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Noni-Produkte

Noni, die Früchte des Maulbeerbaumes, gelten in ihrer polynesischen Heimat als wahres Wundermittel gegen allerlei Krankheiten. Bewiesen ist davon bislang nichts.

Noni-Früchte und Saft
ExQuisine / Fotolia.com

Seit Ende der 90er Jahre wird Noni-Saft als Heilmittel gegen allerlei Gebrechen gepriesen. Was hat es auf sich mit dem Wundersaft?

Noni ist der tahitianische Name für die Frucht des indischen Maulbeerbaums (Morinda citrifolia). Der immergrüne Strauch wurde von Siedlern aus Südostasien nach Polynesien mitgebracht und wächst dort heute wild. In der polynesischen Volksmedizin spielt er eine Rolle: So sagt man den Wurzeln nach, dass sie schmerzlindernde Wirkung hätten, die Blätter sollen gegen Würmer und Insektenstiche helfen und die Wundheilung fördern. Aus den Wurzeln wird außerdem ein Farbstoff gewonnen.

Geruch wie alter Käse

Die blassgrünen Früchte sind reich an Kalium und Vitamin C. In Geruch und Geschmack erinnern sie an alten Käse, daher wird die Frucht in Australien und Neuseeland auch "Cheese fruit" (Käsefrucht) genannt. Es heißt, dass die Noni-Früchte auf Tahiti nur in Notzeiten verzehrt wurden. Aus diesem Grund sind dem im Handel erhältlichen Noni-Saft meist zehn bis 15 Prozent eines anderen Fruchtsafts, zum Beispiel Himbeer-, Trauben- oder Blaubeersaft zugemischt.

Noni: Mehr als Saft

Noni-Früchte gehören nicht zu den Lebensmitteln, die üblicherweise in Europa verzehrt werden. Daher mussten sie eine Sicherheitsbewertung und das Zulassungsverfahren nach der Novel Food-Verordnung (NFVO) durchlaufen. Zunächst erhielt nur der Saft der Noni-Früchte die Zulasssung. Im Dezember 2008 wurden dann auch getrocknete und geröstete Noni-Blätter als Novel Food genehmigt. Die Blätter dürfen aber nur für die Zubereitung von Aufgüssen verwendet werden, und zwar in einer Menge von höchstens ein Gramm pro Tasse Aufguss. Als Nahrungsergänzungsmittel dürften sie nicht angeboten werden. Im April 2010 wurde schließlich auch die Verwendung von Noni-Fruchtpüree und Noni-Konzentrat als Lebensmittelzutat zugelassen.

Noni-Säfte - Zulassung verboten

Im Jahr 2004 beurteilte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 20 Prozent der untersuchten Noni-Säfte als nicht verkehrsfähig. Nach dem Untersuchungsbericht 2005 mussten erneut neun von ingesamt 32 Erzeugnissen wegen ihrer Zusammensetzung beanstandet werden. Mehreren Noni-Säften war Zucker, Wasser oder Citronensäure ohne entsprechende Kennzeichnung in der Zutatenliste zugesetzt worden. Vier Erzeugnisse bestanden aus Konzentrat und nicht, wie angegeben, aus reinem Noni-Saft. Weiteren vier Produkten fehlte die erforderliche Zulassung. Sie waren daher nicht verkehrsfähig.

Verbotene Heilsversprechen

Das LGL Bayern stellte außerdem fest, dass immer noch viele Noni-Säfte mit vorbeugenden oder heilenden Wirkungen gegen Krebs, Rheuma oder Schlaganfall beworben werden. Diese Behauptungen sind nicht nachgewiesen und verstoßen gegen das Verbot der krankheitsbezogenen Werbung bei Lebensmitteln. Meist werden die Heilsversprechungen über Flugblätter oder das Internet kommuniziert. Für die Lebensmittelüberwachung ist es daher schwer, diese Art der Werbung zu unterbinden. Das gilt insbesondere für die Werbung über das Internet. Die Beanstandungen zeigen zudem eine Tendenz zur Täuschung der Verbraucher. Noni-Saft, so sagt auch das LGL Bayern, besitzt nach heutigem Kenntnisstand Eigenschaften eines herkömmlichen Fruchtsaftes - Wunderheilung gehört leider nicht dazu.

Weitere Informationen zu Noni

Ist Noni ein Heil- oder ein Lebensmittel?

Seit Juni 2003 darf Noni-Saft in Deutschland verkauft werden. Im Genehmigungsverfahren wurde ausdrücklich festgestellt, dass es keinen Beweis für eine besondere gesundheitsfördernde oder gar heilende Wirkung von Noni-Saft im Vergleich zu anderen Fruchtsäften gibt. Auch im Rahmen des Zulassungsverfahrens für gesundheitsbezogene Angaben nach der Health Claims-Verordnung wurde bisher keine Aussage über gesundheitsförderliche Effekte von Noni von der EU-Kommission genehmigt.
Hätte der Saft tatsächlich eine nachgewiesene medizinische Wirkung, dann würde er im Übrigen unter das Arzneimittelrecht fallen. Denn Stoffe und Zubereitungen, die dazu bestimmt sind, Krankheiten, Leiden, Körperschäden und krankhafte Beschwerden zu lindern, sind Arzneimittel. Sie brauchen eine Zulassung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Da eine solche Zulassung für Noni-Saft weder beantragt noch absehbar ist, sind Aussagen zu medizinischen Wirkungen nicht nur unseriös sondern illegal. Lediglich die Preise in den Reformhäusern oder im Direktvertrieb (bis 54 Euro pro Liter) erreichen Apothekenniveau. 

Können Noni-Säfte die Gesundheit schädigen?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben mittlerweile die Frage aufgeworfen, ob Noni-Saft akute Leberentzündungen verursachen kann. Diese Vermutungen konnten aber nach einer umfassenden Prüfung durch die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit im Jahr 2006 nicht bestätigt werden. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft Noni-Säfte nach der bestehenden Datenlage als gesundheitlich unbedenklich ein.
In einer Sicherheitsbewertung für Noni-Fruchtpüree vom März 2009 stellte die EFSA allerdings fest, dass einige Personen sensibel auf Noni-Fruchtprodukte reagieren. Dass Noni jedoch akute Leberentzündungen auslösen kann, dafür gibt es nach Auffassung der EFSA keine überzeugenden Belege.

Autorinnen: Dr. Margit Ritzka, Meerbusch und Dr. Christina Rempe, Berlin |

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