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Nachhaltig wirtschaften – aber wie?

Nachhaltigkeit hat viele Facetten – ökologische, soziale und natürlich auch ökonomische.

(aid) – Nachhaltigkeit hat viele Facetten – ökologische, soziale und natürlich auch ökonomische. Darin liegt die große Herausforderung, wenn „mehr Nachhaltigkeit“ gefordert wird: dass alle Facetten beachtet werden. Über eine nachhaltigere Landwirtschaft diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft anlässlich des 60. Kongresses des Internationalen Agrarjournalisten-Verbandes am 14. Juli 2016 in Bonn. Und so wundert es nicht, dass die Position von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nicht unbedingt im Einklang steht mit der von Staatssekretär Dr. Robert Kloos aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium. 

Prinz zu Löwenstein fordert ein grundsätzliches Umdenken und eine Änderung des Systems Landwirtschaft. Denn so wie wir heute Landwirtschaft betreiben und uns ernähren, das sei nicht nachhaltig. Er hält die ökologische Landwirtschaft für einen Weg Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sieht aber auch hier noch Entwicklungspotenzial. Ressourcenschonendes Arbeiten, Verbesserung des Humusaufbaus und somit der Bodenfruchtbarkeit sowie geschlossene Nährstoffkreisläufe stehen für ihn ganz oben auf der Prioritätenliste, damit wir auch in 10.000 Jahren noch Landwirtschaft betreiben und Lebensmittel erzeugen können. „Davon sind wir noch weit entfernt“, so Prinz zu Löwenstein. Kloos hingegen sieht die Landwirtschaft auf einem guten Weg. Er wies u. a. auf die vielen Programme hin, die von politischer Seite her unterstützt werden, um ressourcenschonend zu arbeiten, die Biodiversität zu steigern und zur Ernährungssicherung beizutragen. „Vieles wird bereits umgesetzt, aber es bleibt auch noch viel zu tun.“

Dass im internationalen Raum unterschiedliche Schwerpunkte in der Nachhaltigkeit gesetzt werden, darauf wiesen in der Diskussion Agrarjournalisten hin. Während in Industrieländern bei nachhaltigem Wirtschaften ökologische Aspekte im Fokus stehen, geht es in Entwicklungsländern zu allererst um Ernährungssicherung. Denn ein Großteil der hungernden und unterernährten Menschen dieser Welt lebt auf dem Land und von der Landwirtschaft. Hier geht es zunächst um Ertragssteigerung durch effiziente Nutzung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln oder den Einsatz von moderner Technik zur Steigerung der Produktivität und zur Verringerung von Nachernteverlusten und erst dann z. B. um Fragen der Biodiversität.

Wie kann die Nachhaltigkeit eines landwirtschaftlichen Betriebes bewertet werden? Allein die Tatsache, dass ein Betrieb in der fünften oder sogar zwölften Generation geführt wird, ist als Argument nicht ausreichend. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat ein entsprechendes Zertifizierungssystem entwickelt. Anhand von 23 Kriterien können sich Betriebe einen Überblick verschaffen, wie es um ihre Nachhaltigkeit steht. Darin werden Ökologie, Ökonomie und Soziales betrachtet. Denn: Nachhaltiges Wirtschaften muss sich letztlich für die Landwirte rechnen. „Wenn wir höhere Standards haben, müssen diese auch bezahlt werden“, so Kloos. Prinz zu Löwenstein betonte, dass wir den Menschen erklären müssen, welche Auswirkungen ihr Ernährungsverhalten auf die Form der Landbewirtschaftung hat und sie somit Einfluss nehmen können.

Beim Thema Nachhaltigkeit kann also nie ein Aspekt isoliert betrachtet werden. Jede Maßnahme hat ökologische, soziale und ökonomische Auswirkungen. Hierin bestand Konsens zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: Nachhaltigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Renate Kessen, Britta Ziegler, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.presseportal.de/pm/119441/3381048

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