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Lohnenswerte Vorkultur

Pflanzen im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorzuziehen, lohnt sich: Die Kulturdauer verkürzt sich und Sie tricksen so manchen Schaderreger aus.

Aussaatpalette mit Kohl-Jungpflanzen
Alexei Hulsov / Pixabay.com

Wahrscheinlich würden viele passionierte Gärtner selbst dann Vorkultur betreiben, wenn sie einzig und allein den Sinn hätte, das elendige Warten aufs Frühjahr zu beenden. Netterweise lohnt sich das Vorziehen vieler Pflanzenarten aber nicht nur aus psychologischen, sondern auch aus praktischen Gründen. Da ist zum einen natürlich die Verkürzung der Kulturzeit im Freiland – insbesondere Arten, die eigentlich in wärmeren Gebieten beheimatet sind wie die Tomate, würden es sonst in unseren vergleichsweise kurzen Sommern gar nicht vernünftig bis zur Fruchtreife schaffen.

Schnecken davonsprinten

Die Vorkultur rentiert sich für viele Gemüse und Zierpflanzen aber auch im Hinblick auf den Pflanzenschutz. Da Gewächshaus und Fensterbank in der Regel schneckenfreie Zone sind (alles andere sollte zumindest zum Nachdenken anregen), können die Sämlinge in aller Ruhe zu robusten Jungpflanzen heranwachsen. Davon profitieren beispielsweise Sonnenblumen: Direkt ins Beet gesät, überlebt meist nur ein Bruchteil die ersten Schneckenattacken. Vorgezogen und dann ins Beet gepflanzt, sind sie jedoch schon so robust, dass sich die Weichtiere lieber nach etwas Schmackhafterem umsehen.

Bohnen vorziehen lohnt sich doppelt

Auch bei Bohnen empfiehlt sich die Anzucht in Erdpresstöpfchen oder selbstgebastelten Paperpots. Insbesondere bei kühler, feuchter Witterung legen im Freiland nämlich gerne Wurzelfliegen ihre Eier in die in der Erde ruhenden Samen. Die befallenen Samen keimen entweder gar nicht, oder werden von den Maden umgehend als Kraftfutter verwertet, sprich verputzt. Vorgezogene Bohnenpflanzen entgehen diesem traurigen Schicksal und sind zudem für die Schwarze Bohnenblattlaus weniger attraktiv – sie werden deutlich seltener befallen.

Gut gerüstet: Kohlgewächse

Kohl profitiert ebenfalls gleich mehrfach von der geschützten Aussaat unter oder hinter Glas. Wichtigster Effekt: Die gefürchtete Kohlhernie hat weniger Chancen. Der Erdballen, der die Wurzeln ummantelt und mit dem die Jungpflanze später ins Beet umzieht, wirkt wie eine Schutzschicht – also ruhig eine Topfnummer größer wählen. Außerdem verkürzt sich mit der Kulturzeit im Beet auch die Zeitspanne, in der die Pflanzen dem Erreger ausgesetzt sind. Und es kann generell früher gepflanzt werden, was sich ebenfalls positiv auswirkt, denn der Kohlhernie-Erreger lässt es bei niedrigeren Temperaturen langsam angehen. Ein weiterer Vorteil: Vorgezogener Kohl wird seltener von Kohlerdflöhen befallen, die sonst gerade in trockenen Jahren gerne die Blätter durchlöchern und somit das Wachstum bremsen.

Kartoffeln vorkeimen

Bei vorgekeimten Kartoffeln gehen verkürzte Kulturzeit, Schutzeffekt und höhere Erträge Hand in Hand. Phytophtora infestans, der Erreger der Kraut- und Knollenfäule, kommt in der Regel erst ab Mitte Juni so richtig in Fahrt. Wer früh reifende Kartoffelsorten vorkeimt, hat somit gute Chancen auf makellose Knollen. Dazu heißt es jetzt zügig starten: Ab Ende Februar können Sie die in Eierkartons oder einer Schale ausgelegten Saatkartoffeln drei, vier Tage lang zunächst an einen warmen hellen Platz im Haus stellen und dann für drei, vier Wochen kühl bei 10 bis 15 °Celsius. Dabei die Seite mit den meisten Augen nach oben legen, denn aus den knubbeligen Vertiefung sprießen später die zunächst rötlichen oder grünen Triebe.

Vorziehen, nicht verziehen!

Bei allen positiven Effekten: Vorkultur ist nur dann sinnvoll, wenn eine wirklich helle Fensterbank oder ein Gewächshaus zur Verfügung steht. Unter Lichtmangel würden anstelle robuster Jungpflanzen schwache, krankheitsanfällige Exemplare heranwachsen. Dann doch lieber in fertige Jungpflanzen aus der Gärtnerei investieren, oder befreundete Hobbygärtner fragen, ob man ein Eckchen im Gewächshaus mitnutzen darf.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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