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Schadstoffe im Garten

Aus Sorge vor Schadstoffen verzichten gerade städtische Hobbygärtner häufig auf den eigenen Anbau von Nutzpflanzen. Doch wie hoch ist das Risiko der Schadstoffbelastung eigentlich?

Kleiner Salat auf dem Feld
schoki_01 / Fotolia.com

Tomaten, Schnittsalat oder Kräuter für den Salat – all dies lässt sich auf engstem Raum, selbst im Blumenkasten auf dem Balkon kultivieren. Aus Sorge etwa vor Feinstaub oder Schwermetallen verzichten jedoch vor allem städtische Hobbygärtner häufig auf den eigenen Anbau in ihrem Garten oder auf dem Balkon.

Doch wie hoch ist das Risiko der Schadstoffbelastung von Gemüse und Obst aus eigenem Anbau eigentlich? Wo erhält man Informationen über mögliche Schadstoffbelastungen von Boden und Luft und welche Maßnahmen kann man ergreifen, um das Risiko zu reduzieren?

Schadstoffe im Gartenboden nur bei besonderer Belastungsursache

Böden gelten in natürlichen Stoffkreisläufen als so genannte „Schadstoffsenken". Das bedeutet, Schadstoffe, die nicht oder nur sehr langsam abgebaut werden – vor allem Schwermetalle –, reichern sich im Laufe der Jahre im Boden an.

Ob und wie hoch eine Schadstoffbelastung im Gartenboden vorliegt, ist abhängig davon, ob der Garten – oder der Balkon – im Einzugsbereich besonderer Belastungsursachen liegt (siehe Infokasten unten). Demnach ist nicht jede Straße an einem Garten gleich eine Belastungsursache, sie kann es aber sein, wenn sie zum Beispiel sehr stark befahren ist.

Weitere Schadstoffquellen können Aschen und so genannte „Bodenverbesserungsmittel“ unbekannter Herkunft sein, die – eventuell durch den Vormieter – in den Boden eingebracht wurden.

Belastungsursachen für Schadstoffanreicherungen im Boden

  • Direkte Nähe zu ehemaligen Erzabbaugebieten, Altlasten, Schwerindustrie oder stark befahrene Straßen
  • Lage im Einflussbereich von Flussüberschwemmungen
  • Ausbringung hoher Mengen so genannter Bodenverbesserungsmittel unklarer Herkunft

Informationen über mögliche Belastungen einholen

Liegt eine der genannten Belastungsursachen vor oder sollten Sie aus anderen Gründen Bedenken über den Schadstoffgehalt Ihres Gartenbodens haben, können Sie diesen oder die Pflanzen, die darin gewachsen sind, auf mögliche Schadstoffe wie Schwermetalle untersuchen lassen. Möglich ist dies zum Beispiel bei einer Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA).

Entsprechend ausgestattete Labore finden sich meist auch in den chemischen Untersuchungsämtern der Kreise und kreisfreien Städte. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, bei der Gemeinde oder Stadt zu erfragen, ob in Ihrer Straße schon einmal Luftschadstoffmessung durchgeführt wurde.

Tipp: Informationen zu Luft- und Bodenschadstoffen und deren Messung gibt es auch bei den jeweiligen Landesumweltämtern.

Wie kommen die Schadstoffe in oder an das Gemüse?

Im Garten gibt es vor allem zwei Wege, wie die Schadstoffe an oder in das Gemüse oder Obst gelangen. Äußerliche Schadstoffanlagerungen an der Pflanzenoberfläche werden zum Beispiel durch Staubniederschläge, Industrie- und Kfz-Abgase oder durch Verschmutzungen mit schadstoffhaltigen Böden verursacht. Sie sind besonders zu finden bei Gemüsearten, die bodennah wachsen (z. B. Salate), eine raue, schwer zu reinigende Oberfläche haben (z. B. Wirsing) oder eine lange Wachstumszeit aufweisen (z. B. Kohl, Porree).

Schadstoffe mit einer hohen Mobilität im Boden, wie Cadmium oder Zink, werden teilweise über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen. Ein wesentlicher Einflussfaktor für die Aufnahme von Schwermetallen über die Wurzel ist der pH-Wert des Bodens, sowie dessen Ton- und Humusgehalt. Generell gilt: niedrige pH-Werte sowie Ton- und Humusgehalte fördern die Aufnahme von Schwermetallen durch die Pflanzen, höhere Werte hemmen dagegen die Aufnahme. Dabei gibt es jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Schwermetallen. Während sich bei Cadmium bereits eine Mobilisierung bei leicht saurem pH-Wert von 6,5 zeigt, wird Blei erst ab pH-Werten von 4,0 mobilisiert.

Schadstoffbelastungen lassen sich minimieren

Auch wenn in Ihrem Garten Schadstoffbelastungen nachgewiesen werden, müssen Sie nicht generell auf den Anbau von Gemüse und Obst verzichten. Durch die Berücksichtigung einiger Regeln können Sie den Schadstoffgehalt in den Nahrungsmitteln aus dem eigenen Garten deutlich reduzieren. Im Folgenden dazu 5 Tipps:

  • Waschen Sie Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich, vor allem dann, wenn es infolge von Starkregen zu Verschmutzungen gekommen ist.
  • Bei Blattgemüse sollten die äußeren oder die unteren Blätter vor der Verarbeitung entfernt werden.
  • Bodennah wachsende Pflanzen (z. B. Erdbeeren, Salate) können durch geeignete Mulchmaterialien wie Stroh oder Folie vor oberflächlicher Verschmutzung mit belastetem Erdreich geschützt werden.
  • Die Kontrolle und Einstellung des pH-Wertes im Boden (z. B. Kalkung bei zu sauren Bedingungen) auf einen Wert im neutralen Bereich (pH 7) führt zu einer deutlichen Reduzierung der Aufnahme von Schwermetallen durch die Pflanzen.
  • Ebenso können durch die Anlage von Hoch- oder Hügelbeeten die Schwermetallgehalte im Gemüse und Obst drastisch vermindert werden.

 

 

Jörg Planer, Bonn |

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