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Umstellen auf ökologische Landwirtschaft

Die Umstellung des eigenen Betriebs auf ökologische Wirtschaftsweise ist ein komplexer Vorgang, der gut geplant und umgesetzt sein will. Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen.

Mann zwischen braunen Hühnern
aid

Wer überlegt, seinen Betrieb auf ökologischen Landbau umzustellen, kann unterschiedliche Gründe haben. Viele sehen darin die Chance, neue Märkte für sich zu erschließen und künftig bessere Preise für ihre Produkte zu realisieren. Für andere steht der Aspekt im Vordergrund, dem Betrieb eine stabile, langfristige Perspektive zu geben, weil biologisch erzeugte Lebensmittel inzwischen fest in der Gesellschaft verankert sind. Andere verbinden die Umstellung mit einer umfassenderen Betriebsentwicklung. Die ökologische Bewirtschaftung paart sich dann vielleicht mit dem Aufbau einer Hofverarbeitung oder einer Direktvermarktung. Und für viele spielt die persönliche Überzeugung eine wichtige Rolle, der Wunsch, naturgemäß zu wirtschaften und das Gefühl, der bisherige Weg passe nicht mehr richtig zu den eigenen Vorstellungen von Landwirtschaft. Manche haben sich schon in ihrer konventionellen Wirtschaftsweise so stark an den ökologischen Landbau angenähert, dass der Schritt zum anerkannten Biobetrieb nur noch klein ist.

Die Umstellung des eigenen Betriebs auf ökologische Wirtschaftsweise ist ein komplexer Vorgang, der gut geplant und umgesetzt sein will. Um die Frage zu beantworten, ob der eigene Betrieb für die Umstellung geeignet ist, müssen viele Aspekte durchdacht werden. Dazu gehören persönliche Vorlieben und Kompetenzen des Betriebsleiters genauso wie die Frage, ob die Familie mitzieht. Die betrieblichen Voraussetzungen – Betriebszweige, vorhandene Ausstattungen etc. – spielen ebenso eine Rolle wie die finanzielle Situation.

In den folgenden Fragen und Antworten zum Thema haben wir wichtige Aspekte zusammengestellt, die bei der Entscheidung helfen.

 

Fragen und Antworten

Welche persönlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Wie im konventionellen Landbau, sind unternehmerisches Talent und eine hohe Kompetenz in Pflanzenbau und Tierhaltung die besten Voraussetzungen für den Erfolg. Ökolandwirte sollten ein Auge für die natürlichen Abläufe im Pflanzenbau und Spaß daran haben, Fruchtfolgen auszutüfteln, die zu Klima und Boden passen. Das Wohlergehen der Tiere ist ihnen ein besonderes Anliegen. Sie sind von der besonderen Qualität Ihrer Produkte überzeugt und sprechen gerne mit Ihren Kunden darüber. 
Wer auf biologischen Anbau umstellen will, sollte sich unbedingt mit den Zielen identifizieren können. Denn wer später immer wieder mit den Anbauvorschriften hadert, wird wenig Freude an dieser Anbauform haben.

Offenheit und Kontaktfreudigkeit sind gute Voraussetzung, um mit den sich verändernden Beziehungen zu Kollegen, Lieferanten oder Abnehmern umgehen zu können. Von Vorteil ist auch die Fähigkeit zu strategischem Denken und Planen, denn während und nach der Umstellung wird sich die Freude an Innovationen immer wieder auszahlen. Häufig ist auch Teamgeist gefragt, denn gerade im direktvermarktenden Biobetrieb oder im Betrieb mit hofeigener Verarbeitung arbeiten häufig die ganze Familie und nicht selten auch zusätzliche Arbeitskräfte mit. Auch der Lebenspartner/die Lebenspartnerin oder gegebenenfalls der Hofnachfolger sollten einer Umstellung positiv gegenüberstehen. Binden Sie daher Familienmitglieder am besten in die entscheidenden Gespräche und Planungen mit ein, besuchen Sie gemeinsam Veranstaltungen und bestehende Biobetriebe, nehmen Sie gemeinsam eine Umstellungsberatung wahr.

