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Streuobstwiesen

Unscheinbar, fast vernachlässigt sehen sie aus. Dabei beheimaten sie zahlreiche, teils bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

blühende Bäume auf Streuobstwiese
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Plumps. Schon hat wieder einen Apfel die Schwerkraft ereilt. Rotwangig und aromatisch duftend, kurz, genussreif, kullert das leckere Früchtchen noch ein Stück, dann bleibt es unter dem knorrigen Apfelbaum liegen. Und dort liegt es. Und liegt und liegt, bis es wie Dutzende andere irgendwann zu gammeln beginnt, oder sich Igel, Wespen und Vögel über das süße Mahl hermachen.

Wiesen mit verstreutem Obst?

Beim Anblick einiger vernachlässigter Streuobstwiesen könnte man meinen, ihr Name rühre daher, dass sich die reifen Äpfel wahllos über die Wiese verstreuen, weil sie ohnehin niemand erntet. Tatsächlich geht der Name aber auf die lose Verteilung der Bäume in der Landschaft zurück. Einst als Obstplantagen in einer Mischung zahlreicher verschiedener Sorten gepflanzt, als Schatten spendende Einzelbäume auf Viehweiden oder am Rande von Äckern platziert, oder als Alleen, die der Nahrungsversorgung der ansässigen Bevölkerung dienten, prägen Streuobstwiesen viele Landstriche bis heute.

Kulturgut im Dornröschenschlaf

Die Nutzung der Streuobstwiesen allerdings hatte sich zwischenzeitlich teils dramatisch verändert. Im modernen Obstanbau haben sich nämlich eher kleinkronige Bäume mit niedrigen Stammhöhen durchgesetzt. In Reih' und Glied gepflanzt versprechen sie eine einfachere Bewirtschaftung. Vor diesem Hintergrund schien es vielen Grundbesitzern schierer Unsinn zu sein, Streuobstwiesen weiterhin zu pflegen oder gar die teils weiten Strecken von Baum zu Baum in der freien Landschaft zurückzulegen. In der Folge vergreisten die ungeschnittenen Bäume und der aufkommende Unterwuchs gedieh prächtig, bis die einstigen Obstanbauflächen von Gestrüpp überwuchert waren.

Wertvolles Biotop

Mittlerweile hat jedoch bei vielen Privatleuten, Städten und Gemeinden ein Umdenken stattgefunden. Streuobstwiesen werden heute – ähnlich der Heide – als wertvolle Kulturlandschaft wahrgenommen, die es zu erhalten gilt. Weil viele alte Sorten besonders robust gegenüber Krankheiten und Schädlingen sind, wird zudem manche Streuobstwiese zum kostbaren Genpool für die Obstzüchtung. Und auch in Sachen Artenvielfalt kann sich die Tier- und Pflanzenwelt sehen lassen: Rund 5.000 Arten fühlen sich in und unter den lose verteilten Obstbäumen ausgesprochen wohl, darunter zahlreiche geschützte Arten wie Steinkauz, Haselmaus und diverse Fledermäuse.

Mitmachen lohnt sich

Vielerorts haben sich bereits Vereine gegründet, deren Mitglieder mit ebenso viel Freude wie Verantwortungsbewusstsein alte Obstbäume freilegen und neue pflanzen, sie regelmäßig schneiden, die Wiesen kurzhalten oder sie von wolligen Rasenmähern beweiden lassen, und natürlich die saftigen Früchte ernten und verwerten. Als Lohn winken unterhaltsame Stunden an der frischen Luft, spannende Naturbeobachtungen und natürlich allerlei Köstlichkeiten aus Stein- oder Kernobst. Für Igel und Co. bleibt trotzdem genügend übrig – dafür sorgt schon die Schwerkraft.

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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