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Regionale Lebensmittel

Verbraucher versprechen sich vom Kauf regionaler Lebensmitteln, frische und qualitativ hochwertige Produkte. Doch der Begriff "regional" ist nicht geschützt, dem Kunden fehlt hier Transparenz.

Kennzeichnungslabel "Regionales Produkt"
pico / Fotolia.de

Lebensmittel aus der Region liegen schon seit einigen Jahren im Trend. Rund zwei Drittel der Verbraucher bevorzugen solche Produkte. Die Gründe dafür sind bekannt: Die Käufer vertrauen den Erzeugern in ihrer Umgebung und möchten die Wirtschaft in ihrer Region fördern. Viele Verbraucher kaufen lieber regionale Produkte, weil sie frisch, saisonal und ausgereift sind und deshalb besonders aromatisch schmecken. Und: Lebensmittel aus der Region sind wegen der kürzeren Transportwege oft klimafreundlicher als solche, die von weit her gereist sind.

„Region“ ist nicht definiert

Kann der Verbraucher sich darauf verlassen, dass Lebensmittel aufgrund der Bezeichnung „heimisch“ oder „aus der Region“ wirklich aus der Umgebung stammen? Nein, nicht immer, denn diese Begriffe sind nicht geschützt. Die Anbieter von regionalen Erzeugnissen können selbst bestimmen, wie groß „ihre“ Region ist, und sie können mit ihren eigenen Marken, Zeichen oder Siegel für ihre regionalen Produkte werben. Nur: Es gibt inzwischen Hunderte solcher Marken und Siegel. Da die Kriterien für die Vergabe dieser Siegel sehr unterschiedlich sind, sorgen längst nicht alle Siegel für Transparenz. 

Regionalfenster soll Transparenz schaffen

Das „Regionalfenster“ wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz (BMEL) initiiert – mit dem Ziel, den Verbrauchern die Herkunft der Lebensmittel transparenter zu machen. Es handelt sich im Gegensatz zu den meisten anderen regionalen Qualitätszeichen, Siegeln oder Marken um eine bundesweit einheitliche Kennzeichnung regionaler Produkte. Wichtig zu wissen: Das Regionalfenster ist eine freiwillige Kennzeichnung. Es ist weder ein Qualitätssiegel noch ein Markenzeichen, sondern ein Kennzeichnungsfeld, das individuell mit dem Herkunftsort der Hauptzutaten und dem Verarbeitungsort des jeweiligen Produktes „gefüllt“ wird.
Alle bisher bestehenden regionalen Marken und Siegel können unabhängig vom bundesweit eingesetzten Regionalfenster weiter bestehen bleiben.

Weitere Informationen zu regionalen Lebensmitteln

Schafft das Regionalfenster wirklich Transparenz?

Geht es um unverarbeitete Produkte, wie Obst, Gemüse, Fleisch oder Milch, schafft das Regionalfenster Transparenz: Alle Kartoffeln oder Äpfel (lose oder verpackt) müssen aus der angegebenen Region stammen.
Viele Verbraucherschützer bewerten das Regionalfenster zwar als einen Schritt in die richtige Richtung, sehen aber noch Verbesserungsbedarf:

