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Solidarische Landwirtschaft

Lebensmittelskandale, Preisdiktatur der Discounter und die Industrialisierung der Landwirtschaft verunsichern Verbraucher wie Landwirte. Solidarische Landwirtschaft bietet gemeinsame Auswege.

Frauen ernten Kartoffeln
iStock.com / JackF

Die Solidarische Landwirtschaft – kurz Solawi – beweist, dass eine nicht-industrielle, marktunabhängige Landwirtschaft möglich ist. Ihr Ziel ist es, Lebensmittel zu erzeugen, die Mensch, Umwelt und Gesellschaft langfristig gut tun. Seit etwa 25 Jahren verbreitet sich das alternative Landwirtschaftsmodell rund um die Welt. In Deutschland haben sich seitdem mehr als hundert Solawis gegründet – Tendenz steigend.

Jede Solidarische Landwirtschaft funktioniert ein bisschen anders. Das Prinzip ist aber gleich: Mehrere private Haushalte tragen die gesamten Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs – von den Löhnen über das Saatgut bis zum Traktor. Im Gegenzug erhalten sie den Ernteertrag und Mitbestimmung über das, was – und vor allem wie es – angebaut wird. Die Gemeinschaft finanziert so die Landwirtschaft und nicht einzelne Lebensmittel. Landwirte können sich auf die Produktion konzentrieren und müssen sich nicht um Vermarktung, Verkauf und Marktpreise sorgen. Sie haben ein stabiles Einkommen, geben ihre Ernte direkt an die Haushalte ab und kennen die Menschen, für die sie die Lebensmittel erzeugen.

Krumme Möhren und kleine Kartoffeln

Egal ob ein gutes Jahr Gemüse im Überfluss bringt oder eine Ernte verhagelt: Landwirte und Abnehmer teilen die Risiken. Es wird auch nichts aussortiert: Kleine Kartoffeln, krumme Karotten, blaue Bohnen, Fenchelknollen samt all ihrem fedrigen Kraut – die Menschen bekommen die ganze Vielfalt, die auf den Feldern wächst. Die Lebensmittel landen frisch vom Acker bei den Verbrauchern. Mehr Arbeit fürs Gemüse putzen wird mit Geschmack belohnt –  saisonaler und regionaler kann man nicht essen.

Die Verteilung der Ernteanteile funktioniert in den Solawis unterschiedlich. Manche haben sogenannte Depots eingerichtet, die über die Stadt verteilt liegen und in die einmal die Woche geliefert wird. So hat jedes Mitglied ein Depot in seiner Nähe und kann die Wochenernte zu Fuß oder mit dem Fahrrad abholen. In anderen Solawis gilt wöchentliche Hofabholung. Auch die Ernteanteile variieren von Solawi zu Solawi – manche bauen nur Gemüse an, andere halten auch Tiere, die Milch, Eier und Fleisch liefern. Wieder andere haben sogar eine eigene Meierei, Käserei und Bäckerei und bieten Rundumversorgung. Die allermeisten Solawis produzieren ihre Lebensmittel ökologisch.

Solawi lebt von Vertrauen und Gemeinschaft

Wie sich eine Solawi organisiert und entwickelt, hängt vom Engagement der Mitglieder ab. Meist gibt es eine Kerngruppe, die den Prozess steuert und die Kommunikation in die Hand nimmt, wöchentliche Newsletter mit Berichten von Hof und Acker verschickt und Arbeitseinsätze organisiert - soweit dies gewünscht ist. Bei manchen Solawis arbeiten alle Mitglieder mit auf dem Acker, bei anderen ist die Mithilfe möglich, aber keine Pflicht. Solidarische Landwirtschaft lebt von Engagement und Gemeinschaft. Und von dem Vertrauen, dass jeder tut, was er kann.

Mindestens einmal im Jahr treffen sich alle Mitglieder, um das neue Wirtschaftsjahr zu planen. Die Landwirte machen transparent, wie viel Geld sie im kommenden Jahr benötigen, was mittel- und langfristig angeschafft werden muss und was im vergangenen Jahr ausgegeben wurde. Aus dem Jahresbudget errechnet sich dann der durchschnittliche Beitrag. In ein oder mehreren Bieterrunden schreibt jedes Mitglied der Gemeinschaft auf, wie viel es für seinen Ernteanteil bereit ist zu zahlen. Abmachungen wie „Jeder zahlt, so viel er/sie kann“ oder „Mitarbeit statt Geld“ ermöglichen auch Menschen mit geringem Einkommen, sich zu beteiligen.

Eine Solawi gründen

Aber wie gründet man eine Solidarische Landwirtschaft? Eine neue aid-Broschüre ermutigt, loszulegen: Sie zeigt die ersten Schritte, gibt Tipps für die Kommunikation nach innen und nach außen. Sie benennt auch Stolpersteine und zeigt verschiedene Modelle und Finanzierungsformen. Beispiele aus der Praxis und Portraits von etablierten Solidarischen Landwirtschaften in Deutschland zeigen, wie und vor allem dass Solidarische Landwirtschaft funktioniert – und zwar mit großer Zufriedenheit von Landwirten und Verbrauchern.

Valeska Zepp, Bonn |

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Urbaner Gemüsegarten vor Hafenkulisse mit großen Kränen
iStock.com / linephoto

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