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Ökomilchviehhaltung ist besonders tiergerecht

Ob Auslauf, Liegeflächen oder Bestandsobergrenzen, die Vorgaben für die ökologische Haltung von Milchkühen unterscheiden sich deutlich von denen im konventionellen Bereich.

Kuh mit Hörnern
aid

Laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau steht jedem Tier eine Mindestfläche von 6 m2 zur Verfügung, während für konventionelle Ställe nur 4,5 m2 vorgeschrieben sind. Ein Biostall muss zudem mit einem Laufhof im Freien ausgestattet sein, oder einen Zugang zur Weide ermöglichen. Konventionelle Landwirte können sich dagegen auf eine reine Stallhaltung beschränken, wovon knapp 60 % der Betriebsleiter Gebrauch machen. Doch auch hier gewinnen zumindest Laufhöfe immer mehr an Bedeutung. Biolandwirte müssen ihren Stall bzw. die Liegeflächen (mit Stroh) einstreuen. Ihre konventionellen Kollegen können dagegen neben Stroh auch auf Gummimatten für die Liegeboxen zurückgreifen. Allerdings ist Einstreu auch hier weit verbreitet.

Anbindung nur noch in Kleinbetrieben zulässig

Ein weiterer Unterschied besteht in den Bestandsobergrenzen. So ist die ökologische Milchviehhaltung in der EU-Ökoverordnung mit maximal zwei Tieren pro Hektar an die Fläche gebunden. Im konventionellen Bereich gibt es eine solche Obergrenze nicht, was sich meist in größeren Herden widerspiegelt. Die Anbindehaltung von Milchkühen ist seit 2014 in Ökobetrieben nur noch für Kleinbetriebe erlaubt. Als Kleinbetrieb gelten in Bayern und Baden-Württemberg Höfe mit bis zu 30 Kühen, in den anderen Bundesländern liegt die Grenze bei 20 Kühen.

Die meiste Energie aus Grundfutter

Für die Fütterung sehen die EU-Öko-Richtlinien vor, dass der größte Teil des Energiebedarfs über Grundfutter wie Gras, Heu und Silage abgedeckt wird. Der Kraftfutteranteil sollte möglichst niedrig liegen, um die Rationen wiederkäuer- und damit tiergerecht zu gestalten. Konventionelle Kühe erhalten dagegen im Durchschnitt größere Kraftfuttermengen, die eine höhere Leistung ermöglichen. So melken Bio-Betriebe durchschnittlich etwa 6.500 kg pro Kuh und Jahr, konventionelle Betriebe kommen dagegen pro Tier auf mehr als 8.000 kg im Jahr. Spitzenbetriebe liegen sogar bei über 10.000 kg pro Kuh und Jahr.

Hörner – ja oder nein?

Alle heute genutzten Milchkuhrassen sind horntragend. Auf weit über 80 % aller Betriebe werden die Hornanlagen jedoch kurz nach der Geburt entfernt, um ein mögliches Verletzungsrisiko für den Tierhalter, aber auch für die Kühe untereinander auszuschließen. In der Ökomilchviehhaltung werden häufiger horntragende Herden gehalten. Immerhin knapp 30 % der Biobetriebe verzichten auf das Entfernen der Hörner. Die Richtlinien des Demeter-Bioverbandes verbieten diesen Schritt sogar ausdrücklich. Befürworter horntragender Herden sehen darin einen verzichtbaren, schmerzhaften Eingriff, der das Wohlbefinden der Tiere stark beeinträchtigt. Für Landwirte des Demeter-Bioverbandes sind Hörner zudem ein wichtiges Organ, das nicht nur bei Rangkämpfen eine Rolle spielt, sondern auch für den Gleichgewichtssinn und die Verdauung von großer Bedeutung ist. In konventionellen Betrieben geht man zurzeit dazu über, unter Narkose zu enthornen. Mittelfristig setzt man jedoch auf die Züchtung hornloser Tiere.

Grundsätzlich haben horntragende Herden den Vorteil, dass die Rangordnung insgesamt stabiler ist und die Tiere einen größeren Abstand zueinander halten als bei hornloser Haltung. Dieser Vorteil wird aber nur wirksam, wenn die besonderen Ansprüche dieser Haltungsform beim Stallbau und vor allem beim Management der Herde berücksichtigt werden.

Platzangebot ist entscheidend

Der Schlüssel für eine funktionierende, horntragende Herde ist ein großzügiges Platzangebot im Stall. Optimal ist ein um 100 % größeres Platzangebot, bezogen auf die empfohlenen Maße im konventionellen Bereich. Das gilt für alle Bereiche, also für Laufgänge, Fressplätze und Liegeboxen bzw. -flächen. Wichtig sind auch genügend Ausweichmöglichkeiten im Stall, wie zum Beispiel Zugänge zum Laufhof. Darüber hinaus gilt es, Konkurrenzsituationen zu vermeiden. Deshalb sollten genügend Fressplätze (mindestens 1 Platz/Tier) und Tränken verfügbar sein. Die Zahl der Tränken sollte etwa einem Zehntel der Herdengröße entsprechen, also fünf Tränken bei 50 Tieren. Besonders wichtig ist ein Selbstfangfressgitter, das vor allem bei der Vorlage beliebter Futtermittel wie Kraftfutter unbedingt geschlossen sein sollte, um unnötige Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Besonders kritisch: Eingliederung von Kühen in die Herde

Eine kritische Phase in horntragenden Herden ist die (Wieder-)Eingliederung von Kühen, zum Beispiel von Trockenstehern oder zugekauften Färsen. Die damit verbundenen Rangkämpfe und die Unruhe lassen sich vermeiden, wenn diese Tiere vorab Sicht- oder noch besser Berührungskontakt zur Herde haben. Das lässt sich realisieren, wenn die abgetrennten Stallabteile in direkter Nachbarschaft zu den laktierenden Kühen liegen.

Konkurrenzsituationen vermeiden

Damit möglichst selten Konkurrenzsituationen um Fress- und Liegeplätze auftreten, ist eine Unterbelegung des Stalls um ein Fünftel sinnvoll. Auch eine niedrige Remontierungsrate von maximal 20 % ist sinnvoll, damit möglichst wenig fremde Tiere in die Herde eingliedert werden müssen. Zudem sollten brünstige Kühe umgehend aus der Herde herausgenommen werden, da das Bespringen anderer Kühe für Unruhe sorgt und zu Verletzungen führen kann.

Autor: Jürgen Beckhoff, Hamburg |

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Zum Forschungsbericht auf orgprints.org