Experten und entwickelt zusammen mit Mitgliedern unterschiedlicher Bereiche der AHV einfache Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung.

www.united-against-waste.de

Autorinnen: Carmen Menn, Bonn und Britta Klein, aid |

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