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Migranten aufnehmen und integrieren

Gemeinden im ländlichen Raum haben zwar viele Möglichkeiten bei der Aufnahme von Flüchtlingen, aber es gibt dort auch viele Hemmnisse.

(aid) – Gemeinden im ländlichen Raum haben zwar viele Möglichkeiten bei der Aufnahme von Flüchtlingen, aber es gibt dort auch viele Hemmnisse. So die Aussage von Gudrun Kirchhoff vom Deutschen Institut für Urbanistik auf der Frühjahrstagung der Agrarsozialien Gesellschaft Ende Mai in Meißen, die sich mit neuen Herausforderungen der ländlichen Entwicklungspolitik beschäftigte.

Auf der einen Seite hat Kirchhoff in Ihren Untersuchungen mehr räumliche Nähe für eine leichtere soziale Einbindung von Migranten vorgefunden. Dazu gehören flachere Hierarchien in den beteiligten Organisationen sowie mehr lokal verankerte kleinere und mittlere Unternehmen. Vereine und religiöse Gemeinschaften haben hier eine größere Bedeutung und die Lebenshaltungskosten sind tendenziell niedriger. Andererseits lassen ihre Ergebnisse erkennen, dass die Verkehrs- und die soziale Infrastruktur schlechter ist. In vielen Berufen gibt es für Migranten nur eingeschränkte Möglichkeiten am Arbeitsmarkt und in der Ausbildung.

Dörfliche Gemeinschaften haben gegenüber Fremden höhere Anpassungserwartungen. Traditionelle Strukturen sind hier oft recht langlebig. Gute Maßnahmen der Integration sind laut Kirchhoff Neubürger-Empfänge, Willkommensmappen oder Mentorenprogramme. Viele Anlässe zur Begegnung wie Kurse, Feste oder Feiern können genutzt werden. Schließlich sollte auch in den beteiligten Behörden der Begriff Willkommenskultur mit Leben gefüllt werden.

Mit praktischen Erfahrungen konnte der Bürgermeister von Meißen, Olaf Raschke, aufwarten. „Die Menschen kommen, sprechen teilweise nicht nur die Sprache nicht, sondern wissen oft nicht einmal, wo in Deutschland sie sind.“ Die erfolgreiche Strategie seiner Stadt sei es, die Migranten möglichst gut auf das Stadtgebiet zu verteilen. „Dort, wo man Menschen täglich begegnet, auf der Straße, beim Einkauf, beim Sport, in den Vereinen und Kirchen, dort geschieht Integration und Teilhabe“, so das Stadtoberhaupt.

Einen Bericht von der Basis brachte Julia Schindler von der Aktion Zivilcourage mit in die Diskussion ein. Sie sieht Probleme in der Arbeit mit Einwanderern im ländlichen Raum in vielen Bereichen. Es gibt zu wenig Dolmetscher und zu wenig Sprachkurse. Teilweise haben die Personen ein sehr niedriges Bildungsniveau, also den Schritt der Alphabetisierung sogar noch vor sich. Die Integration in den Arbeitsmarkt dauert daher relativ lange. In den Kursen kommt es in Verbindung mit der Anerkennung der Asylanträge immer wieder zu Fluktuation, die deren Qualität negativ beeinflusst. Die Transport- und Einkaufsmöglichkeiten sind schlecht, die Schulwege weit. Das macht es schwierig, Kontakte zu knüpfen oder Freundschaften zu schließen. Ein besonderes Problem sieht Schindler darin, dass aus Angst vor Anfeindungen viele ehrenamtlich Engagierte lieber nicht erkannt werden wollen. Aus dieser Situation müsse man sich jedoch befreien, damit die Arbeit auch öffentlich wahrgenommen werde.

Martin Heil, www.aid.de

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