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Ernährungskommunikation: Abschied vom Beratungsmythos

Wir alle kennen die Musterklientin Frau S. Sie ist ein liebgewonnener Mythos, von dem sich die Ernährungsberatung endlich trennen muss. Winken Sie ihr gemeinsam mit uns hinterher!

Schild am Strand: Bin dann mal weg
VRD / Fotolia.com

Kommt Ihnen Frau S. bekannt vor? Sie ist neulich von ihrem Hausarzt darüber aufgeklärt worden, dass sie ein paar Kilo abnehmen muss. Er hat sie zur Ernährungsberatung geschickt, wo sie einen Flyer mit Ernährungstipps in die Hand gedrückt bekommen hat. Den Flyer hat sie abends im Kreise ihrer Familie durchgelesen. Seitdem wird mit weniger Fett gekocht, es werden keine Süßigkeiten mehr für die Kinder gekauft (und Frau S. isst sie nicht mehr heimlich) und auch vor dem Fernseher wird nicht mehr genascht. Innerhalb von drei Monaten hat Frau S. ihr Normalgewicht erreicht.

Willkommen im Märchen

An dieser Geschichte stimmt so gut wie nichts. Aber Gesundheits- und Ernährungsfachleute gingen jahrzehntelang (und gehen teilweise immer noch) davon aus, dass Ernährungskommunikation so funktioniert:

  • Aus einer unspezifischen Aufforderung („Sie müssen abnehmen.“) oder reiner Information wie einem Flyer wird Handeln.
  • Gesundheitsexperten sind für Frau S. eine Autorität, der sie einfach folgt.
  • Frau S. ist auch überzeugt, dass Pfunde purzeln müssen.
  • Die Familie und das sonstige Umfeld unterstützen Frau S. beim Abnehmen.
  • Gesundheit oder Gewicht sind das Wichtigste für Frau S. Beziehungen, Arbeit, Finanzen und ihr sonstiges Leben haben keinen Einfluss auf ihr Essverhalten.

Willkommen in der Realität

Es hat gedauert, bis Ernährungswissenschaft und Oecotrophologie Frau Soleidernicht durchschaut haben. Heute ist klar, dass sie mit der Realität wenig zu tun hat. Beratungskräfte wissen, dass sie die Lebenswirklichkeit und die Gefühlslage ihrer Klienten verstehen müssen, damit die gemeinsame Arbeit bezüglich der Ernährung beginnen kann. Sie wissen, dass realistische Erwartungen entscheidend sind und dass Wertschätzung, Empathie und Echtheit von Seiten der Beratungskraft weit mehr erreichen als der erhobene Zeigefinger. Und trotzdem fällt der Abschied von Frau S. ein wenig schwer. Denn Ernährungsberatung mit ihr könnte doch so einfach sein ...

Quelle: Therapiefall Ernährungsberatung - Update 2012 (Bestell-Nr. 3944)

Andrea Fenner, Edinburgh |

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