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Milch: Milchkuh-Haltung

Im Jahr 2014 gab es rund 76.500 Halter mit insgesamt fast 4,3 Mio. Milchkühen. Damit lag der Anteil der Milchkühe am gesamten Rinderbestand bei etwa einem Drittel.

Milchkühe im Stall fressen Futter
countrypixel / Fotolia.com

Die Milchviehhaltung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die wirtschaftliche Erzeugung von Milch gelingt nur mit einer hohen Milchleistung der Kühe und in einem geeigneten Stall mit moderner Melktechnik.

Milchkühe im Laufstall
Milchkühe im Laufstall

In einem Anbindestall hat jede Kuh ihren festen Platz, an dem sie schläft, frisst und wiederkäut. Dieses Haltungssystem widerspricht einer modernen Tierhaltung, so dass heute meist Laufställe gebaut werden. In der ökologischen Tierhaltung sind Anbindeställe seit Ende 2013 verboten. Ausnahmeregelungen gelten für Kleinbetriebe.

In Laufställen können sich die Kühe frei bewegen, im ökologischen Landbau ist eine Mindestfläche von 6 m² pro Tier vorgeschrieben. Die Stallfläche ist in die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Laufen aufgeteilt. Gemolken wird in einem Melkstand, den die Tiere entweder zu vorgegebenen Melkzeiten aufsuchen, oder fortlaufend mithilfe eines sogenannten Melkroboters. Gegenüber der mobilen Melktechnik im Anbindestall bieten beide Varianten große Vorteile.

Stallflächen im Laufstall

Milchkuh im Wellnessbereich eines Stalls
"Wellness" für Milchkühe

Im Liegebereich eines Laufstalls für Kühe gibt es abgetrennte Boxen, die entweder mit einer Gummimatte versehen oder eingestreut sind. In der Öko-Tierhaltung ist Einstreu vorgeschrieben. Die Boxen ermöglichen den Kühen ein ungestörtes Ausruhen und Wiederkäuen. Im Laufbereich können sich die Kühe frei bewegen. Der Boden ist entweder ein Spaltenboden, bei dem Kot und Harn der Tiere in einen darunter gelegenen Güllekanal fließen, oder ein rutschfester, ebener Boden, der mit einem Schieber sauer und trocken gehalten werden muss. Zur "Wellness-Einrichtung" in einem Laufstall gehören Bürsten, die so angebracht werden, dass sich die Tiere selber Rücken und Flanken bürsten können.

Im Fressbereich sollte jede Kuh einen einzelnen Platz haben, an dem sie ungestört fressen kann. Kraftfutter erhalten Kühe in einem modernen Stall computergesteuert im Melkstand und/oder in Kraftfutterstationen. In den Melkstand treten die Tiere freiwillig ein, werden fixiert und vom Landwirt vorbereitet und gemolken. Beim Melkroboter geschieht das alles automatisiert.

Optimale Haltungsbedingungen

Die Haltung auf der Weide ist ideal für Kühe, jedoch verfügt nicht jeder Hof über eine Weidefläche oder die Fläche ist zu weit entfernt. In den letzten Jahren hat in Deutschland die Stallhaltung ohne Weidegang stark zugenommen. Um den Tieren trotzdem frische Luft zu verschaffen, werden die Laufställe mit einem Auslauf kombiniert. Im ökologischen Landbau haben die Tiere Anspruch auf frische Luft oder Weidegang.

Kühe lieben es kühl: Die optimale Stalltemperatur liegt bei 7 °C. Selbst starke Fröste machen ihnen nichts aus. Schon ab 17 °C ist es Kühen zu warm und die Milchleistung sinkt. Um Milch zu geben, muss eine Kuh kalben. Mehr dazu in unserem Artikel zur Milch-Gewinnung.

