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Pflanzensterine (Phytosterine)

Durch regelmäßigen Verzehr von phytosterinhaltigen Lebensmitteln lässt sich der Cholesterinspiegel leicht senken. Sehr reich an Phytosterinen sind Lebensmittel wie Sonnenblumenkerne und Sesam.

Öl fließt aus Kanne auf Löffeln
Okea / Fotolia.com

Pflanzensterine (Phytosterine) konkurrieren im Darm mit dem Cholesterin aus tierischem Fett. Auf diese Weise können sie die Aufnahme von Cholesterin behindern.

Besonders reich an Phytosterinen sind fettreiche Pflanzenteile wie Sonnenblumenkerne und Sesam, aber auch kaltgepresstes Soja-, Mais- und Rapsöl. Herkömmliches, raffiniertes Öl aus diesen Pflanzen enthält durch den Reinigungsprozess weniger Phytosterine. Das gilt auch für fettarmes Gemüse und Obst (siehe Tabellen). Bisher wurden bereits über 40 verschiedene Phytosterine aus unterschiedlichen Pflanzen isoliert.

Wirkung von Phytosterinen: Die Dosis macht’s

Ein normal essender Mitteleuropäer nimmt im Durchschnitt täglich 200 bis 400 Milligramm Phytosterine zu sich, Vegetarier etwas mehr. Eine deutlich Cholesterin senkende Wirkung wird jedoch erst bei einer Dosis von anderthalb bis zwei Gramm pro Tag erreicht, also etwa bei der fünffachen Menge. Wer daher die Cholesterin senkende Wirkung der Phytosterine nutzen will, muss sie in konzentrierter Form aufnehmen.     

Mittlerweile ist in der EU eine Vielzahl von Produkten mit Zusatz von Phytosterinen auf dem Markt. Ab einer Tagesdosis von zwei Gramm lässt sich die positive Wirkung allerdings nicht mehr steigern, denn gut 80 Prozent des Cholesterins stellt der Körper selbst her. Wenn die Aufnahme des Cholesterins aus der Nahrung gehemmt wird, steigert der Körper die Eigenproduktion. Durch regelmäßigen Verzehr von phytosterinhaltigen Lebensmitteln lässt sich der Cholesterinspiegel um zehn bis 15 Prozent senken. Nicht weniger, aber auch nicht viel mehr.

Phytosterine: Keine Gesundheitswerbung ohne Zulassung

Angaben über die Cholesterin senkende Wirkung von Lebensmitteln mit Phytosterinzusatz unterliegen wegen ihres Gesundheitsbezugs der Health Claims-Verordnungund müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Andernfalls dürfen sie nicht verwendet werden. Die wissenschaftliche Überprüfung erfolgt durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA. Erst wenn die Bewertung der EFSA positiv ausfällt, dann genehmigt die EU-Kommission die Werbeaussagen in der Regel.

Regelungen zur Dosierung und Kennzeichnung

In diesem Zusammenhang erlässt sie häufig auch konkrete Regelungen zur Dosierung oder auch zur Kennzeichnung dieser Produkte. So müssen Produkte mit Phytosterinen unter anderem den folgenden Hinweis auf dem Etikett tragen: "Phytosterine senken nachweislich den Cholesterinspiegel. Ein erhöhter Cholesterinwert gehört zu den Risikofaktoren der koronaren Herzerkrankungen". Außerdem müssen die Hersteller darauf hinweisen, dass koronare Herzerkrankungen durch mehrere Risikofaktoren bedingt sind.

Das Europäische Register für Nährwert- und Gesundheitsangaben, "EU Register of Nutrition and Health Claims made on Foods" enthalt darüber hinaus auch Vorgaben für die Zusammensetzung der Lebensmittel, die mit solchen Angaben werben. 

Übersicht Phytosteringehalte in Lebensmitteln

Tabelle Phytosteringehalte Lebensmittel

Weitere Informationen zu Pflanzensterinen

Welche Produkte mit Pflanzensterinen gibt es im Handel?

