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Schülerwarentests

Prof. Silke Bartsch von der Pädagogische Hochschule Karlsruhe über das Potenzial von Schülerwarentests im Hinblick auf eine lebensnahe, praxisbezogene Verbraucherbildung.

Junge mit Pizza
dogmer / Fotolia.com

Warentests mit Lebensmitteln sind nichts Neues und allseits bekannt. Frau Professor Silke Bartsch von der Pädagogische Hochschule Karlsruhe wird dabei jedoch nie langweilig. Denn sie betont, dass der Schülerwarentest als Unterrichtsmethode viel Potential für eine lebensnahe, praxisbezogene Verbraucherbildung in Schulen bietet, so wie es die KMK dringend empfiehlt.

Prof. Dr. Silke Bartsch sieht in der Unterrichtsmethode viel Potenzial für eine lebensnahe, praxisbezogene Verbraucherbildung in Schulen
Prof. Dr. Silke Bartsch sieht in der Unterrichtsmethode viel Potenzial für eine lebensnahe, praxisbezogene Verbraucherbildung in Schulen

Was hat Sie für das Unterrichtsprojekt Schülerwarentest motiviert?

Die Methode „Schülerwarentest“ habe ich als junge Studentin bei Gerda Tornieporth kennengelernt. Sie war damals Professorin für die Didaktik der Arbeitslehre (Haushalt) an der TU Berlin und beeinflusst bis heute mit ihren innovativen Konzepten unser Fach!
Mich begleitet der Warentest als handlungsorientierte Unterrichtsmethode also schon sehr lange, ohne dass mir dabei jemals langweilig wurde. So brachten mich Schülerinnen und Schüler in meiner Zeit als Lehrerin genauso zum Staunen wie heute Studierende. Ich entdecke bis dato Unbekanntes und erfreue mich daran, dass die Lernenden auch an meiner Expertise interessiert sind – im Übrigen gerade auch die scheinbar desinteressierten Kinder und Jugendlichen. Sie haben in diesen Stunden in der Regel sehr viel mehr gelernt als in herkömmlichen Unterrichtseinheiten, bei denen sie eher die Zeit „abgesessen“ und den Stoff „wiedergekäut“ haben. 

Was meinen Sie – warum lernen die Jugendlichen so viel mehr?

Die Gründe dafür liegen in der Methode selbst. Es ist ein Unterrichtsprojekt. Nimmt man diesen Gedanken – auch in der Anpassung an die 45-Minuten-Stunden – ernst, gibt es keine Wiederholungen. Jeder Test ist anders; die Lernwege sind so unterschiedlich wie die Lernenden selbst und ihre „echten“ Fragen aus ihrem Alltag. Der Alltag kommt in seiner ganzen Komplexität und mit seinen Widersprüchen in die Klassenzimmer. Hier müssen Lehrpersonen zuhören: Welche Fragen und Probleme bringen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus ihrem Alltag mit?

Das hört sich anstrengend an. Sind die Lehrpersonen besonders gefordert?

Um hieraus Lernprozesse zu initiieren, kommt es auf die Professionalität der Lehrpersonen an. Sie müssen sich der Herausforderung stellen, die Komplexität nicht auszublenden, aber dennoch diese durch das mehrperspektivische Vorgehen fachlich zu bearbeiten. Lernende erarbeiten eigene Lösungsmöglichkeiten. Gut sind die, die wohl durchdacht und fachlich begründet sind. Den fachlichen Rahmen dafür stecken die Lehrpersonen. Sie beraten die Lernenden, ohne selbst alles wissen zu müssen und finden viele zuverlässige Links und Quellen für Sachinformationen in der Broschüre.

3 Schüler stellen Fragen

Begeisternd und lebensnah
Ob Müsli, Schokolade, Kaugummi, Smoothies oder Joghurt – die Schülerinnen und Schüler testen, was sie interessiert. Sie diskutieren über die Qualität ihrer Testprodukte und entscheiden selbst, was sie überprüfen wollen. Immer stehen ihre eigenen Fragen im Vordergrund.

Warum eigentlich selbst Tests machen? Die Stiftung Warentest führt doch genügend professionelle und unabhängige Tests durch.

Der Schülerwarentest ist eine Unterrichtsmethode und hat daher eine andere – pädagogische – Zielsetzung als professionelle Warentests, z. B. der Stiftung Warentest oder Ökotest.
Das Lernpotenzial der handlungsorientierten Methode ist sehr vielschichtig. Zum Beispiel können Schülerinnen und Schüler lernen, professionelle Warentests für ihre Anforderungen auszuwerten, die Qualität von Warentests einzuschätzen etc. Gleichzeitig können sie etwas über sich selbst erfahren: Wofür brauche ich das Produkt? Was erwarte ich? Was spricht mich über die Werbung zum Produkt an? Aber auch die Produktqualität steht auf dem Programm. Was macht eigentlich die Qualität eines Lebensmittels aus?