Futterneid hilft

Bei der Kälberaufzucht werden die Tiere spätestens ab der achten Lebenswoche in Gruppen gehalten. Rinder sind Herdentiere, daher ist die Gruppenhaltung artgerecht. Das sorgt für Abwechslung und schnelles Lernen: Futterneid und Nachahmungstrieb bewirken, dass die Kälber bereits ab der achten Lebenswoche genügend Wasser, Heu und Kraftfutter aufnehmen und keine Milch mehr benötigen. Am Ende der vier Monate dauernden Aufzucht sollen die Kälber etwa 130 Kilogramm schwer sein. Bei einem durchschnittlichen Geburtsgewicht von 40 Kilogramm bedeutet dies eine mittlere Tageszunahme von 750 Gramm.

Nicht Alter, sondern Größe zählt

Zwei Kälber im Stall
Milchkuh-Kälber

Die Aufzuchtdauer ist von der Zuchtreife des Jungrindes abhängig, die wiederum je nach Rasse unterschiedlich ist.

Die Geschlechtsreife und die ersten Brunsterscheinungen treten bereits zwischen dem sechsten und zwölften Monat auf. In diesem Alter sind die Tiere jedoch körperlich noch nicht ausreichend für die Zucht entwickelt. Die Zuchtreife ist erreicht, wenn die Tiere 75 Prozent ihres Endgewichtes erreicht haben. Bei den in Deutschland typischen Rinderassen sind das ungefähr 350 bis 450 Kilogramm. Dieses Gewicht erreichen die meisten Tiere bei richtiger Fütterung im Alter von 15 bis 18 Monaten. Der Prozess kann und darf nicht durch intensive Fütterung verkürzt werden, da die Tiere dann verfetten, weniger fruchtbar sind und auch weniger Milch geben.

Fütterung von Milchkühen

Im Gegensatz zum Menschen haben Wiederkäuer mehrere Mägen. Die sogenannten Vormägen sind sackartige Ausstülpungen der Speiseröhre. Der eigentliche Magen ist der Drüsen- oder Labmagen.

Beim Fressen gelangt das kurz gekaute Futter in die Vormägen. Der größte Vormagen ist der Pansen: Er hat ein Volumen von bis zu 200 Litern. Der Pansen ähnelt einer Gärkammer, in der das Futter von Bakterien und Mikroorganismen aufgeschlossen wird. So können Kühe für den Menschen unverdauliches Futter wie Gras und Heu verwerten. Große Futterpartikel gelangen aus dem Pansen durch kräftige Kontraktion der Speiseröhre wieder ins Maul. Beim Wiederkauen werden sie zerkleinert und es wird zusätzlicher Speichel gebildet, der wiederum für die Verdauung im Pansen wichtig ist. Kühe beginnen etwa 30 bis 45 Minuten nach der Futteraufnahme mit dem Wiederkauen und widmen ihm mindestens sechs Stunden pro Tag. Sehr kleine Futterpartikel gelangen dann vom Pansen in den Labmagen.

Struktur- und Kraftfutter

Milchkuh frisst Futter
Milchkühe benötigen neben Heu auch energiereiches Futter.

Das Verdauungssystem der Kühe ist durch ihre Herkunft für Strukturfutter wie Gras, Grassilage und Heu angepasst. Diese Art von Futter benötigen Kühe immer, da sonst das Säuregleichgewicht des Pansens gestört wird und die Kuh schwer erkranken kann. Dieses Grundfutter soll in der Öko-Tierhaltung möglichst vom eigenen Hof stammen. Das ist aber auch in der konventionellen Haltung üblich.

Bei sehr hohen Milchleistungen muss die Futterration aber mit energie- oder eiweißreichem Futter – sogenanntem Kraftfutter – ergänzt werden. Hohe Energiegehalte weisen zum Beispiel Getreide oder Zuckerrübenschnitzel auf. Eiweißreiche Futtermittel sind unter anderem Rapsschrot oder Sojaschrot.

Für Öko-Tiere muss auch dieses Futter aus ökologischem Anbau stammen. Bei entsprechender Kraftfuttermenge ist die Milchleistung von Bio-Kühen vergleichbar. Für den Verkauf steht dennoch weniger Milch zur Verfügung, da die Kälber in den ersten drei Monaten mit natürlich Milch gefüttert werden.

