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Leguminosenanbau muss sich rechnen

Der Anbau von Hülsenfrüchten hat in Deutschland den Sprung aus der Nische geschafft. Wie sich die Ausweitung der Flächen weiter fortsetzt, hängt von den zukünftigen Rahmenbedingungen ab.

Ackerbohne
iStock.com / Minghua Zhang

(aid) – Der Anbau von Hülsenfrüchten hat in Deutschland den Sprung aus der Nische geschafft. Ob sich die Ausweitung der Flächen in den nächsten Jahren weiter fortsetzt, hängt allerdings entscheidend von den zukünftigen Rahmenbedingungen ab. Das war das Fazit von etwa 200 Fachleuten aus Praxis, Forschung, Handel und Politik auf dem Kongress „Hülsenfrüchte – Wegweiser für eine nachhaltige Landwirtschaft“, der Anfang November 2016 in Berlin stattfand.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion betonten, dass der Anstieg der Anbauflächen vor allem auf der Nutzung ökologischer Vorrangflächen im Zuge der Greeningauflagen und zusätzlicher Agrarumweltmaßnahmen beruhe. Das zeige, wie wichtig ein verlässlicher politischer Rahmen für die Entwicklung des Hülsenfruchtanbaus sei. In diesem Zusammenhang wurden auch die Pläne der EU-Kommission zum Teil kritisch gesehen, die ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen vorsehen. Das könne sich nachteilig auf den Anbau von Hülsenfrüchten auswirken. Umso wichtiger sei es deshalb, dass sich der Anbau mittelfristig für die Landwirte rechnet. Die aktuelle Förderung solle deshalb dazu dienen, eine kritische Masse zu erreichen, vor allem für die Züchtung und Verarbeitung, bis sich der Anbau von selbst trägt.

Das betonte auch Clemens Neumann, Abteilungsleiter im BMEL: „Wir sind uns bewusst, dass es eines längeren Atems bedarf, damit Hülsenfrüchte wieder fester Bestandteil von Fruchtfolgen werden. Deshalb sieht der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2017 und für die mittelfristige Finanzplanung bis 2020 vor, dass die Summe der seit 2014 jährlich bereitgestellten Bundesmittel für die Eiweißpflanzenstrategie von 19 auf 27 Millionen Euro aufgestockt werden soll.“ Zudem soll die Laufzeit der Strategie bis 2020 verlängert werden.

Über den praktischen Anbau von Lupinen berichtete Brigitte Roost-Krüger von der Agrargemeinschaft Holthusen bei Schwerin. Der Betrieb baut seit 2015 Lupinen auf einer Fläche von 140 Hektar an, vor allem auf leichten Sandböden. Bei Erträgen von etwa 20 Doppelzentnern pro Hektar hänge die Wirtschaftlichkeit entscheidend von der Unkrautbekämpfung im Vorauflauf ab. „Hier wird es leider immer schwieriger, zugelassene Herbizide zu finden“, sagte Roost-Krüger. Sehr positiv sieht sie die Lupine als Kraftfutterersatz in der betriebseigenen Milchviehhaltung. „Vor allem die Fett- und Eiweißgehalte der Milch sind in den ersten Monaten nach Fütterung mit Lupinenschrot deutlich angestiegen.“

Hilmar Cäsar, Biolandwirt im fränkischen Waigolshausen, stellte seine Anbauerfahrungen mit Sojabohnen vor. Er baut Soja inzwischen auf 32 Hektar an und verkauft den überwiegenden Teil an den Handel. Für ihn sei es ein großer Vorteil, dass die Soja gut mit Kompostdünger zurechtkomme, den er zur Grunddüngung mit Phosphat und Kali einsetzt. Die Unkrautbekämpfung sei allerdings mit hohem Aufwand verbunden. Er verzichtet aber auf Handarbeit und setzt ausschließlich auf den Einsatz von Striegel und Hacke. Wirtschaftlich sei die Bohne auf jeden Fall sehr lukrativ. „Bei durchschnittlichen Erträgen von 25 Doppelzentnern pro Hektar und Preisen von bis zu 80 Euro pro Doppelzentner für Biosoja reichen die Deckungsbeiträge fast an die meiner Zuckerrüben heran“, sagte Cäsar.

Dass Soja auch in weniger günstigen Lagen lohnend angebaut werden kann, bestätigte Landwirt Benedikt Sprenker aus dem ostwestfälischen Beckum. Er begann 2011 mit dem konventionellen Sojaanbau und erreicht bei günstiger Witterung inzwischen Erträge von bis zu 35 Doppelzentnern pro Hektar. „Für den Einstieg und Erfahrungsaustausch war es für mich sehr wertvoll, in das Sojanetzwerk eingebunden zu sein“, berichtete Sprenker. Neben der Verwertung von Soja in der hofeigenen Schweinemast sieht er auch im Bereich des Handels großes Potenzial für regionale, gentechnikfreie Eiweißfuttermittel. So plane ein Futtermittelhersteller im benachbarten Warendorf zurzeit den Bau einer Anlage zur Sojaaufbereitung.

Einen neuen Weg zur kostengünstigen Aufbereitung von Körnerleguminosen könnte laut Prof. Dr. Olaf Steinhöfel vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, die Silierung sein. Bisherige Versuche zeigten laut Steinhöfel, dass die Silierung nach früher Ernte mit Feuchten von 30 bis 35 Prozent funktioniert, auch durch Rückbefeuchtung nach Totreife. Durch den Gärprozess würden antinutritive Stoffe wie Tannine deutlich reduziert. In einer weiteren Studie soll geklärt werden, ob ein zusätzliches Toasten den Futterwert silierter Körnerleguminosen weiter verbessert.

Über einen neuen Ansatz zur Aufkonzentrierung von Eiweiß in Leguminosen berichtete der dänische Landwirtschaftsberater Erik Fog. Neben Ackerbohnen setzt man in Dänemark zurzeit verstärkt auf Kleegras als heimische Eiweißquelle. „Kleegras wächst bei uns fast überall und liefert stabil hohe Erträge“, sagte Fog. Mit einer neuen Technik, dem Bio-Refining, gelinge es bereits, den Eiweißgehalt der Ernte auf bis zu 40 Prozent zu steigern. Das Verfahren, das auf einer Kombination aus bakterieller Fermentation und anschließender Extraktion beruht, sei allerdings sehr aufwändig und zurzeit noch zu teuer.

Jürgen Beckhoff, www.aid.de

Hintergrundinformationen:

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Anbaufläche von Hülsenfrüchten 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 68.000 Hektar auf etwa 160.400 Hektar (+74 Prozent) angestiegen. Im Jahr 2016 legte die Anbaufläche nach vorläufigen Berechnungen noch einmal um 17 Prozent zu und stieg auf 187.700 Hektar.

Der Kongress „Hülsenfrüchte – Wegweiser für eine nachhaltige Landwirtschaft“, fand im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) am 3. und 4. November 2016 in Berlin statt.

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