Sie haben die Tests mit Studierenden durchgeführt. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Dazu gibt es viel zu sagen. Ich will zwei Aspekte herausgreifen:

1. Obwohl einige unserer Studierenden aus der Schülerperspektive unser Fach kennen, ist ihnen der Schülerwarentest nie begegnet. Das war für mich Motivation, bei der neuen aid-Lehrerhandreichung mitzuarbeiten, denn im Kern ist alles schon hinreichend in dem Buch von Bartoschek und Tornieporth dargelegt. Neu ist jedoch die explizierte Anschlussfähigkeit an die neuen kompetenzorientierten Curricula.

2. Die Studierenden und die meisten Lehrpersonen in der Schule haben weder Lern- noch Lehrerfahrungen mit dem Schülerwarentest. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite müssen Lehrende im Umgang mit Methoden eine Professionalität erwerben, um diese zielführend einsetzen zu können. Das gilt auch für den Schülerwarentest. Unabhängig vom durchgeführten Test ist es am schönsten, wenn die Studentinnen und Studenten am Ende sagen: „Ich habe so viel gelernt, ich werde in jedem Fall den Schülerwarentest in meinem Unterricht durchführen.“

Welche Empfehlungen können Sie Lehrenden geben, die die Methode noch nicht kennen?

Konkret, alltagsrelevant und praxisbezogen war das Motto für die aid-Lehrerhandreichung, um Studierende genauso wie Lehrpersonen im Schulalltag zu erreichen. Wir geben in der Einführung und bei den einzelnen Schritten Empfehlungen, wie das Unterrichtsprojekt überschaubar und handhabbar bleibt. Für die dazu notwendige Schulnähe haben Lehrerinnen gesorgt. Sie haben Arbeitsblätter entwickelt, die Testunerfahrenen helfen können, die notwendige Sicherheit zu bekommen. Und noch ein weiterer Tipp: Im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs „Jugend testet“ bietet die Stiftung Warentest Fortbildungen für Lehrpersonen an, die sehr empfehlenswert sind!

Auszug aus dem Flyer Schülerwarentests
Alltagsrelevant und kompetenzorientiert
Die Jugendlichen hinterfragen die Qualität ihres Lebensmittels. Ist es bio, fair, billig, gesund oder einfach nur cool? Sie bearbeiten Inhalte wie Nährwert, Kennzeichnung, nachhaltige Produktion und vieles mehr. Am Ende haben sie eine Menge über ihr Produkt herausgefunden und haben auch bei anderen Lebensmitteln viel mehr Durchblick.

Warum ist die Methode ideal für die Fachpraxis Ernährung und die Verbraucherbildung in Schule und Berufsbildung?

Inhalte und Differenzierungsgrad werden bei den Schülerwarentests als Unterrichtsmethode von den Lerngruppen bestimmt. Damit sind sie in unterschiedlichen Klassenstufen (von Klasse 5 bis 13) und in unterschiedlichen schulischen Kontexten ausgesprochen breit einsetzbar. Soweit mir bekannt ist, sind berufsfeldbezogene Projekte in der Berufsschule fest etabliert, so dass so dass Projektarbeit hier nichts Besonders darstellt und daher Schülerwarentest gut passen. Ohne Expertin in der Berufsschulbildung zu sein, kann ich mir daher gut vorstellen, dass mit den beiden Perspektiven Verbraucher und Anbieter „gespielt“ wird.

Was meinen Sie damit – haben Sie ein Beispiel?

Zum Beispiel, was erwarte ich als Kundin von einem „handwerklich gebackenen Bio-Brot“? Welche Eigenschaften hat das so beworbene Brot tatsächlich? Entspricht das meinen Erwartungen? Welcher Rechtsanspruch leitet sich daraus ab? Viele Schülerinnen und Schüler denken bei Lebensmitteln zunächst nur an den Geschmack und den Preis als Kaufkriterium. Doch das einfache Beispiel zeigt, dass es hier noch eine Menge mehr zu erkunden und zu erarbeiten gibt. Berufsschülerinnen und -schüler können hier praxisnah Qualifikationen erwerben. Ob als zukünftige Bäckerin, Metzgerin, zukünftiger Konditor oder in anderen Berufen im Nahrungsgewerbe, Berufsschülerinnen und -schüler müssen die vielfältigen Ansprüche ihrer Kunden an Qualität kennen und beurteilen können.

Zum Abschluss: Was sagen die jugendlichen Tester?

Da fehlt mir spontan eine Schüleraussage ein: „Wir dachten am Anfang, dass es total klar ist, wer Testsieger wird, aber dann kam doch etwas ganz anderes raus.“

Dr. Ingrid Brügemann, aid |

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