Seit Herbst 2000 gibt es in Deutschland mit Phytosterinen angereicherte Margarine auf dem Markt. Inzwischen werden aber auch Jogurtdrinks, Diätjogurt, fettarme Milch, Schnittkäse und Sonnenblumenkernbrot mit Phytosterin-Zusatz angeboten. Außerdem sind Phytosterine als Zutat für Streichfette, Backwaren, Fruchtgetränke auf Milchbasis, Gewürzsoßen, Salatsoßen sowie Sojagetränke zugelassen. Auch einem Reisgetränk mit Phytosterinzusatz ist Anfang 2008 die Zulassung erteilt worden. Fruchtsäfte sowie Fruchtnektar mit den pflanzlichen Zusätzen befinden sich seit Ende 2004 im Antragsverfahren. 

Wie müssen Lebensmitteln mit Phytosterinzusatz gekennzeichnet werden?

Das europäische Lebensmittelrecht schreibt folgende Pflichtangaben für die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Phytosterinzusatz vor:

  • "mit Pflanzensterin-/Pflanzenstanolzusatz" in unmittelbarer Nähe des Produktnamens,
  • die Menge an Phytosterinen in der Zutatenliste,
  • dass das Erzeugnis nicht für Personen bestimmt ist, die ihren Cholesterinspiegel im Blut nicht zu kontrollieren brauchen; diese Formulierung ist seit dem 15. Februar 2014 vorgeschrieben; davor lautete der Hinweis: "Das Erzeugnis ist ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Cholesterinspiegel senken möchten",
  • dass Patienten, die Cholesterin senkende Arzneimittel einnehmen, das Produkt nur nach Absprache mit dem Arzt verzehren sollten,
  • dass es für schwangere und stillende Frauen sowie für Kinder unter fünf Jahren nicht geeignet ist,
  • dass für die Aufrechterhaltung des Carotinoidspiegels der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse wichtig ist,
  • dass die Aufnahme von mehr als drei Gramm Pflanzensterinen pro Tag vermieden werden sollte.

 

Sind phytosterinhaltige Produkte für Personen mit normalem Cholesterinspiegel geeignet?

Für Personen mit normalem Cholesterinspiegel ergeben sich keinerlei gesundheitlichen Vorteile, im Gegenteil: Der Verzehr von phytosterinhaltigen Produkten, kann den Carotinoidspiegel im Blut senken. Eine Konsequenz, die wenig wünschenswert ist. Leider sind den Käufern von Cholesterin senkenden Lebensmitteln die Warnhinweise und der besonderen Verwendungszweck dieser Produkte häufig nicht bewusst, das belegt eine Befragung der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung aus dem Jahr 2007 sowie eine entsprechende Untersuchung aus Belgien von 2011. 

Sind die Apothekenpreise für phytosterinhaltige Produkte gerechtfertigt?

Die Forschung und die Produktentwicklung für solche funktionellen Lebensmittel sind mit hohen Kosten verbunden. Die Hersteller versuchen diese Kosten mit hohen Preisen wettzumachen, in dem sie ihre Produkte von anderen Lebensmittelgruppen werblich besonders abheben. Das gelingt offensichtlich so gut, dass diese Lebensmittel nicht nur von Menschen mit hohem Cholesterinspiegel gekauft werden.

Für Patienten, die wegen ihres hohen Cholesterinspiegels Medikamente einnehmen müssen, kann der Griff zur teureren Margarine eine Kostenersparnis bedeuten - natürlich nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt. In den Niederlanden können Patienten die Margarine sogar über die Krankenkassen abrechnen.

Wünschenswert wäre, dass die hohen Preise Verbraucher davon abhalten, angereicherte Joghurtdrinks zum Beispiel in der Kinderernährung einzusetzen. 

Autorin: Dr. Margit Ritzka, Meerbusch; bearbeitet von Dr. Christina Rempe, Berlin |

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