Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Pensionspferdehaltung

Die Pensionspferdehaltung kann eine lukrative Alternative zur herkömmlichen Landwirtschaft darstellen. Wer Pensionspferde hält, muss aber auch immer die Pferdehalter im Blick haben.

Pferd im Rahmen
turi / Fotolia.com

Das Reiten ist in Deutschland mittlerweile zum Breitensport geworden. Über eine Million Deutsche sitzen heute regelmäßig während ihrer Freizeit im Sattel – Tendenz steigend. Für Landwirte kann die Pensionspferdehaltung  eine gewinnbringende Alternative zur herkömmlichen Landwirtschaft darstellen. Viele Höfe verfügen mit Stallungen, Weideflächen, der Anbindung an ein Reitwegenetz und betriebseigenem Futter über die idealen Voraussetzungen.

Der Unterschied zu anderen Produktionszweigen ist jedoch der Dienstleistungscharakter: Wer Pensionspferde hält, muss auch die Wünsche der Pferdehalter berücksichtigen. Für den Halter gehört nicht nur das Reiten, sondern das ganze Drumherum von der Stall- bis zur Pferdepflege mit zum Vergnügen. Nichts für Landwirte, die das bunte Treiben auf dem Hof stört. Ein umfassendes betriebliches Konzept, das von der ganzen Familie mitgetragen wird, ist deshalb unabdingbar.

Pferdesportlern gilt die Unterbringung als eines der wichtigsten Kriterien der Reitanlage. Daher sollte diesem Bereich von der Planung bis zur Umsetzung der (Um)Bauarbeiten ein hoher Stellenwert beigemessen werden.

Der Standard: Einzelhaltung mit Weide und Paddock

Die Unterbringung von Pensionspferden erfolgt in Deutschland heute meist in Einzelboxen. Da sich die Pferde die gesamte Nacht sowie einen Großteil des Tages darin aufhalten, ist es wichtig, dass die Boxen groß genug sind. Außerdem sollte die Boxenanlage so gestaltet sein, dass den Pferden freie Sicht und der Kontakt zu Artgenossen möglich ist. Die meisten modernen Reitställe haben Weideflächen, auf denen die Pferde sich in der Weidesaison zeitweise frei bewegen und grasen können. Für die restliche Zeit des Jahres sollten Paddocks zur Verfügung stehen, um den Pferden auch im Winter zumindest eine eingeschränkte freie Bewegung zu ermöglichen.

Gruppenhaltung: Artgerecht und zukunftsweisend

Die Gruppen-Laufstallhaltung kommt den Ansprüchen des Pferdes am weitesten entgegen und sollte, wo immer möglich, der Einzelhaltung vorgezogen werden. Die Anlage ist dabei in einen eingestreuten Liegebereich und einen Laufhof mit Futter- und Tränkemöglichkeit sowie Sandplätzen zum Wälzen unterteilt. Der Vorteil der Laufstallhaltung ist, dass die Pferde sich, wie in freier Wildbahn, von einem Ort zum anderen bewegen müssen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Um Verletzungen aufgrund von Auseinandersetzungen zu vermeiden, ist bei dieser Haltungsform ein ausreichendes Platzangebot für Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten besonders wichtig.
 

Fragen und Antworten

Welche Ansprüche hat ein Pferd an die Haltung?

Die tiergerechte Pferdehaltung ist unabhängig davon, ob ein Pferd nur in der Freizeitreiterei oder im Leistungssport eingesetzt wird. Grundsätzlich benötigt das Pferd als Herdentier Sozialkontakte. Diese sind auch bei der Haltung entsprechend ausgestatteter Einzelboxen möglich.  Je höher die Bewegungsaktivität desto besser die Grundkondition. Das Wohlbefinden ist darüber hinaus von möglichst viel frischer Luft und natürlichem Licht abhängig. Klimaschwankungen und Witterungseinflüsse haben einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und Widerstandskraft der Pferde.

Wie wurden Pferde früher gehalten?

Früher wurden Arbeitspferde überwiegend in Ständen bzw. mit geringem Platzangebot nebeneinander angebunden gehalten. Die Funktionsbereiche Ver- und Entsorgung waren klar vorgegeben, die Einzeltierkontrolle einfach. Tagsüber wurden die Tiere mehr als acht Stunden in der Land- oder Forstwirtschaft oder als Zugtiere eingesetzt. Aus der Ständerhaltung hat sich die Einzelboxenhaltung entwickelt.

