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Obstbaumstamm pflegen

Ein Obstbaum hat zweierlei Gutes: Er ziert den Garten im Frühjahr mit hübschen Blüten und bietet im Spätsommer leckere Früchte. Im Gegenzug benötigt er dafür Pflege durch den Gärtner.

Frau pflegt Obstbaumstamm
Кирилл Рыжов / Fotolia.com

Neben Düngung und Schnitt ist bei Obstbäumen auch die geeignete Pflege des Stamms wichtig. Sie hilft, die Vitalität und Gesundheit des Baums zu steigern und Schädlingsbefall zu vermindern.

Stammanstrich gegen Frostrisse

So mancher mag sie für unschön halten: Die Obstbäume mit dem weißem Strumpf. Über die Wirkung der Behandlung gibt es jedoch keinen Zweifel. Denn der Anstrich bewahrt den Stamm vor Spannungsrissen in der Rinde, die durch extreme Temperaturschwankungen verursacht werden können. Die Risse sind hervorragende Eintrittspforten für allerlei Krankheiten - zum Beispiel den Obstbaumkrebs - und sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Bevor der Winter kommt, sollten daher vor allem junge Obstbäume in offenen Lagen mit einem weißen Stammanstrich versehen werden.

Bewährt hat sich ein Stammanstrich auf der Basis von Kalk, entweder als Kalkmilch (bestehend aus Branntkalk, Wasser und Kleister) aus eigener Herstellung oder als gebrauchsfertiger Weißanstrich aus dem Handel. Das Mittel wird mit einem dicken Pinsel gleichmäßig auf dem Stamm bis dicht unter die Krone verstrichen. Die weiße Farbe reflektiert die Sonnenstrahlung und schützt so den Stamm vor zu starker Aufheizung. Darüber hinaus schützt ein guter Anstrich auch vor Wildverbiss.

Moose und Flechten entfernen

Moose und Flechten sind zwar keine Schmarotzer, die vom Baum leben. Indirekt schaden sie ihm jedoch dadurch, dass sie Baum-Schädlingen einen idealen Unterschlupf bieten. Außerdem erhöht sich durch die Wasser haltende Kraft die Luftfeuchtigkeit in der Baumkrone. Durch das Beseitigen von Moosen und Flechten kann nach Niederschlägen die Rinde schneller abtrocknen. Dadurch wird eine Infektion durch Holz zerstörende Pilze erschwert.

Es empfiehlt sich daher bei älteren, stark befallenen Bäumen im Spätherbst oder Winter – nicht im Frühjahr, wenn der Baum schon Blüten angesetzt hat – den Stamm mit einer weichen Drahtbürste oder einer speziellen Baumbürste gründlich abzubürsten. Damit löst man Moos- und Flechtenbelag mitsamt den darunter überwinternden Schadinsekten wie Apfelblütenstecher oder Obstmaden. Vor dem Reinigen empfiehlt es sich, auf dem Boden um den Stamm herum eine Folie auszulegen, auf der die Reinigungsabfälle gesammelt werden, damit man sie anschließend über den Hausmüll entsorgen kann. Arbeiten Sie möglichst ohne Druck, damit keine Rindenverletzungen entstehen.

Ist der Baum nur schwach mit Moosen und Flechten besetzt, ist im Einzelfall abzuwägen, ob ein Abbürsten sinnvoll ist. Denn nicht nur Schädlinge überwintern darunter, sondern auch viele Nützlinge wie zahlreiche Spinnenarten, Raubmilben und Raubwanzen.

Leimringe gegen Frostspanner

Die gelb- oder grünlichen Raupen des kleinen Frostspanners können bei starkem Auftreten schweren Schaden an nahezu allen Obstarten verursachen. Sie schädigen die austreibenden Blatt- und Blütenknospen, später auch die jungen Früchte. Mit einer einfachen vorbeugenden Methode – dem Leimring – kann dieser Schädling jedoch in Schach gehalten werden. 

Wirkunsgweise: Die Falter des Frostspanners erscheinen zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember. Die flugunfähigen weiblichen Falter klettern die Stämme der Obstbäume hinauf und werden dort von den fliegenden Männchen begattet. Im Anschluss daran legen die Weibchen in die Baumkrone ihre Eier ab. Um ein Hinaufklettern der Weibchen zu verhindern, werden ab Anfang Oktober Leimringe um die Stämme gelegt. Diese müssen so fest angebracht werden, dass die Weibchen nicht darunter hindurchkriechen können. Vergessen Sie nicht, auch die Stützpfähle mit einem Leimring zu versehen. Es ist darauf zu achten, dass der Leim mindestens bis zum Jahresende klebrig bleibt. Überbrückungen, beispielsweise aus Laub oder gefangenen Tieren müssen regelmäßig beseitigt werden.

Rechtzeitig vor dem Raupenschlupf – spätestens jedoch Anfang März – müssen die Leimringe entfernt werden, um zu verhindern, dass aus den darauf abgelegten Eiern Raupen schlüpfen. Es empfiehlt sich auch, den Bereich unterhalb des Leimrings mit einer Bürste zu reinigen, um dort anhaftende Eier zu beseitigen.

Obstbaumkrebs behandeln

Beim Obstbaumkrebs handelt es sich um eine Pilzerkrankung (Nectria galligena), die vor allem in nassen Jahren an sehr kalten und feuchten Standorten auftritt. An jungen Zweigen stirbt die Rinde infolge der Pilzinfektion rund um die Augen ab, sinkt ein und blättert schließlich ab. Oberhalb der Befallsstelle tritt eine Spitzendürre auf. An älteren Ästen versucht der Baum die Krebswunde durch Überwallung zu schließen. Durch wiederholte Neuinfektionen wird die Befallsstelle immer wieder überwallt, wodurch immer größere Schadstellen entstehen.

Um zu verhindern dass sich der Pilz immer weiter ausbreitet, müssen befallene Stellen – möglichst bald nach der Ernte – entfernt werden. Kleinere Äste und Triebe sollten etwa zehn Zentimeter unterhalb der Befallsstelle abgeschnitten werden. Krebswunden an dickeren Ästen und Stamm sind mit einem scharfen Messer bis ins gesunde Holz zurückzuschneiden und anschließend mit einem Wundverschlussmittel zu behandeln.

Jörg Planer, Bonn |

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