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Resistenzbildung durch Pflanzenschutzmittel

Gegen Schaderreger resistente Pflanzen sind praktisch. Gegen Pflanzenschutzmittel resistente Schaderreger sind fatal. Wie es erst gar nicht so weit kommt, erfahren Sie hier.

Rosenblüte wird mit Pflanzenschutzspritze eingesprüht
Gina Sanders / Fotolia.com

Resistenzen können eine feine Sache sein. Obstgehölze, denen Viruskrankheiten nichts anhaben können, Gemüsesorten, die von typischen Schädlingen verschont bleiben, und Zierpflanzen, die Mehltaupilzen widerstehen, machen das Gärtnerleben deutlich angenehmer. Und wenn insbesondere auf chemische Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet werden kann, spart das nicht nur Zeit, sondern schont auch die Nerven, den Geldbeutel und die Umwelt. Dummerweise hat Mutter Natur mit ihrem notorischen (und eigentlich natürlich sehr sinnvollen) Gerechtigkeitsfimmel nicht nur Pflanzen befähigt, sich gegen ungünstige Situationen zu wappnen. Auch ihre Widersacher sind wahre Meister in Sachen Anpassungsfähigkeit. Ein gutes Beispiel ist die Salatblattlaus. Einige Jahre lang durften sich Gärtnerinnen und Gärtner über blattlausresistente Salatsorten freuen, doch mittlerweile haben die kleinen Pflanzensaftsauger ihre Abneigung gegen diese Sorten vielerorts schon wieder überwunden. Das ist aus Gärtnersicht bedauerlich, aber langfristig kaum zu vermeiden.

Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel sind vermeidbar

Andere Probleme hingegen sind hausgemacht, und daher umso ärgerlicher, nämlich Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel. Werden Krankheitserreger oder Schädlinge immer wieder mit demselben Wirkstoff konfrontiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihr Stoffwechsel anpasst und entsprechende Mittel fortan wirkungslos bleiben. Oder es werden Vermeidungsstrategien entwickelt, um überhaupt mit dem Wirkstoff in Kontakt zu kommen – Insekten beispielsweise können sich noch besser verstecken oder besonders rasch in die Pflanze eindringen, wodurch sie von sogenannten Kontaktmitteln nicht mehr betroffen sind. Die Folgen derartiger Resistenzen können vor allem für den Erwerbsgartenbau erheblich sein, doch auch Hobbygärtner spüren sie mitunter – beispielsweise haben einige Pflanzenschutzmittel gegen Spinnmilben an Gewächshaus- oder Zimmerpflanzen bereits erheblich an Durchschlagskraft eingebüßt.

Chemische Pflanzenschutzmittel vermeiden

Erwerbsgärtner versuchen, nicht noch mehr Wirkstoffe an resistente Schaderreger zu verlieren, indem sie Wirkstoffe frühzeitig und häufig wechseln. Dadurch erzeugen sie sozusagen ein „babylonisches Sprachgewirr“, das es den Schaderregern erschwert, den Code der Wirkstoffe zu knacken. Der beste Beitrag, den Hobbygärtner leisten können, um Resistenzen vorzubeugen: Auf chemische Pflanzenschutzmittel am besten ganz verzichten und stattdessen auf vorbeugende Maßnahmen wie Kulturschutznetze und auf alternative Gegenmaßnahmen setzen. Blattläuse an Rosen lassen sich zum Beispiel mit einem stärkeren Wasserstrahl im Nu abspülen oder mit Mitteln auf Rapsölbasis bekämpfen. Diese machen den in der Regel ohnehin nur optisch lästigen Krabblern mechanisch den Garaus: die Blattläuse ersticken unter dem Ölfilm. Im Gewächshaus helfen gezielt angesiedelte Nützlinge gegen zahlreiche Schädlinge. Und Apfelmehltau lässt sich ohnehin am besten mit der Schere bekämpfen – befallene Triebspitzen werden bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten.

Die richtige Anwendung beugt Resistenzen vor

Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur im absoluten Notfall zum Einsatz kommen – und nie nach dem Motto „viel hilft viel“, sondern immer genau nach der Dosieranleitung. Denn jede Anwendung gibt den zu bekämpfenden Organismen die Gelegenheit, den Wirkstoff kennenzulernen und ihn dadurch irgendwann auszutricksen – mit den negativen Konsequenzen für jeden einzelnen Hobby- und Erwerbsgärtner. Das gilt übrigens auch für biologische Mittel auf Basis von Bakterien oder Viren. Außerdem muss die Diagnose eindeutig feststehen und ein geeignetes Mittel verwendet werden. Denn wenn mit einem ungeeigneten Produkt gespritzt wird, ist das für den Schadorganismus wie ein hilfreicher Lehrgang in Sachen Wirkstoffkunde: Die überlebenden Tiere haben sich möglicherweise ein bisschen mehr an den Wirkstoff angepasst und geben dieses „Wissen“ mithilfe ihrer Gene an die nächste Generation weiter.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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