Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Mit dem Schiff um die Welt

Mit dem Schiff werden nicht nur Waren, sondern auch Tiere und Pflanzen rund um die Welt befördert. Als blinder Passagier legen sie große Strecken zurück und dringen in fremde Ökosysteme ein.

(aid) – Mit dem Schiff werden nicht nur Waren, sondern auch Tiere und Pflanzen rund um die Welt befördert. Als blinder Passagier legen sie große Strecken zurück und dringen in fremde Ökosysteme ein. Auf diese Weise werden vermehrt neue Arten in die Nordsee eingeschleppt, lässt eine aktuelle Studie der Universität Oldenburg und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums vermuten.

Für die Prognosen wurde eine neuartige Modellierungsmethode von Invasionen in den Weltmeeren genutzt, die unter Leitung des Oldenburger Instituts für Chemie und Biologie des Meeres entstanden ist. Die Wissenschaftler setzten Daten von Schiffsbewegungen und Schiffsgrößen mit Temperatur und Salzgehalt des Wassers sowie Verbreitungskarten von rund 100 möglicherweise invasiven Arten in Bezug. So ließ sich voraussagen, welche Arten mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine bestimmte Meeresregion einwandern. Solche Informationen sind wichtig, um negative Auswirkungen zu vermeiden oder wenigstens zu verringern.

Ein Großteil des Welthandels läuft über den internationalen Schiffsverkehr. Eine Vielzahl an Arten kann den langen Transport am Rumpf und im Ballastwasser unbeschadet überstehen. Ohne Hilfe des Menschen hätten sie diese Gebiete nie erreicht. Vor allem Regionen mit hohem Schiffsaufkommen und gemäßigtem Klima wie die Nordsee sind gefährdet, in die viele Schiffe aus Japan und China einfahren. Dort sind die Bedingungen in den Meeren ähnlich, sodass eingeschleppte Arten eine Überlebenschance haben. In der Nordsee konnten sich bereits zwei neue Algenarten (Prorocentrum minimum und Polysiphonia harveyi) ansiedeln, die als „Hochrisiko-Arten“ eingestuft werden.

Auch an der Westküste der USA steigt die Wahrscheinlichkeit für die Einwanderung fremder Tiere und Pflanzen. Hier landen häufig Schiffe aus dem asiatischen Raum, aber mitgeführte Arten konnten bislang in den kühlen Gewässern nicht überleben. Das wird sich voraussichtlich ändern, da durch den Klimawandel die Wassertemperaturen steigen. Laut Studie sind schon erste Einwanderungen aus Asien zu beobachten. 

Laut Studie verursachen Schäden durch invasive Arten in der EU Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro pro Jahr.

Die Untersuchung beschränkte sich auf die Ausbreitung von Algen, kann aber nach Ansicht der Ökologen auf andere Tier- und Pflanzengruppen nicht nur im marinen Bereich ausgeweitet werden.

Heike Kreutz, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.pnas.org/content/early/2016/04/13/1524427113

als hilfreich bewerten 0 Versenden