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Quereinsteiger in der Landwirtschaft

Junge Frau mit Kuh auf der Wiese
Andrea Bahrenberg

Eine junge Frau aus Nordrhein-Westfalen beschreibt ihren Weg als Quereinsteigerin in die Landwirtschaft und das Glück, ihren Traumjob gefunden zu haben.

Angefangen hat alles ganz unbefangen: „Als Kind bin ich immer zu den Nachbarn gegangen, um Milch zu holen. Ich wollte nur mal gucken, wo die Milch herkommt. Dann wollte ich selber gerne mal das Melken ausprobieren und ehe ich mich versah, war ich jeden Tag auf dem Hof und half mit, weil es mir so viel Spaß gemacht hat“, erinnert sich Daniela Brungs. Beim Nachbarn fütterte sie die Kälber, machte abends die Stallrunde und half beim Melken. „Sobald ich einen Führerschein hatte, durfte ich auch Trecker fahren und war in der Erntezeit auf dem Feld“, berichtet sie. So wie Daniela geht es vielen, sagt Dr. Barbara Laubrock von der Landwirtschaftskammer NRW. „Quereinsteiger in der Landwirtschaft gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr“, hat sie festgestellt. In diesem Jahr kamen in Nordrhein-Westfalen 18,5 Prozent aller landwirtschaftlichen Fachschüler nicht vom Hof. Bei den Azubis waren es sogar über 43 Prozent. „Die Tendenz ist seit Jahren steigend. In einzelnen Klassen sind es sogar 50 Prozent, besonders im Regierungsbezirk Köln“, erklärt sie. Der Beruf sei bei den Jugendlichen unheimlich beliebt im Moment. Auch in anderen Bundesländern sind viele quereinsteigende Azubis zu verzeichnen. In Niedersachsen sind es zwischen 32 und 40 Prozent und in Rheinland-Pfalz und Hessen sogar um die 50 Prozent. Insgesamt kommen in Deutschland 20 bis 30 Prozent der Fachschüler nicht vom landwirtschaftlichen Betrieb. Der Anteil der Quereinsteiger liegt in den östlichen Bundesländern nahe 70 Prozent, in den westlichen Bundesländern sind es im Durchschnitt um die 15 Prozent (geschätzt nach Ergebnissen einer vlf-Studie). Die Absolventen sind auch bei den Unternehmen im vor- und nachgelagerten Bereich sehr begehrt. „Die meisten fertig ausgebildeten Landwirte oder Fachschüler werden direkt nach ihrem Abschluss vom Markt abgegriffen, wie man so schön sagt“, so Dr. Laubrock. Das verwundert nicht. Auch die landwirtschaftlichen Betriebe werden immer größer und suchen qualifizierte Mitarbeiter mit entsprechendem Abschluss für das mittlere Management. 

Talent für den Umgang mit Kühen

In diese Richtung will auch Daniela Brungs gehen. „Ich kann mir gut vorstellen, später einmal als Herdenmanagerin oder Klauenpflegerin zu arbeiten“, sieht sie ihr Ziel klar vor Augen. Zurzeit ist sie im zweiten Ausbildungsjahr zur Landwirtin auf dem Betrieb von Thomas Lüpschen in Wachtberg, der 140 Milchkühe hält und auf 120 Hektar Silomais, Winterweizen, Zuckerrüben und Ackergras anbaut sowie einen großen Teil Grünland bewirtschaftet. „Am meisten macht mir die Arbeit mit den Kühen Spaß“, sagt die 18-Jährige. Daniela Brungs liebt ihre Arbeit nicht nur, sie ist auch gut darin, wie ihr Ausbilder bestätigen kann: „Sie hat ein richtiges Händchen für die Kühe und geht sehr gut mit ihnen um, mit der richtigen Ruhe und einem guten Auge für die Tiergesundheit“, lobt Thomas Lüpschen seine Auszubildende. Dass sie nicht auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen sei, sieht er nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Er hat oft die Erfahrung gemacht, dass Quereinsteiger besonders motiviert sind. „Daniela ist so engagiert und sie bringt ja schon viele Erfahrungen von ihrer Tätigkeit auf ihrem Nachbarbetrieb mit. Sie hat ein richtiges Talent dafür, mit Kühen umzugehen“, zeigt er sich zufrieden. 

