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Milchkrise: Das eine tun und das andere nicht lassen

Die Milchkrise hat die Bauern fest im Griff. Bei Erzeugerpreisen um 20 Cent pro Liter Milch geht es sehr schnell um die Existenz ganzer Betriebe.

Milchkuhfütterung
aid

(aid) – Die Milchkrise hat die Bauern fest im Griff. Bei Erzeugerpreisen um 20 Cent pro Liter Milch geht es sehr schnell um die Existenz ganzer Betriebe. Nicht nur die kleinen, auch große Betriebe mit Fremdarbeitskräften und hohen Fixkosten sind betroffen und leben von der Substanz. Und das höchstens noch ein paar Monate.

Die auf dem so genannten Milchgipfel angekündigten Soforthilfen und der vorgesehene Branchendialog zwischen Landwirtschaft, Handel und Molkereien werden von manchen als erster Schritt in die richtige Richtung angesehen; anderen gehen sie nicht weit genug. Der Bayerische Bauernverband zum Beispiel sieht im Branchendialog einen richtigen Ansatz, aber nur, wenn es auch möglichst schnell verbindliche Ergebnisse gebe. Und damit ist wohl kaum zu rechnen. Enttäuscht von den Berliner Ergebnissen zeigt sich dagegen der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Es werde auf Zeit gespielt, die Ursachen der Krise und eigentliche Problemlösungen würden nicht angegangen.

Auf Langfristigkeit hingegen ist ein Diskussionspapier des BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft). Die ökologischen Anbauverbände schlagen ein Extensivierungsprogramm für die Milchvieh-Fütterung und eine Rückbesinnung auf eine grundfutterbasierte, tiergerechte Fütterung vor. Milchbauern sollten einen Zuschuss bekommen, wenn sie auf Maissilage verzichten und den Kraftfuttereinsatz pro Kuh auf 1,5 kg je Tag senken. Mit einer Beschränkung auf heimisches, den physiologischen Bedürfnissen der Tiere angepasstes Futter lasse sich die Milchmenge reduzieren. Nebeneffekte seien außerdem die Verbesserung der Tiergesundheit, eine Einsparung von Flächen in Übersee für den Sojaanbau sowie eine Begrenzung der Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer. Mit einem solchen Extensivierungsprogramm lasse sich eine Milchmengenreduzierung von 10 Prozent erreichen. Dieses Programm ersetze zwar keineswegs die erforderlichen Soforthilfen, schaffe aber langfristig Perspektiven für ein Überleben der Betriebe.

Während also die einen die Krise für einen gesellschaftlich gewünschten Wandel der Milchviehhaltung nutzen wollen, bevorzugen andere das kurzfristige Fließen von Geld, um die Situation zu retten. Der Milchmarkt braucht wohl jede erdenkliche Lösung und das schnell und nachhaltig.

Renate Kessen, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Agrarpolitik/1_EU-Marktregelungen/_Texte/Milchgipfel_2016_05_30.html

http://www.bayerischerbauernverband.de/pm35-milchgipfel

http://bdm-verband.org/html/

http://www.boelw.de/presse/pm/weniger-ist-mehr-fuer-bauern-tiere-und-umwelt/

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