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Preisverfall macht Landwirtschaft zu schaffen

Die niedrigen Erzeugerpreise machen landwirtschaftlichen Betrieben zu schaffen. Wie geht es weiter? Die Agrarfinanztagung beschäftigte sich mit den Aussichten der Landwirtschaft.

Geld, Münzen, Euro
pixabay

(aid) – Nach aktuellen Berechnungen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) befinden sich 21 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe und 27 aller viehhaltenden Betriebe in Liquiditätsschwierigkeiten. Vor zwei Jahren hat der Sturz der Erzeugerpreise begonnen und mittlerweile nahezu alle Bereiche erfasst. Außer dem Öko-Markt sind derzeit nur die Rindermäster und Geflügelhalter zufrieden, hieß es auf der Agrarfinanztagung des DBV und der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Noch im Laufe des Sommers 2016 drohen einzelne Molkereien Milchpreise von unter 20 Cent auszuzahlen, erklärte Professor Holger Thiele vom Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft der Universität Kiel (ife). Schon aktuell liegt der Milchwert für einen Liter Milch bei gerade einmal 22 Cent. Das ife berechnet damit den durchschnittlichen Verwertungspreis über alle Sektoren von Trinkmilch, Butter, Milchpulver, Käse und Quark hinweg. Was die Landwirte derzeit mehr erhalten, legen die Molkereien aus eigener Tasche drauf; nach Thiele rund 100 Millionen Euro pro Monat.

Auf dem Schweinemarkt sieht das nicht anders aus. Wer heute einen Geschäftsplan Ferkelerzeugung oder Schweinemast aufstellt, muss mit Preisen von 40 Euro je Ferkel und 1,40 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht rechnen, erläuterte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft, Markt und Unternehmensberatung von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Bislang konnten Marktfruchtbetriebe niedrige Erzeugerpreise in der Veredlung mit höheren Getreidepreisen ausgleichen. Drei weltweit gute Ernten hintereinander haben aber die Lagerbestände erhöht, so Dr. Klaus-Dieter Schumacher, Berater für die BayWa AG. Und die Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministerium, der EU und der FAO gehen erneut von einer guten Getreideversorgung 2016/2017 aus. Vor 2017 werde sich auf keinem Markt eine Entspannung abzeichnen.

Die Lage ist insofern prekär, weil die Betriebe kaum auf frisches Geld hoffen können. Vor dem Juni-Agrarrat in Brüssel werde nicht über ein neues Hilfspaket verhandelt werden, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am Freitag auf der Agrarministerkonferenz in Mecklenburg-Vorpommern.

Auch wenn die Rentenbank auf der Agrarfinanztagung die Hausbanken ermunterte, den Landwirten eine Tilgungspause anzubieten, stellt sich mehr denn je die Frage nach der landwirtschaftlichen Zukunft. Hortmann-Scholten warnt vor schnellen Lösungen, wie zum Beispiel dem Umstieg auf die ökologische Landwirtschaft. Mit jährlich rund 250.000 Bio-Mastschweinen erzeugt die Branche gerade einmal ein Viertel der wöchentlich eine Million konventionell geschlachteten Schweine.

Bioland-Präsident Jan Plagge verwies auf dem Landwirtschaftskongress der CDU/CSU auf die beiden zur Zeit entstehenden Welten: Die Betriebe müssen sich nicht mehr zwischen öko und konventionell entscheiden, sondern zwischen Weltmarktorientierung und Familienbetrieben mit gesellschaftlicher Ausrichtung. „Es gibt einen Markt, der nicht global austauschbar ist. Und der braucht einen politischen Rahmen.“

Wie die Landwirtschaft zum nächsten Jahreswechsel in Deutschland tatsächlich aussieht, wagen weder Wissenschaft, Branchenvertreter oder die Politik zu prognostizieren.

Roland Krieg, www.aid.de

Weitere Informationen:

http://www.bauernverband.de/agrarfinanztagung2016

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