Wie muss eine Einzelbox ausgestattet sein?

Einzelboxen sollten grundsätzlich möglichst groß, hell und luftig und mit reichlich sauberer Einstreu versehen sein. Außenfenster und halbhohe Boxenwände ermöglichen den Pferden freie Sicht und den Kontakt zu Artgenossen. Die Grundfläche einer Einzelbox sollte mindestens (2 x Widerristhöhe) 2, besser 3 mal 4 m betragen. Einzelboxen müssen mit einem Fresstrog, einem Leckstein und einer Tränke ausgestattet sein.

Was ist ein Paddock?

Ein Paddock ist ein Auslauf, der direkt an die Einzelbox angeschlossen ist. Paddocks können alternierend mit direkten Boxennachbarn genutzt werden. Paddocks sollten mindestens  Maße von 3 mal 5 m aufweisen - besser ist natürlich ein galoppierfähiger Auslauf. Bei geringer Grundfläche ist eine Befestigung des Untergrundes notwendig. Werden Hengste in Paddocks gehalten, muss die Einzäunung höher und stabiler als bei Stuten, Wallachen oder Jungtieren sein.

Welche Vor- und Nachteile hat die Gruppenhaltung?

Die Gruppenhaltung entspricht der natürlichen Lebensweise des Pferdes als Herdentier. In homogenen Tiergruppen (z.B. in einer Stutenherde) sind Auseinandersetzungen durch die Bildung einer Sozialstruktur ohne negative Auswirkungen. Allerdings ist ein ausreichendes Platzangebot für Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten notwendig. Hengste und in der Regel Stuten mit neugeborenen Fohlen und Sportpferde werden wegen der leichteren Handhabung und Kontrolle in Einzelboxen gehalten.

Was ist Robustpferdehaltung?

Robustpferde werden ganzjährig auf der Weide gehalten. Die Tiere benötigen einen Wind- und Regenschutz und ausreichend Futter und Wasser. Die Einzäunungen müssen gut sichtbar sein und dürfen kein Verletzungsrisiko darstellen.

Belastet die Pferdehaltung die Umwelt?

Nicht jeder Standort ist für den täglichen Weidegang und die  Auslaufhaltung geeignet. Bei hoher Beweidungsintensität können Grasnarbenschäden entstehen. An Futterplätzen kann es bei unbefestigtem Untergrund und mangelnder Entmistung zu erheblichen Nährstoffeinträgen in den Boden kommen.

Lässt sich mit der Pensionspferdehaltung Geld verdienen?

Die große Bandbreite der Freizeitpferdehaltung und die Unterschiede bei den betrieblichen Gegebenheiten (Boden- und Pachtpreise, Ausstattung mit Gebäuden etc.) erfordern eine einzelbetriebliche Kalkulation. Grundsätzlich ist die Gewinnsituation vom Dienstleistungsangebot und den variablen und festen Kosten abhängig. Eine tiergerechte Unterbringung und ein gutes Management lassen sich auch ökonomisch günstig umsetzen. Dienstleistungen wie das tägliche Auslaufmanagement werden in der Regel vom Einsteller erwartet und honoriert.

Autoren: Katharina Seuser und Jörg Planer, Bonn |

als hilfreich bewerten 0 Versenden
Pferd Weide
agrarfoto.com
Nutztiere

Streuobstwiesen mit Pferden beweiden

Unkontrollierten Zugang zu Fallobst vermeiden

Die Nutzung von (Streu-)Obstwiesen als Pferdeweide hat viele Vorteile. Es muss jedoch Vorsorge getroffen werden, dass die Tiere nicht zu viel Fallobst fressen, denn sonst werden sie krank.

mehr...
Nutztiere

Auch Pferde bekommen Sonnenbrand

Tiere vor intensiver Sonnenstrahlungen schützen

Pferd Schimmel
Sven Cramer / Fotolia.de

Nicht nur Menschen bekommen Sonnenbrand, sondern auch Pferde. Besonders betroffen sind Tiere mit heller oder rosiger Haut, die ohne Sonnenschutz auf der Weide gehalten werden.

mehr...
Nutztiere

Pferde auf der Weide: Neulinge behutsam integrieren

Umsichtiges Herdenmanagement verringert Verletzungsrisiko

Pferde springen
Marx

Sind die Weidegenossen noch nicht miteinander bekannt, ist eine rechtzeitige und vorsichtige Integration der Tiere in den Herdenbestand erforderlich.

mehr...