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Schweinefleisch: Erzeugung

Deutschland ist der größte Schweinefleischproduzent in Europa, der drittgrößte weltweit. Die Haltung, sowohl die konventionelle als auch die ökologische, ist durch EU-Richtlinien geregelt.

Ferkel im Stall
iStock.com / Stramyk

Schweinehaltung in Deutschland: Zahlen und Fakten

Deutschland ist innerhalb der EU der größte Schweineerzeuger und weltweit der drittgrößte. Im Jahr 1950 gab es in Deutschland noch knapp 2,4 Mio. Schweinehalter und etwa 12 Mio. Schweine. Auf jeden Halter kamen durchschnittlich fünf Schweine. Im Jahr 2014 hielten rund 26.800 Betriebe in Deutschland etwa 28,3 Mio. Schweine. Das sind pro Betrieb im Durchschnitt über 1.000 Schweine. In Niedersachsen wird ein knappes Drittel aller deutschen Schweine gehalten, dicht gefolgt von Nordrhein-Westfalen.

Gülleausbringung mit Schleppschuh auf Acker
Gülleausbringung auf einem Feld

Mit zunehmenden Bestandsgrößen fällt auch mehr Gülle an. Diese ist zwar ein wertvoller Wirtschaftsdünger, bei Überdüngung kann jedoch Nitrat und Phosphor ins Grundwasser gelangen. Deshalb ist der Landwirt heute durch die Düngeverordnung verpflichtet, die Anzahl der Tiere an die Größe der vorhandenen Fläche anzupassen. Auf Ackerflächen darf er nicht mehr als 170 kg Stickstoff pro Jahr und Hektar im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen seines Betriebes ausbringen. Diese müssen auf unbestellten Flächen sofort eingearbeitet werden.

Weiterhin gibt es vorgegebene Monate, in denen die Gülle nicht ausgebracht werden darf. Im Betrieb muss also ausreichende Lagerkapazität für die Gülle vorhanden sein.

Arbeitsteilige Schweinehaltung

Die heutige moderne Schweinehaltung ist gekennzeichnet durch fortschreitende Spezialisierung. Bei einem "geschlossenen System" werden von außen keine Tiere zugekauft, sondern die Ferkel sowohl für die späteren Jungsauen als auch für die Mast im eigenen Betrieb erzeugt. Eventuell wird das Ebersperma von außen zugekauft. Heute spezialisieren sich aber viele Betriebe auf nur eine oder zwei Produktionsrichtungen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der Zucht, Jungsauenaufzucht, Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht und Mast.

Die Schweinehaltung ist EU-weit durch verschiedene Richtlinien geregelt. Diese wurden in Deutschland durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) mit dem entsprechenden Abschnitt über das Halten von Schweinen - die sogenannte Schweinehaltungsverordnung - umgesetzt. Die Verordnung regelt unter anderem wie Ställe für Ferkel, Sauen, Eber und Mastschweine in Deutschland einzurichten sind: Wie viel Platz je Schwein vorhanden sein muss, wie der Boden beschaffen sein muss, welche Schadgaswerte maximal erreicht werden dürfen und wie viel Licht/Tageslicht in den Ställen vorhanden sein muss. Die Personen, die die Schweine füttern und pflegen, müssen Kenntnisse über das Verhalten und die Biologie der Tiere sowie über den Tierschutz haben.

In Deutschland werden mittlerweile etwa 90 % der Sauen künstlich besamt, was für die Betriebe viele Vorteile hat. Die meisten Eber werden auf Besamungsstationen gehalten. Ist ein Eber für die Zucht geeignet, wird das Sperma in der Besamungsstation gewonnen, verdünnt, konserviert und verkauft.

Spezielle Ställe für die Mast

Ab einem Gewicht von etwa 25 kg werden die Mastschweine im Mastställen untergebracht, wo sie in der Regel bleiben, bis sie ihr Schlachtgewicht von etwa 110 kg erreicht haben. Die meisten Mastschweineställe sind heute mit Spaltenböden ausgelegt. Das heißt die Tiere stehen auf Betonböden, in denen in regelmäßigen Abständen Spalten vorhanden sind, durch die sie den Kot hindurchtreten. Das ist für den Landwirt die Stallform, die am wenigsten Arbeit macht. Es gibt Voll- und Teilspaltenböden. Letztere verfügen über eine geschlossene Bodenfläche, auf der die Tiere ruhen, sowie einen Spaltenboden.