  • Befindet sich das Regionalfenster auf einem verarbeiteten Lebensmitteln, das aus mehreren Zutaten besteht, wie Wurst, Konfitüre oder Gebäck, ist die Transparenz nur bedingt gegeben: Hier müssen nur mindestens 51 Prozent der Gewichtsanteile aus Zutaten bestehen, die aus der angegebenen Region stammen. Woher der „Rest“ kommt, weiß der Verbraucher immer noch nicht. Die Verbraucherzentrale NRW beanstandet zudem, dass der Anteil der regionalen Zutaten am Gesamtgewicht nicht nachvollziehbar ist.
  • Kritiker des Regionalfensters bemängeln, dass der Begriff „Region“ nicht genau definiert ist bzw. zu weit gefasst ist. Theoretisch könnte in dem Regionalfenster von Kartoffeln zum Beispiel „Norddeutschland“ stehen, da diese „Region“ den Kriterien des Trägervereins entspricht. Hier heißt es nämlich unter anderem, dass die Region kleiner als die Bundesrepublik Deutschland sein muss.
  • Das Regionalfenster ist eine freiwillige Kennzeichnung. Somit können Hersteller nach wie vor mit Begriffen wie „heimisch“ oder „regional“ werben, ohne diese Region genauer beschreiben zu müssen. Das Regionalfenster können sie einfach ignorieren – mit der Folge, dass die Verbraucher bei vielen „regionalen“ Produkten immer noch nicht wissen, wo sie herkommen. Allerdings fehlt nach Angaben des Trägervereins für eine verpflichtende Kennzeichnung des Regionalfensters die Rechtsgrundlage, da die Kennzeichnung auf privatwirtschaftlicher Basis beruht.
  • Angaben über die Herkunft der landwirtschaftlichen Vorstufen oder Betriebsmittel (z. B. Futtermittel, Jungtiere, Saatgut) sind im Regionalfenster ebenfalls freiwillig. Manche Verbraucherschützer kritisieren dies. Ihrer Meinung nach müsse dieser Aspekt bei der Vergabe des Regionalfensters ebenfalls berücksichtigt werden.
  • Einige mittelständische Betriebe scheuen sich vor dem Regionalfenster, da sie einen hohen bürokratischen Aufwand sehen. Auskünfte über die Vergabe- und Prüfkriterien erteilt der Trägerverein (www.regionalfenster.de).
     

Wie unterscheiden sich regionale Marken und Siegel?

Bundesweit gibt es Hunderte von regionalen Marken, Qualitätszeichen und Siegeln. Sie lassen sich in vier Gruppen einteilen. Die Anforderungskriterien variieren selbst innerhalb einer „Gruppe“ teilweise erheblich.

  • Mehrere Supermarktketten haben eigene regionale Handelsmarken entworfen, wie „Unsere Heimat – echt & gut“ von der Edeka Südwest oder „Rewe regional“ von Rewe. Bei diesen Produkten handelt es sich überwiegend um „Monoprodukte“ wie Obst, Gemüse oder Fleisch. Bei Rewe regional erkennt der Kunde die Region anhand einer Markierung auf der Deutschlandkarte. Häufig erfährt der Kunde auf Plakaten oder Schildern, von welchem Bauern das Obst, Gemüse oder Fleisch stammen. Bei der Edeka Südwest kann der Kunde z. B. mit Hilfe eines QR-Codes nachvollziehen, von welchem Betrieb das Produkt stammt und um welche Art von Betrieb es sich handelt. All das soll beim Kunden Vertrauen schaffen. 
    Coop bzw. Sky vermarkten sehr viele Produkte unter der Handelsmarke „Unser Norden“. Dazu zählen z. B. Backzutaten, Feinkostsalate, Fertiggerichte, Süßwaren, Molkereiprodukte und Tee. Der Kunde erfährt zwar, in welchem Ort das Produkt hergestellt oder bearbeitet wurde. Diese Orte können in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und gelegentlich in Hamburg, Bremen und Berlin liegen – eben im „Norden“. Woher die Rohstoffe kommen, bleibt bei dieser Handelsmarke aber häufig unklar. So dürfen auch Kaffee und Bananenchips unter dieser Marke vermarktet werden, da diese Produkte im Norden verarbeitet wurden.
  • Einige Bundesländer verfügen über eigene regionale Herkunfts- oder Qualitätszeichen. Dazu gehören beispielsweise „Geprüfte Qualität – Hessen“ oder „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“ oder „Öko-Qualität garantiert – Bayern“. Die Kriterien für die Vergabe dieser Zeichen unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. So ist beispielsweise der Anteil der regionalen Rohstoffe bei verarbeiteten Produkten sehr unterschiedlich.
  • Des Weiteren gibt es bundesweit rund 500 regionale Vermarktungsinitiativen. Hier haben sich jeweils landwirtschaftliche Direktvermarkter und teilweise auch Bäcker, Metzger, Winzer oder andere Dienstleister aus bestimmten Gegenden zusammengeschlossen. Die meisten Initiativen verkaufen ihre Produkte jeweils unter einer eigenen Marke. Beispiele sind die Regionalmarke Eifel, die Regionalmarke Mittelelbe oder die Marke „Landmarkt“ von der Vereinigung Hessischer Direktvermarkter.
    Für die meisten Regionalinitiativen ist Regionalität nicht das einzige Kriterium. Fast ein Drittel von ihnen orientiert sich zusätzlich an den Kriterien des Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).
    Mehr als 50 Initiativen sind Mitglied im Bundesverband Regionalbewegung. Er entwickelt für sie beispielsweise Konzepte und unterstützt sie bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wer sich dem Bundesverband Regionalbewegung anschließt, muss beispielsweise folgende Kriterien erfüllen: Nicht nur Fleisch, Obst, Gemüse und Milch (so genannte Monoprodukte), sondern auch die Zutaten in zusammengesetzten und verarbeiteten Produkten müssen zu 100 Prozent aus der definierten Region stammen. Des Weiteren werden die Produkte in der Region hergestellt und verarbeitet. Für die einzelnen Produktgruppen existieren Qualitätskriterien, die über den gesetzlichen Standard hinausgehen. Zusätzlich werden überwiegend heimische Futtermittel eingesetzt, und die Produkte werden ohne Gentechnik erzeugt und verarbeitet.
  • Schließlich gibt es noch die EU-Siegel für gesetzlich geschützte Bezeichnungen wie Spreewälder Gurken oder Schwarzwälder Schinken.
    Weitere Informationen dazu finden Sie auf http://www.aid.de/downloads/1140_2013_achten_etikett_s80.pdf.

