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Nachhaltiger Lebensmittelmarkt

Immerhin: Die Zeiten, in denen der Begriff der Nachhaltigkeit mehr Worthülse als Praxis war, sind vorbei. Denn „grünes Handeln“ liegt irgendwie im Trend, gerade beim Lebensmittelkonsum.

(aid) – Immerhin: Die Zeiten, in denen der Begriff der Nachhaltigkeit mehr Worthülse als Praxis war, sind vorbei. Denn „grünes Handeln“ liegt irgendwie im Trend, gerade beim Lebensmittelkonsum. Ein steigendes Bürgerinteresse an ökologischen beziehungsweise regionalen Lebensmitteln, Urban-Gardening-Projekten und anderer teils höchst charmanter Kleininitiativen zeugen davon. Und nicht nur das: Auch Großkonzerne schreiben sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne, wenngleich ihr Engagement für den Erhalt des Regenwaldes, mehr Energieeffizienz im Herstellungsprozess oder Kohlendioxideinsparungen nicht immer in Gänze nachvollziehbar ist.

Dennoch liegt allein auf dem Lebensmittelmarkt in Sachen Nachhaltigkeit noch weit mehr im Argen, wie auf einer themenbezogenen Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung Ende Juni 2016 in Berlin deutlich wurde. Speziell die soziale Dimension nachhaltigen Handelns scheint, verglichen mit den Themen Umwelt- und Naturschutz, für die Bevölkerung weit weniger ergründbar zu sein als erforderlich. Dabei herrscht ohne Frage Konsens, dass existenzsichernde Löhne und sichere, nicht gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen zu den Rechten eines jeden Menschen zählen.

Umso mehr irritierten die Berichte zweier Interessenvertreter über die Arbeitsbedingungen auf Ananasplantagen in Costa Rica beziehungsweise Bananenplantagen in Ecuador. Allein angesichts der heute strengen Auflagen, die das europäische Lebensmittelrecht an die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln stellt, überrascht es, wie derlei prekäre Arbeitsverhältnisse in der Lieferkette bestehen können. Zumal auch freiwillige Zertifizierungssysteme zu regelmäßigen Lieferantenaudits verpflichten. Zwar stehen arbeitsrechtliche Belange nicht im Fokus derartiger Prüfungen, allerdings dürften viele Verbraucher, die – vielleicht naive, aber berechtigte – Erwartung haben, dass das, was hierzulande im Supermarkt verkauft wird, Recht und Gesetz entspricht. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, ist – wie auf der Veranstaltung deutlich wurde – beim Lebensmitteleinkauf praktisch unmöglich. Insofern kommt dem Konsumenten seine viel zitierte Marktmacht, mit der er das Angebot im Handel mitbestimmt, allenfalls in Teilen zu.

Das sieht auch Elvira Drobinski-Weiß, verbraucherpolitische Sprecherin in der SPD-Bundestagsfraktion so, die am Ende der Veranstaltung ein Resümee aus politischer Sicht zog. Danach stehen durchweg alle am Lebensmittelmarkt Beteiligten in der Verantwortung, ihren Beitrag zu einem nachhaltigen, das heißt ökologisch, wirtschaftlich und sozial gerechten Konsum zu leisten. Dabei dürften keineswegs die Interessen etwa des Umwelt- oder Tierschutzes gegenüber den – aus hiesiger Sicht – ferner liegenden Arbeitsbedingungen in Drittstaaten abgewogen werden. Ein Fazit, das einleuchtet, gleichwohl aber die Vielschichtigkeit und damit verbundene Schwierigkeiten eines tatsächlich nachhaltigen Konsums aufs Neue verdeutlicht.

Dr. Christina Rempe, www.aid.de

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