Fütterungsmethoden

Ferkel schaut in Kamera, Futtertrog im Stall

In der Mast sollen die Schweine in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Muskelfleisch ansetzen. Deshalb müssen die Tiere optimal mit Nährstoffen versorgt werden. Während der gesamten Mastperiode verändert sich der Nährstoffbedarf: Zu Beginn wird vornehmlich Eiweiß (Muskelfleisch) angesetzt. Sobald die Tiere etwa 70 kg wiegen, wird vermehrt Fett angesetzt. Deshalb muss das Mastfutter zu Beginn der Mastperiode mehr Eiweiß (Protein) enthalten als zum Ende. Gleichzeitig muss der Anteil an Proteinen möglichst gering gehalten werden, um die Stickstoffausscheidungen zu minimieren und so die Umwelt zu schonen.

Die beste Futterverwertung mit etwa 2,5:1 erreichen die Mastschweine im Alter von sieben bis acht Wochen. Sie können dann täglich bis zu 1 kg zunehmen. Die Futterverwertung besagt, wie viel Kilogramm Futter ein Tier fressen muss, um 1 kg Fleisch zuzunehmen.

Ökologische Schweinehaltung

Grundlage und Rahmen der ökologischen Schweinehaltung sind die EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Die ökologische Schweinehaltung ist für den Landwirt sehr aufwändig und teuer und lohnt sich nur, wenn die Verbraucher bereit sind, entsprechende Preise zu bezahlen. Auch das Management stellt an den Landwirt höchste Anforderungen, vor allem bezüglich Tiergesundheit und Fütterung.

Die wichtigsten Unterschiede zur konventionellen Haltung sind:

  • Es muss uneingeschränkt eine Weide oder ein Auslauf vorhanden sein.
  • Die vorgeschriebenen Mindeststallflächen pro Tier sind größer.
  • Vollspaltenböden sind nicht erlaubt, der Spaltenboden darf maximal 50 % einnehmen.
  • Es muss eine eingestreute Liegefläche vorhanden sein.
  • Die Ferkel müssen mindestens 40 Tage bei der Mutter bleiben.
  • Die Schweine müssen auch Raufutter (Gras, Heu) bekommen.
  • Für die verschiedenen ökologischen Anbauverbände gelten oft noch strengere Richtlinien.
Ferkel im Freiluftstall mit Stroh, Ökohaltung

Genau wie bei Rinderfutter soll auch ökologisches Schweinefutter möglichst aus dem eigenen Betrieb stammen. Der Zukauf aus anderen ökologisch wirtschaftenden Betrieben ist aber gestattet. Noch bis Ende 2017 ist der Zukauf von Eiweißfutter aus dem konventionellen Landbau erlaubt. Dies darf aber nur mit maximal 5 % eingesetzt werden.

Wie in der konventionellen Schweinehaltung ist Grundlage des Ökolandbaues eine bedarfsgerechte Fütterung. Bei der Eiweißversorgung der Tiere ergibt sich hier ein kritischer Punkt. Besonders in der Ferkelaufzucht können Verluste bis zu 10 % auftreten. Denn Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen als Eiweißfuttermittel decken nicht den Bedarf an essenziellen (lebensnotwendigen) Aminosäuren des Schweines. Synthetische (künstlich hergestellte) Aminosäuren und Sojaextraktionsschrot sind aber laut Öko-Verordnung kein zugelassenes Futtermittel.
Gerade dem enormen Wachstumspotenzial moderner Hybridschweine kann man dann mit der Eiweißversorgung kaum mehr nachkommen. Das ist auch ein Grund, warum viele ökologisch wirtschaftende Betriebe wieder auf alte, nicht so schnell wachsende Rassen umsteigen.

Weitere Informationen zur Schweinefleisch-Erzeugung

Welche Rassen erfüllen am besten die heutigen Ziele in der Schweinezucht?

Die heutigen Ziele der Schweinezucht erfüllen am besten Hybridschweine. Das sind Schweine, die aus der Kreuzung mehrerer Linien entstanden sind. Sie machen inzwischen einen Anteil von etwa 90 % aller Schweine aus. Das hat dazu geführt, dass zahlreiche Schweinerassen heute bereits ausgestorben oder aber stark gefährdet sind.

Um die genetische Vielfalt zu erhalten, hat die Bundesregierung das "Nationale Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen" ins Leben gerufen. Damit sollen die genetischen Eigenschaften nicht nur gesichert, sondern auch auf eine breite Basis gestellt werden. Zukünftig könnten sich Produktanforderungen und Umweltverhältnisse ändern und Rassen mit anderen Eigenschaften gefragt sein.

Was ist eine Hybridzucht?

