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Über den Kopf in den Bauch

Seit 2010 geht der Fischkonsum in Deutschland zurück und liegt aktuell bei 13 kg pro Kopf und Jahr. Dennoch geben 54 Prozent der Deutschen an, mindestens einmal die Woche Fisch zu essen.

Fischgericht mit Gabel und Messer
AK-DigiArt / Fotolia.com

(aid) – Seit 2010 geht der Fischkonsum in Deutschland zurück und liegt aktuell bei 13 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Dennoch geben 54 Prozent der Deutschen an, mindestens einmal die Woche Fisch zu essen. Lediglich drei Prozent von mehr als 6.000 repräsentativ Befragten in der Seafood-Studie „So essen die Deutschen Fisch“ verweigern sich den Meeresbewohnern völlig. Das kommt Kristin Pettersen vom „Norwegian Seafood Council“ merkwürdig vor. Würden die Interview-Angaben hochgerechnet, kämen die Bundesbürger auf 30 Kilogramm pro Jahr.

Ende August gab sie auf dem Deutschen Fischereitag in Potsdam Einblicke in die Studie und deckte auf, dass die Bundesbürger Lachsscheiben und Heringshappen als Verzehr werten, die im Volumen jedoch alles andere als eine Hauptmahlzeit sind. Nur neun Prozent der Bundesbürger essen Fisch als Hauptbestandteil einer Mahlzeit. So gesehen essen die Deutschen zwar häufig, aber nur kleine Portionen Fisch. Und ausgerechnet junge Familien zwischen 30 und 49 mit Kindern gehören zu den „Fischmuffeln“.

Beim Fischverzehr ist also noch viel Luft nach oben. Konsumenten neugierig auf Fisch zu machen ist ein Fazit der Studie, deren Ergebnisse aufhorchen lassen sollte. Junge Menschen müssen in der Werbung nicht „flippig“ und Ältere sollten nicht über die Gesundheitsschiene angesprochen werden. Diese Bewerbungen verfehlen nach Pettersen ihr Ziel, mehr Fisch auf den Teller zu bekommen.

Die Hauptprobleme beginnen im Handel. Kunden können meist nicht erkennen, ob der angebotene Fisch frisch ist. Die oft aufwendig gestaltete Fischtheke wird im Durchschnitt nur viermal im Jahr besucht. Erst verpackte Ware im Discount hat zumindest bei Lachs für Belebung des Handels gesorgt. Ein weiteres Problem ist die Unkenntnis der Zubereitung. Nicht nur, dass Kunden sich nicht zutrauen, Fisch zuzubereiten, sie kennen im Durchschnitt nur zwei Fischrezepte. Bei Pasta haben die Konsumenten bis zu elf verschiedene Zubereitungen „auf der Pfanne“. Da Geschmack meist in der Kindheit geprägt wird, sieht die Kundenzukunft finster aus. 60 Prozent der Kinder kennen Fisch nur als Fischstäbchen und erfahren nie den wahren und je nach Fischart unterschiedlichen Geschmack. Das mag ein Grund sein, warum Hering immer weniger auf deutschen Tellern landet. Das trendige Sushi ist nach Pettersen auch kein Einstiegssegment in den Fischkonsum. Punkten kann im Fischsortiment offenbar nur die Tiefkühlware. Zwei Drittel des verzehrten Fisches kommt aus der kalten Truhe.

Der Hauptgrund für den Fischeinkauf ist über alle Altersstufen hinweg der Geschmack. In Norwegen werde Fisch fast nur über dieses Merkmal beworben. Statt Rezepte auf die Packung zu drucken, sollte sich das Marketing auf die Art der Zubereitung konzentrieren: „Nur einmal wenden“ helfe den Kunden, ihre Furcht vor der Zubereitung zu überwinden. Und: Fisch muss mehr Platz bekommen. Die Fischexpertin beklagt, dass Streetfood von der schwäbischen Alb bis zum Hüftsteak alles anbietet, aber keinen Fisch. Fluss- und Meeresbewohner „sind nicht trendy“. Fisch muss in den Medien, in der Werbung und im öffentlichen Leben präsenter werden. Dann klappt es auch mit dem „gesundheitlichen Nebeneffekt“.

Roland Krieg, www.aid.de

Weitere Informationen:

aid-Broschüre „Fisch und Fischerzeugnisse“, Bestell-Nr. 1001, Preis: 5,00 Euro
www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1001

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