Wie hoch ist der finanzielle Aufwand für die Umstellung?

Wer seinen Betrieb ökologisch bewirtschaftet, kann mit guten Ergebnissen rechnen. Ökologisch wirtschaftende Unternehmen haben in den meisten der zurückliegenden Jahre im Schnitt sogar mehr verdient als vergleichbare konventionelle Betriebe. Ein solcher Erfolg stellt sich aber nicht automatisch ein. Deshalb sollten Sie möglichst mit einer stabilen Finanzlage in die Umstellung gehen. In den beiden Umstellungsjahren muss oft eine finanzielle Durststrecke überwunden werden, weil die Erzeugnisse noch nicht als Bio-Produkte vermarktet werden können, der Aufwand aber höher ist. Ein guter Finanzierungs- und Liquiditätsplan für diese Zeit ist also erforderlich. Ihr Umstellungsberater hilft Ihnen, ein Anbauprogramm für die Umstellungsjahre zu entwickeln, das die Verluste möglichst klein hält.

Wichtig: Die Ökoprämie wird nicht ausgezahlt, wenn Sie mit der Umstellung beginnen, sondern rückwirkend etwa ein Jahr später. Auch das ist für die Liquidität bedeutsam.

Wird die Umstellungsberatung bezuschusst?

Ja, die Umstellungsberatung wird im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau mit einem Zuschuss von 50 % der Beratungskosten, bis maximal 4.000 Euro, gefördert.
Mehr Informationen beim Bundesporgramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)

Wie wird Ihr Betrieb in drei Schritten zum Biobetrieb?

Erster Schritt: Informieren
Informieren Sie sich im Internet oder per Telefon bei den Bioanbauverbänden und anderen (staatlichen) Institutionen, die Beratung und Fachliteratur anbieten. Eine der wichtigsten Informationsquellen ist der Erfahrungsaustausch unter Kollegen. Schauen Sie sich Betriebe an, die bereits ökologisch wirtschaften. Besuchen Sie Veranstaltungen. Das ganze Jahr über finden in vielen Regionen Deutschlands Seminare, Fachtagungen und Feldtage zum ökologischen Landbau statt.

Zweiter Schritt: Beraten lassen
Werden Ihre Überlegungen konkreter, sollten Sie sich mit einem Umstellungsberater in Verbindung setzen. Wenden Sie sich dazu an einen der Anbauverbände, die Landwirtschaftskammern oder -ämter. Mit dem Umstellungsberater werden Sie darüber sprechen, wo auf Ihrem Hof die spezifischen Hürden liegen und wie Sie diese überwinden können. Er erstellt mit Ihnen einen Umstellungsfahrplan und erarbeitet ein Anbauprogramm, mit dem Sie gut durch die Umstellungszeit kommen. Er berechnet auf Wunsch den Investitionsbedarf, erstellt einen Finanzierungs- und Liquiditätsplan und informiert Sie über Fördermöglichkeiten. Auch über Vermarktungsperspektiven können Sie mit Ihrem Umstellungsberater sprechen.

Dritter Schritt: Umstellen
Steht Ihre Entscheidung fest, erarbeiten Sie mit Ihrem Berater den konkreten Umstellungsplan. In der Regel werden zwei Jahre und mehr benötigt, bevor Sie pflanzliche und tierische Erzeugnisse ökologisch vermarkten können. Ein Antrag auf Förderung des ökologischen Landbaus ist nur zu bestimmten Terminen möglich. Unabhängig davon kann man mit der Umstellung zu jedem beliebigen Zeitpunkt beginnen. Umstellung und Förderung beginnen also nicht unbedingt am gleichen Tag. Prüfen Sie außerdem, ob Sie einem Anbauverband beitreten und wählen Sie eine Kontrollstelle aus.

 

Annegret Grafen, Mainz |

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Webtipp

Wichtige Adressen für die Umstellung

Auf der Internetseite des Ökoportals oekolandbau.de finden Sie hilfreiche Adressen, wie zum Beispiel die Adressen der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau, der Anbauverbände oder der in Deutschland zugelassenen Kontrollstellen:

www.oekolandbau.de