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Nachhaltiger Lebensmittelkonsum

Nachhaltig einkaufen, das wollen immer mehr Menschen. Kein Wunder, dass sich auch auf dem Lebensmittelmarkt eine wahre Flut an Siegeln und Werbebotschaften etabliert.

(aid) - Nachhaltig, also – vereinfacht betrachtet – ökologisch und fair einkaufen, das wollen immer mehr Menschen. Kein Wunder, dass sich auch auf dem Lebensmittelmarkt eine wahre Flut an Siegeln und Werbebotschaften etabliert, die eine nachhaltige Wertschöpfungskette versprechen. Das Problem: Den meisten davon fehlt es an Schärfe, Transparenz und damit auch an Verlässlichkeit, wie Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands e.V. (vzbv) anlässlich des vzbv-Forums kritisierte, das Ende Januar in Berlin stattfand.

Chancen sieht er im „Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum“, das die Bundesregierung voraussichtlich im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichen wird. Die Offenlegung von Wertschöpfungsketten sowie klare, gesetzlich verankerte Indikatoren wären wichtige Ziele dieses Programms. Hiermit könnten Beschaffungs- und Produktionsweisen eindeutig klassifiziert werden. Müllers Credo: Nachhaltig produzierte Produkte müssen erkennbar und die einfachere Wahl sein. Und: Die Verbraucherbildung ist wichtig, kann aber maximal flankierend wirken, wenn es um eine echte Trendwende auf dem globalen Markt geht. Denn das Wissen um nachhaltige Produktionsweisen hilft nur, wenn der Kunde im Laden auch findet, was er gelernt hat.

Eine zentrale Forderung des vzbv ist in diesem Kontext die Abbildung der wahren Produktionskosten. Denn nach wie vor ist der Preis eins der Hauptkriterien für die Kaufentscheidung. So legen knapp zwei Drittel der Deutschen Wert auf preiswerte Lebensmittel. Das offenbart auch der jüngst vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlichte Report „Deutschland, wie es isst“.

Was in der Hektik des Einkaufs allerdings leicht übersehen wird: Treten aufgrund nicht-nachhaltiger Produktionsweisen Umweltschäden auf oder gerät das globale Wirtschaftsgefüge aufgrund unfairer Arbeitsbedingungen noch weiter auseinander, gehen auch diese Kosten zu Lasten der Allgemeinheit. Dass sie natürlich aus Steuerzahlungen finanziert werden, ist den wenigsten beim Einkauf präsent. Die wahren Kostenstrukturen ehrlich abzubilden mag ein aufwendiges Unterfangen sein. Doch genau das könnte das für einen verantwortungsbewussten Einkauf notwendige Wissen um die Wertschöpfungskette schärfen.

Das jedenfalls wäre ganz im Sinne der im Jahr 2002 amtierenden Bundesregierung, die in ihrem seinerzeit veröffentlichten Strategiepapier, dem Verbraucher die Hauptverantwortung für den nachhaltigen Konsum zuschrieb. Eine Verantwortung, die der Verbraucher ohne Frage tragen kann und muss, wenn es darum geht seinen individuellen Fleischkonsum, den Einkauf nicht-saisonaler Früchte oder die PKW-Nutzung zu rechtfertigen.

Wenn es aber darum geht, die Ressourcen und Vielfalt der Erde für kommende Generationen wirklich aufrecht erhalten zu wollen, braucht es aber ganz offensichtlich mehr als einen politischen Appell an das Gewissen der Konsumenten. Es darf insofern mit Spannung erwartet werden, wie die derzeitige Bundesregierung die im September 2015 durch die Vereinten Nationen verabschiedeten „Sustainable Development Goals“ (SDG) in ihr „Nationales Programm für nachhaltigen Konsum“ einbindet. Und natürlich, ob sie dabei messbare und überprüfbare Kriterien festschreibt.

Dr. Christina Rempe, www.aid.de

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