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Natursprung oder künstliche Besamung

Wirkt sich die Art der Zeugung auf die Leistung von Bio-Kühen  aus? Dieser Frage gingen Wissenschaftlerinnen am Forschungsinstitut für biologischen Lanbau und der Universität Kassel nach.

Kuh auf Weide
aid

(aid) – Wirkt sich die Art der Zeugung auf die Leistung von Bio-Kühen auf Schweizer Betrieben aus? Dieser Frage gingen Wissenschaftlerinnen am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick und der Universität Kassel in Witzenhausen nach. Auch auf Bio-Betrieben werden 80 bis 90 Prozent der Milchkühe künstlich besamt, obwohl sowohl die Bioverordnung der Schweiz als auch die entsprechende Verordnung der EU die natürliche Fortpflanzung durch Natursprung empfehlen. Natursprung wird bislang vor allem auf Low-Input-Betrieben eingesetzt oder wenn Fruchtbarkeitsprobleme vorliegen.

Auch wenn die künstliche Besamung überwiegt, wird sie von der Biobewegung immer wieder in Frage gestellt. Künstliche Besamung kann mit Stress für die Kühe bei der Besamung verbunden sein und für die Stiere bei der Gewinnung des Ejakulats. Außerdem stammen die Stiere häufig nicht aus Bio-Betrieben, sie stammen in der Regel auch nicht aus derselben Region und sind unter anderen Bedingungen aufgewachsen als die Kühe.

In der Studie wurden Kühe von Betrieben einbezogen, die für die künstliche Besamung und den Natursprung Stiere derselben Milchrasse wie die Kühe einsetzten. Daten aus der ersten Laktation von 594 Kühen von 29 Schweizer Bio-Betrieben wurden ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass Kühe, die durch Natursprung gezeugt worden waren, niedrigere Zellzahlen aufwiesen. Es wurde außerdem eine Tendenz zu kürzeren Zwischenkalbezeiten festgestellt. Aber auch eine niedrigere Tagesmilchleistung. In anderen Gesundheitsparametern gab es keine signifikanten Unterschiede zu Kühen aus künstlicher Besamung.

70 Prozent der Stiere, die für den Natursprung eingesetzt worden waren, stammten aus der gleichen Region wie ihre Töchter. 30,8 Prozent waren auf einem Bio-Betrieb gezüchtet worden. Die Wissenschaftlerinnen vermuten, dass die Angepasstheit an die lokalen Bedingungen eine Erklärung für die gefundenen Unterschiede sein könnte.

Aus den Ergebnissen schließen die Wissenschaftlerinnen, dass es für Bio-Betriebe sinnvoll ist, Stiere einzusetzen, die unter ähnlichen Bedingungen aufgewachsen sind, wie die Kühe, die sie decken. Wird die künstliche Besamung durchgeführt, sollten hier ebenfalls Stiere eingesetzt werden, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Für Schweizer Betriebe werden Stiere aus Schweizer Zucht empfohlen, da dort Weidehaltung generell weiter verbreitet ist und weniger Kraftfutter gefüttert wird als in den Ländern, aus denen größtenteils Sperma bezogen wird.

Die Wissenschaftlerinnen weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei den Ergebnissen um Tendenzen handelt und nicht klar ist, ob die lokale Angepasstheit oder die Art der Befruchtungsart ausschlaggebend für die gefundenen Unterschiede ist. Über die Studie berichtete die Zeitschrift Agrarforschung Schweiz

Renate Kessen, www.aid.de

Weitere Informationen:

Agrarforschung Schweiz 7 (10): 420-427;2016

http://www.agrarforschungschweiz.ch/home_1de.php

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