Worauf sollten Sie beim Kauf von regionalen Produkten achten?

  • „Echte“ regionale Lebensmittel erhalten Sie meist direkt ab Hof, auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt, sofern dort die regionale Herkunft nachweislich garantiert wird. Manche Direktvermarkter bieten auch Abokisten mit Produkten aus eigener Herstellung an.
    Bedenken Sie, dass einige Direktvermarkter auch Produkte von anderen Erzeugern oder auf dem Großmarkt zukaufen, um ihren Kunden ein breiteres Sortiment anzubieten. Diese zugekauften Lebensmittel können, müssen aber nicht aus dem Umland stammen. Deshalb unser Tipp: Fragen Sie das Verkaufspersonal.
  • Achten Sie bei verarbeiteten Lebensmittel „aus der Region“ vor allem auf die Herkunft der Zutaten und ob die Produkte auch in Ihrer Region hergestellt wurden. Finden Sie keine Information zur Herkunft der Rohstoffe und zum Herstellungsort, fragen Sie nach. Es kann sein, dass es kein „echtes“ regionales Produkt ist.
  • Unterstützen Sie auch Regionalinitiativen. Sie sind eher klein strukturiert und vermarkten ihre Produkte in einem engen Radius.
  • Bio-Lebensmittel werden nicht automatisch in der eigenen Region angebaut. Auch hier gilt: Kaufen Sie beim Erzeuger oder Händler „Ihres Vertrauens“.
  • Achten Sie beim Einkauf von regionalen Produkten auch auf die Saison, vor allem bei Obst und Gemüse. Diese Ware ist ausgereift, frisch und enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe.
  • Bevorzugen Sie wenn möglich regionales Gemüse und Obst aus dem Freilandanbau, idealerweise in Bio-Qualität, da hierbei weniger CO2 entsteht. Freilandgemüse und -obst ist meist klimafreundlicher produziert als Gemüse und Obst aus dem Gewächshaus.
  • Industriell Produkte, die beispielsweise „mit heimischen Früchten“ hergestellt wurden, müssen nicht aus Ihrer Heimat stammen. Das kann auch bedeuten, dass es diese Art von Früchten in der „Heimat“ angebaut werden.
  • Jede Region oder sogar jeder Hersteller in der Region hat eigene Spezialitäten. Probieren Sie ruhig mal welche aus.

Autorin: Hedda Thielking, Bergheim |

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