Fütterung nach Bedarf

Von der bedarfsgerechten Fütterung der Milchkühe hängen Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung ab. Der Bedarf an Energie, Eiweiß und Mineralstoffen richtet sich nach der Milchmenge, dem Nährstoffbedarf der Kuh und dem Stadium der Trächtigkeit.

Bei Milchleistungen von 40 Litern benötigt die Kuh bis zu 25 Kilogramm Grassilage, 15 Kilogramm Maissilage und 12 Kilogramm Kraftfutter. Auch genügend Wasser ist ein Muss: Je Kilogramm Milch benötigt die Kuh dreieinhalb bis vier Liter Wasser. Bei 40 Litern Milch pro Tag muss die Kuh also 160 Liter Wasser trinken.

Seit den 90er-Jahren verbreitet sich die Methode der Total-Misch-Ration (TMR) in Deutschland. Das ist ein Fütterungssystem, bei dem in einem Futterwagen alle Futterkomponenten zusammengemischt und dann verfüttert werden. Das Fütterungsverfahren ist verdauungsphysiologisch günstig, gut für Tiergesundheit, Milchleistung und Milchinhaltsstoffe und bedeutet eine Arbeitserleichterung für den Landwirt.

Richtig füttern schützt die Umwelt

Auch wenn Mist und Gülle wertvoller Dünger sind – zu viel davon belastet die Umwelt. Die Fütterung kann einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten: Je besser sie an den tatsächlichen Bedarf des Tieres angepasst ist, desto weniger überflüssige Nährstoffe werden von der Kuh wieder ausgeschieden.

Krankheiten bei Milchkühen

Kühe sind wie Hochleistungssportler: Sie können nur dann gute Leistungen erbringen, wenn sie sich bester Gesundheit erfreuen. Und nur gesunde Tiere ermöglichen dem Landwirt eine wirtschaftliche Milcherzeugung. Die Tiergesundheit hängt von vielen Faktoren ab. Fruchtbarkeitsstörungen, Euterentzündungen, Klauenerkrankungen und Störungen in Pansen oder Stoffwechsel spielen eine große Rolle. Dazu kommen Parasiten und Tierseuchen.

Behandlung von Krankheiten in ökologischer und konventioneller Tierhaltung

Tierarzt steht im Stall neben einer Kuh
Tierarzt untersucht eine Kuh

Weder in der konventionellen noch in der ökologischen Tierhaltung dürfen antibiotische Leistungsförderer im Tierfutter eingesetzt werden. Antibiotika dürfen in der ökologischen sowie der konventionellen Tierhaltung nur im Rahmen einer tiermedizinischen Behandlung, also bei Krankheit verabreicht werden.

In der konventionellen Milchviehhaltung ist der Einsatz von Hormonen zulässig, um den Zeitpunkt der Besamung und damit den Kalbetermin zu beeinflussen (Brunstsynchronisation, Embryotransfer). Dadurch werden die Arbeitsabläufe und Tierkontrollen vereinfacht. In der Praxis sind die Methoden aber von geringer Bedeutung, da sie mit sehr hohen Kosten verbunden sind. Sie spielen eher in sehr großen Betrieben beziehungsweise Zuchtbetrieben eine Rolle. Sowohl konventionelle als auch Bio-Kühe können Schutzimpfungen erhalten, wenn die Gefahr ansteckender Seuchen besteht.

Antiobiotika kommen in der konventionellen Tierhaltung bei Euterentzündungen zum Einsatz, dürfen aber auch beim Trockenstellen angewendet werden. Solche antibiotischen Trockensteller sind verschreibungspflichtig und nur über den Tierarzt erhältlich. In ökologischen Betrieben werden die Tiere homöopathisch behandelt. Schlägt die Behandlung nicht an, darf zum Wohle des Tieres ein Antibiotikum verabreicht werden. Dann gelten besonders strenge Wartezeiten für die Produkte Milch und Fleisch. Eine weitere Ausnahme wird im Öko-Landbau auch für die Parasitenbekämpfung gemacht: Da es zurzeit keine bekannten alternativen Mittel gibt, dürfen bei Parasitenbefall auch konventionelle Mittel angewendet werden.