Was schätzt Daniela so an dem Job? „Hier ist kein Tag wie der andere. Man kann nichts vorausplanen. So bleibt es immer abwechslungsreich. Das finde ich spannend“, sagt sie. Am liebsten arbeitet sie draußen. Ein Bürojob wäre nichts für sie. Auf dem Hof Lüpschen gehört es zu ihren Aufgaben zu melken, die Kälber zu tränken und die Klauen zu schneiden. Aber auch andere Arbeiten wie Zäune reparieren und vieles mehr stehen auf dem Programm. Auf dem Acker erledigt sie alles von der Saatbettbereitung bis hin zum Mähen, Schwaden und Wenden. Das alles macht sie mit Begeisterung, stets begleitet von Hofhund Lotte, der mit mindestens genauso viel Lebensfreude neben ihr herläuft. Ihre Freunde haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass sie diesen Beruf erlernt hat. „Am Anfang fanden sie es komisch. Aber sie haben schnell gemerkt, dass es mir richtig Spaß macht und freuen sich mit mir, dass ich schon so früh meinen Traumjob gefunden habe“, erzählt sie. Und das ist auch wichtig in diesem Beruf, der bekanntlich längere Arbeitszeiten einfordert. „Normalerweise arbeite ich die üblichen acht bis neun Stunden am Tag. Im Sommer, zu Erntezeiten, können es auch schon mal 16 Stunden werden, aber das macht mir nichts aus. Es macht ja Spaß!“ Auch wenn Danielas liebste Freizeitbeschäftigung den ganzen Tag andauern könnte, unternimmt sie auch andere Sachen. „Samstagabends bin ich meistens mit meinen Freunden unterwegs und gehe tanzen. Und zwischendrin gehen wir Badminton spielen“, erzählt sie.

In der Berufsschulklasse lernen nur sechs Mädchen. Als Frau in einer eher von Männern dominierten Branche zu arbeiten, stört Daniela aber nicht. Das sei eben so. „Wenn irgendwer meint, ich wäre zu schwach oder hätte nicht genügend Kraft, dann zeig ich denen schon, dass es doch geht“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Und für die Arbeiten, bei denen man viel Kraft braucht, organisiere ich mir einen Trecker oder eine andere technische Hilfe. Das klappt hervorragend“, hebt sie hervor. Natürlich gibt es auch gegenseitige Unterstützung auf dem Hof.

Fachschulen gefragt

Das dritte Ausbildungsjahr wird Daniela ebenfalls auf einem Milchviehbetrieb absolvieren. Anschließend will sie die Fachschule besuchen und staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin werden oder die Meisterprüfung ablegen. Dass landwirtschaftliche Azubis auch Führungspositionen anstreben, zeigt nicht zuletzt die zunehmende Nachfrage nach einer Fortbildung an den Fachschulen. Die sechs Fachschulen der Landwirtschaftskammer Nordrhein- Westfalen verzeichnen immer noch steigende Anmeldezahlen. Im Jahr 2013 meldeten sich zum ersten Mal seit Bestehen der Kammer über 1.000 Fachschüler an – seitdem hält sich die Zahl auf diesem hohen Niveau. Im Jahr 2005 waren es noch knapp 700 Fachschüler, 2009 über 800 und 2011 bereits über 900.

Übrigens macht der Beruf des Landwirts sehr zufrieden. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes zum Thema „Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt“ hervor. Landwirte säen, ernten, sehen Tiere aufwachsen – das ist alles ganz konkret und direkt erlebbar. Sie arbeiten selbstständig und eigenverantwortlich. „Genau das schätze ich besonders und ich´wüsste keinen anderen Beruf, in dem man das findet“, bestätigt Quereinsteigerin Daniela Brungs.

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Literatur

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2012):

Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt

Wiesbaden; Download unter www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/ ThemaArbeitsmarkt.html

Die Autorin

Andrea Bahrenberg

Pressesprecherin beim RLV ( Rheinischer Landwirtschafts-Verband e. V.), Redakteurin LZ Rheinland