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Mehr Vögel in Bauerndörfern

Der Verlust von alten Gehöften und traditionellen Dorfgemeinschaften reduziert die Artenvielfalt von Vögeln.

Dorfansicht
aid

(aid) – Der Verlust von alten Gehöften und traditionellen Dorfgemeinschaften reduziert die Artenvielfalt von Vögeln. Das hat eine Studie der Adam Mickiewicz Universität in Posen aufgedeckt. Sie nahm Siedlungen in West- und Südpolen unter die Lupe. Die Ökologen zählten Arten und Individuen der Vögel in einzelnen Gebäuden, in den Dörfern und der Umgebung.

In Polen machen Agrarlandschaften bis zu 60 Prozent des Landes aus. Jeder zweite Einwohner lebt noch in ländlichen Gebieten. Es gibt 1,5 Millionen Bauernhöfe, von denen 77 Prozent weniger als 10 Hektar Fläche aufweisen. Allerdings stehen auch in Polen kleinere Betriebe unter einem sozio-ökonomischen Druck und junge Menschen ziehen in die Städte.

Die Wissenschaftler besuchten 78 Gehöfte und Wohngebäude in 30 Dörfern und zählten 12.000 Vögel von 135 Arten. Darunter waren viele Arten, die europaweit selten geworden sind. Nach den Studienergebnissen lebten in alten Gehöften mehr Vögel und mehr Arten als in Gebäuden, die nach 1989 gebaut wurden. Das liegt vermutlich daran, dass früher viele verschiedene Baumaterialien wie Reet, Stroh und Kanthölzer verwendet wurden. Auch die Umgebung ist vielfältig: Alte Bäume und Sträucher sowie Obstgärten bieten den Tieren viele Nistmöglichkeiten und ausreichend Nahrung.

In Bauernhöfen war die Artenzahl höher als in Gebäuden, die in erster Linie zum Wohnen genutzt wurden. Der Anteil an neuen Häusern hatte einen starken Einfluss auf die Vogelwelt. So waren in Dörfern mit weniger als 10 Prozent neuen Wohnhäusern 20 bis 25 Vogelarten nachweisbar. Stieg der Anteil auf 40 bis 50 Prozent, blieben weniger als 10 Arten übrig. Auch die Individuenzahl war in älteren Siedlungen deutlich höher.

Viele Vögel der Agrarlandschaft sind in den vergangenen Jahrzehnten europaweit selten geworden. So hat die europäische Population der Haubenlerche von 1980 bis 2005 um 95 Prozent, der Grauammer um 61 Prozent und des Bluthänflings um 54 Prozent abgenommen. Nach dieser Studie sind alte Bauernhöfe und traditionelle Siedlungen ein Schlüssel zur Arterhaltung. Die Wissenschaftler fordern, kleine bäuerliche Betriebe zu unterstützen und dafür europaweit und national die politischen Voraussetzungen zu schaffen.

Heike Kreutz, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.britishecologicalsociety.org/biodiversity-begins-home-saving-old-villages-helps-save-farmland-birds/

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12715/full

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