Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Straußenwirtschaft

Eine Straußwirtschaft bietet die Möglichkeit, den eigenen Wein bekannter zu machen und Kunden zu binden. Je nach Lage und Konkurrenzangebot kann eine Strauße aber auch Gewinn erwirtschaften. 

Weintrauben zwischen zwei Weingläsern
goldbany / Fotolia.com

„Wo's Sträußche hängt, werd ausgeschenkt.“ Nach diesem Motto öffnen alljährlich in deutschen Weinbaugebieten hunderte von Straußenwirtschaften ihre Tore. Auch in Württemberg und Franken, wo die Strauße als Besen- oder Häckerwirtschaft bekannt ist, erfreuen sich die an maximal acht Wochen im Jahr geöffneten Schankbetriebe großer Beliebtheit bei Einheimischen und Touristen. Zahlreiche Winzer bemühen sich nach einiger Zeit sogar um eine vollständige Gaststättenkonzession und erweitern ihr gastronomisches Angebot auf einen Gutsausschank. Aber rechnet sich das auch?

Möglichkeit zur Akquise und Kundenbindung

„Man muss hier zwischen Straußenwirtschaft und dauerhafter Gastronomie unterscheiden“, sagt Dieter Hoffmann vom Institut für Betriebswirtschaft der Hochschule Geisenheim. Die Straußenwirtschaft sei eine gute Sache, wenn man einen ersten Kundenstamm aufbauen will: „Das zusätzliche Angebot an kalten und einfachen warmen Speisen und die Aussicht auf ein gemütliches Beisammensein locken Interessenten an – und schließlich müssen die Weine ja erst einmal bekannt werden, wenn sie verkauft werden sollen.“ Eine funktionierende Strauße kann sogar selbst einigen Gewinn erwirtschaften, allerdings ist das eher ein positiver Nebeneffekt.

Geringer Aufwand, große Chancen

Der große Vorteil der Strauße liegt darin, dass sie mit relativ geringem finanziellen Aufwand eingerichtet und betrieben werden kann. Es genügt, beispielsweise das Kellerhaus auszuräumen und ein paar Tische und Bänke hineinzustellen. „Zwar müssen auch hier Mindeststandards an die Küche und die sanitären Anlagen erfüllt werden. Die rechtlichen Hürden sind aber deutlich geringer als im Falle eines Gutsausschanks.“ Zumal es viele Möglichkeiten gibt, um die Investitionskosten weiter zu senken. Die erforderlichen Sanitärräume kann man mit ein bisschen Geschick selbst ein – oder ausbauen. Die private Küche darf, wenn sie Mindestanforderungen genügt, auch für die Strauße genutzt werden. „Oder man lässt sich die kleinen Speisen von einem Caterer liefern. Der streicht dann zwar auch den Gewinn für die Speisen ein, aber der steht ohnehin an zweiter Stelle.“

Richtig geplant ein Erfolgsfaktor

Der finanzielle Aufwand für eine dauerhafte Gastronomie ist ungleich höher, da sie sich langfristig als eigenständiger Betriebszweig rechnen muss. Auch kommt man um bauliche Investitionen wie eine professionelle Küche und zusätzliches Personal meist nicht herum, während die Tätigkeiten in der Strauße möglichst durch Familienmitglieder abgedeckt werden sollten. „Die meisten Winzer machen es schon ganz richtig: Sie fangen mit einer bescheidenen Strauße klein an und bauen ihr Angebot, wenn es gut läuft, nach und nach aus – oder auch zurück, wenn der Kundenstamm nach ein paar Jahren groß genug ist.“

Kalkulation statt Bauchgefühl

Dennoch rät der Ökonomie-Experte dringend dazu, sich bei der Entscheidung für oder gegen eine Strauße – oder eine andere Form der Gastronomie – und deren Planung, nicht allein vom Bauchgefühl leiten zu lassen. „Der Businessplan, den seriöse Kreditinstitute in der Regel für ein Darlehen verlangen, sollte nicht als Ärgernis gesehen werden, sondern als positiver Anstoß, sich eingehend mit seinem Vorhaben zu beschäftigen.“ Schließlich hängt der wirtschaftliche Erfolg von Strauße und Gesamtbetrieb von zahlreichen Faktoren ab – von der landschaftlichen Lage über das Konkurrenzangebot bis hin zu weiteren Werbemaßnahmen wie der Frage, ob man vielleicht mit Busgesellschaften zusammenarbeitet, um zusätzliches Publikum auf das Weingut zu bringen. „Die überdurchschnittlich erfolgreichen Winzer haben immer das Gesamtpaket im Blick.“

Autorin: Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

als hilfreich bewerten 0 Versenden
Das Weinrecht 2016

Medienshop-Tipp

Heft Das Weinrecht 2016

Wer Wein anbaut, muss ein umfangreiches Regelwerk einhalten, das im Deutschen und im EU-Weinrecht festgelegt ist. Das Heft erläutert diese spannenden, aber zum Teil auch sehr komplizierten Rechtsvorschriften in leicht verständlichen Worten. mehr...