Die Hybridzucht ist die gezielte Kreuzung mehrerer Rassen unter Ausnutzung positiver Kombinationseinflüsse. Sie erfolgt in der Regel in vier Stufen. Nach der Zucht innerhalb der Rassen erfolgt die Vermehrungszucht (im sog. Großelterntierbetrieb). Hier werden erstmals die reinrassigen Mutter- und Vaterlinien gekreuzt. In der nächsten Stufe, der Ferkelerzeugung (sog. Elterntierbetrieb), werden die Jungsauen der Großelterntierbetriebe mit Kreuzungsebern gepaart. Schließlich, in der letzten Stufe, erfolgt die Mast mit den erzeugten Ferkeln.

Mit dieser gezielten Kombinationszucht nutzt man sogenannte positive Heterosiseffekte. Das sind positive Leistungsabweichungen der Kreuzungstiere von den durchschnittlichen Leistungen der Elterntiere. Die Hybridtiere eignen sich nicht zur Weiterzucht, sondern nur zur Mast.

Dürfen junge Ferkel noch ohne Betäubung kastriert werden?

Nach dem deutschen Tierschutzgesetz ist es erlaubt, Ferkel bis zum Alter von sieben Tagen ohne Betäubung zu kastrieren und die Eckzähne abzuschleifen sowie bis zum Alter von vier Tagen den Schwanz zu kupieren. Männliche Ferkel werden kastriert, damit der spezielle Ebergeruch und -geschmack, - den das Fleisch entwickeln kann, wenn die Tiere älter werden - nicht entsteht. Der Verbraucher lehnt diesen Ebergeruch ab. Heute wird aus Tierschutzgründen intensiv nach Alternativen zur betäubungslosen Kastration gesucht. In der Schweiz beispielsweise findet die Kastration männlicher Ferkel seit 2010 konsequent unter Narkose statt. Das Kupieren der Schwänze ist dort verboten, ebenso wie in einigen anderen europäischen Ländern.

Mit ihren spitzen, scharfen Eckzähnen können die Ferkel sowohl die Sau am Gesäuge als auch die anderen Ferkel verletzen. Deshalb dürfen die Zähne bis zum siebten Lebenstag abgekniffen oder abgeschliffen werden. Das Kupieren der Schwänze soll verhindern, dass die Tiere sich gegenseitig am Schwanz "benagen", was zu Entzündungen und zu Eitergeschwüren führen kann. Das Kupieren kann bei unter vier Tage alten Ferkeln ebenfalls ohne Betäubung erfolgen.

Wie ist der Medikamenteneinsatz bei der Schweinehaltung geregelt?

Grundsätzlich ist der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung zu vermeiden. Er stellt einen Kostenfaktor dar, der die ohnehin schon geringen Erlöse in der Schweinehaltung noch weiter schmälert. Ist ein Tier allerdings erkrankt, muss ihm – allein aus Tierschutzgründen – geholfen werden. Dafür müssen dann nach Untersuchung durch den Tierarzt und unter tierärztlicher Aufsicht eventuell auch Medikamente verschrieben werden.

Jeder Tierhalter, der Schweine, Rinder, Hühner oder Puten mästet, muss die eingesetzten Antibiotika an eine Datenbank melden und wird mit den anderen Betrieben verglichen. Wenn er zu den 25 Prozent gehört, die am meisten Antibiotika verbrauchen, muss er diesen Verbrauch senken. Ziel ist es, die Tiergesundheit zu verbessern, denn eine gute Haltung und eine umsichtige Tierbetreuung beugen Infektionen vor.

Wie groß ist die Gefahr einer Salmonellen-Infektion durch Schweine(fleisch)?

Seit dem Jahr 2001 gibt es die Positivliste für Futtermittel. Darin sind alle Futtermittelausgangserzeugnisse aufgelistet, die für die Herstellung von Futtermitteln verwendet werden dürfen. Nur gesundheitlich unbedenkliche Ausgangsstoffe, die nicht gegen das geltende Futtermittelrecht verstoßen, werden in die Liste aufgenommen. Die Futtermittelhersteller haben sich freiwillig verpflichtet, ausschließlich solche Einzelfuttermittel einzusetzen, die in der gemeinsam erarbeiteten Positivliste aufgeführt sind.

Autorinnen: Antje Elfrich, Brühl und Dr. Elisabeth Roesicke, aid |

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"B&B Agrar", Ausgabe 1-2015 im aid-Medienshop

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Internationales Jahr des Bodens 2015

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2015 zum "Internationalen Jahr des Bodens" ausgerufen. Die UN will damit die Bedeutung des Themas Bodenschutz unterstreichen.
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