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Ernährungskommunikation: Verantwortung der Medien

Meldungen zu veröffentlichen ist wie einen Papierflieger loszuschicken. Die Botschaft ist handlich gefaltet, das Ziel vor Augen, und doch kann die Reise ganz anders ausgehen als gedacht.

Frau mit großem Papierflieger
krimar / Fotolia.com

Der Ursprung

Mit ihrer großen Reichweite haben Medien eine besondere Verantwortung, wie diese Geschichte zeigt:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat im Dezember 2007 darauf hingewiesen, dass Säuglingsanfangs- und Folgenahrung gesundheitlich bedenkliche 3-MCPD-Fettsäureester enthalten kann. Das BfR ging nicht von einer akuten Gesundheitsgefahr aus – sonst hätten die Produkte auch vom Markt genommen werden müssen. Das Risiko erläuterte das BfR mit dieser Aussage: „Nach dem derzeitigen Stand des Wissens können insbesondere Säuglinge über Anfangs- und Folgenahrung Mengen an 3-MCPD-Estern aufnehmen, bei denen im ungünstigen Fall der Sicherheitsabstand zu den im Tierversuch beobachteten Wirkungen als zu gering angesehen wird. Deshalb sieht das BfR Handlungsbedarf im Hinblick auf die Minimierung der Gehalte. Von einer akuten Gesundheitsgefahr geht das BfR nicht aus“.

Der Hinweis, dass die Gehalte an diesen Estern in Säuglingsmilch gesenkt werden müssten, ist völlig berechtigt und richtig. Das ist reine Vorsorge. Es gab Hinweise auf ein Risiko und entsprechend war Risikokommunikation nötig. Aber was löst eine solche Meldung aus?

Die Folgen

Natürlich wird die Meldung von den Medien aufgegriffen. Ökotest hat im nächsten Test von Säuglingsnahrung im Juni 2008 die meisten Nahrungen um zwei bis drei Noten schlechter beurteilt, weil dieses Mal auch 3-MCPD-Fettsäureester mit untersucht wurden. Ökotest zitiert das BfR und sagt, man ginge nicht von einer akuten Gesundheitsgefahr aus. Aber im nächsten Satz heißt es: „Wie hoch das tatsächliche Risiko ist, kann nicht abschließend geklärt werden.“ Das bewirkt natürlich eine ziemliche Verunsicherung der Mütter, die auf Säuglingsmilch angewiesen sind, wenn sie nicht stillen oder ihre Kinder noch klein sind.

Der Westdeutsche Rundfunk hat das Thema in „Servicezeit Gesundheit“ ebenfalls aufgegriffen und dafür den Titel „Babymilch ist mit Vorsicht zu genießen“ gewählt. Das hatte eine große Verunsicherung zur Folge, die sich auch in den aid-Foren zum Thema Kinderernährung auf www.waswiressen.de niedergeschlagen hat, wie dieser Kommentar zeigt: „In der aktuellen Ökotest ist Babymilch getestet worden. Sie soll so genannte 3-MCPD-Fett-säureester enthalten, die Tumore auslösen können. Ich füttere meiner Tochter (knapp 5 Monate) Alete 2 Folgemilch. Ich bin etwas entsetzt darüber, meiner Tochter jetzt eventuell damit schaden zu können. Was kann ich tun? (...) Trifft das Ganze für Babybreie auch zu? Ich bin ehrlich gesagt sehr verunsichert.“

Dass sich möglicherweise Tumore entwickeln können, bezog sich auf Rattenversuche. Über Tumore bei Menschen wurde nichts kommuniziert. Das BfR hatte lediglich auf einen zu geringen Sicherheitsabstand hingewiesen. Aber die Mütter beziehen solche Informationen auf ihren Alltag. Es gab sicherlich Mütter, die bei der Ernährung ihrer Kinder auf schlechte Alternativen umgestiegen sind.

Einen solchen Prozess in Gang zu setzen, war natürlich nicht beabsichtigt. Das Beispiel zeigt aber, was solche Informationen, insbesondere in informationssensiblen Bevölkerungsgruppen, auslösen können.

Quelle: Mehr als wir verdauen können! (Bestell-Nr. 3387)

Dr. Margareta Büning-Fesel und Gesa Maschkowski, aid |

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