Weitere Informationen zu Rinderkrankheiten

Fruchtbarkeitsstörungen

Fruchtbarkeitsstörungen kann der Landwirt bereits bei der Aufzucht vorbeugen, indem er auf ein ideales Wachstumstempo achtet. Verfettete Tiere sind für Störungen prädestiniert, mageren Kühen fehlen die Reserven für die Trächtigkeit. Auch die Haltungsbedingungen spielen eine Rolle.

Euterentzündungen

Euterentzündungen sind die zweithäufigste Erkrankung von Milchkühen. Sie entstehen durch Bakterien oder Viren, die durch Verletzungen oder Fehler beim Melken eindringen können. Die Milch von Kühen mit Euterentzündung ist nicht verkehrsfähig. Euterentzündungen können mit Antibiotika behandelt werden. Die Milch ist während der Behandlung ebenfalls nicht verkehrsfähig.

Klauenerkrankungen

Auch Klauenerkrankungen treten häufig auf. Kühe sind von Natur aus Weidegänger, darauf sind die Klauen ausgerichtet. Auf unebenen oder feuchten Stallböden leiden sie. Klauenerkrankungen sind für die Tiere schmerzhaft und können durch regelmäßige Klauenpflege verhindert werden.

Pansenübersäuerung (Azidose)

Im Pansen kann sich Schaum oder zu viel Gas bilden, vor allem, wenn die Tiere zu wenig Strukturfutter wie Heu, Gras und Grassilage fressen. Medikamente oder ein Stich in den oberen Pansen durch den Tierarzt schaffen Abhilfe. Die Pansenübersäuerung (Azidose) wird ebenfalls durch Fütterungsfehler verursacht. Sie führt zu Koliken, Durchfall und Leistungseinbußen. Wird die Azidose nicht behandelt, kann sie tödlich verlaufen.

Stoffwechselstörungen / Mangelkrankheiten

Stoffwechselstörungen oder Mangelkrankheiten sind nicht ansteckend. Meist ist auch hier die Fütterung ursächlich, das heißt es besteht ein Mangel oder Überschuss an Nähr- oder Mineralstoffen, Spurenelementen oder Vitaminen. Eine gefürchtete Stoffwechselstörung ist das Milch- oder Kalbefieber, das nach dem Abkalben auftritt. Ausgelöst wird es durch eine mangelhafte Mobilisierung von Kalzium. Zu hohe Kalziumgehalte im Futter vor der Kalbung erhöhen das Risiko.

Ketose / Azetonämie

Eine Ketose oder Azetonämie ist Folge eines Energiedefizits nach dem Abkalben, einer zu nährstoffreichen Versorgung in der Trockenstehphase, schlechter oder verdorbener Futtermittel oder eines Rohfasermangels. Erkrankte Kühe fressen weniger, magern stark ab und geben weniger Milch.

Parasiten

Auch Parasiten, also kleine Tiere, die die Kühe als Wirt nutzen, treten in Kuhherden auf. Leberegel, aber auch Magen- und Darmwürmer treten auf, ebenso verpuppen sich Dasselfliegen unter der Haut der Rinder. Ein Befall mindert die Milchleistung. Parasitenbefall beugt der Landwirt am besten bereits auf der Weide vor, zum Beispiel durch Kalkstickstoffdüngungen oder das Trockenlegen feuchter Gebiete. So treten weniger Parasiten auf, die die Kühe befallen können.

Tierseuchen: Anzeigepflicht schon bei Verdacht

Tierseuchen sind Infektionskrankheiten, die ein besonderes Risiko für die Gesundheit von Mensch und Tier bergen und großen wirtschaftlichen Schaden verursachen können. Für sie besteht eine gesetzliche Anzeigepflicht, das heißt, dass schon der Verdacht auf eine dieser Krankheiten an die zuständige Veterinärbehörde gemeldet werden muss. Für die anzeigepflichtigen Krankheiten ist normalerweise eine sehr hohe Ansteckungsgefahr typisch.    

 

Antje Elfrich, Brühl; Dr. Elisabeth Roesicke, aid; Rüdiger Lobitz, aid; Julia Icking, Bonn |

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