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Urban Gardening: So funktioniert's

Urban Gardening macht Spaß und ist ein nachhaltiger Beitrag für mehr Lebensqualität in der Stadt – wenn die Planung stimmt. Mit diesen Tipps klappt's ...

Frau erntet Radieschen
Catherine Murray / Fotolia.com

Schauspieler, die extra als berühmt bezeichnet werden müssen, sind in der Regel genau das nicht. Locations, die schon drei Monate nach Eröffnung als „kultig“ beworben werden, sind nicht selten nach weiteren drei Monaten geschlossen. Beim Stichwort Trends sind oft ähnliche Effekte zu beobachten – aber zum Glück nicht immer. Urban Gardening, also Gärtnern in der Stadt, begann als Trend, beweist aber einen erfreulich langen Atem. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass hier tatsächlich etwas angesprochen wird, nach dem immer mehr Menschen suchen: lebendiges Grün in einer zunehmend künstlichen Welt; Entschleunigung; körperliche Arbeit als Ausgleich zum Bürojob; und nicht zuletzt ein kreatives und soziales Miteinander in einem sonst oft anonymen Umfeld.

Mut zur Eigeninitiative

In vielen Kommunen gibt es sogar mehrere Initiativen, die sich dem Gärtnern auf Brachflächen widmen – seien es bis dato vernachlässigte Verkehrsinseln oder Areale, auf denen erst in einigen Jahren gebaut werden soll. Wer keine entsprechenden Angebote findet, oder selbst aktiv werden möchte, sollte einige Punkte bedenken, damit der Plan auch langfristig funktioniert.

Behörden von Anfang an einbeziehen

Auch wenn sich viele Menschen über mehr Grün in der Stadt freuen: Gärtnern auf öffentlichen Flächen ist genaugenommen illegal und benötigt die Zustimmung des jeweiligen Grünflächenamts. Viele Kommunen zeigen sich gegenüber Stadtgärtnerprojekten jedoch sehr aufgeschlossen, vorausgesetzt, es liegt ein überzeugendes Konzept vor und die Betreuung der Flächen ist über einen längeren Zeitraum sichergestellt. Ist das der Fall, unterstützen viele Städte und Gemeinden Urban-Gardening-Aktionen sogar aktiv, indem sie zum Beispiel Pflanzen und Saatgut stiften und/oder Gartengeräte bereitstellen. Doch auch, wenn ein größeres Projekt auf einem privat gepachteten Grundstück aufgezogen werden soll, hilft gute Planung, Frust zu verhindern.

Pflege ist ebenso wichtig wie Pflanzen

Guerilla-Aktionen mit Samenbomben und Co. machen Spaß, sind aber nur nachhaltig, wenn sich auch danach jemand um die Fläche kümmert. Regelmäßiges Gießen ist insbesondere in den ersten Monaten nach der Aussaat oder Pflanzung ein Muss. Wie weit ist der nächste Wasseranschluss entfernt? Wer könnte das Gießen übernehmen – und zwar langfristig? Wer kümmert sich, wenn Unkraut die eigentlichen Pflanzen zu überwuchern droht, wer entfernt möglicherweise auftretenden Müll? Noch vor der eigentlichen Aktion sollten Anwohner, Ladenbesitzer, Kindergärten und andere in Frage kommende Kooperationspartner angesprochen werden. Das hilft außerdem, von Beginn an Akzeptanz für das neue Projekt zu schaffen, und eventuelle Konfliktpunkte frühzeitig offenzulegen, sodass sie entschärft werden können. Etwa wenn Anwohner fürchten, abends durch laute Musik gestört zu werden, oder Hundebesitzer um ihre gewohnte Gassigehroute bangen.

Pflanzen auf Standort abstimmen

Insbesondere, wenn direkt in den Boden gepflanzt wird, müssen die Pflanzen gut zum Standort passen: Ist die Fläche sonnig oder schattig, der Boden nährstoffreich oder eher nährstoffarm, eher feucht oder trocken, besteht Wurzelkonkurrenz durch Bäume und Sträucher – all diese Fragen stellt man sich am besten möglichst früh und sucht dann anhand von Büchern und Katalogen oder noch besser gemeinsam mit einem Gärtner passende Arten aus. Dabei müssen auch das Wuchsverhalten (zum Beispiel langsam wachsend oder wuchernd) und der notwendige Pflanzabstand berücksichtigt werden – das gilt auch für Gemüse in Kisten, sonst wird am Ende der Salat von der Zucchini erdrückt oder die Radieschen bleiben winzig, weil zu eng gesät wurde.

Mitstreiter und Sponsoren suchen

Je größer das Projekt, desto mehr Unterstützer werden benötigt. Für einmalige Pflanzaktionen wird das weniger problematisch sein; für eine erfolgreiche Umsetzung sind aber vor allem Menschen wichtig, die sich langfristig engagieren möchten. Dabei sollte eine gewisse Fluktuation einkalkuliert werden, um auch – dann wortwörtliche – Durststrecken wie die Sommerferien stressfrei überbrücken zu können. Sponsoren können ebenfalls sehr hilfreich sein: Eine Gärtnerei kann Pflanzen stiften, der örtliche Baumarkt Gartengeräte, die Sparkasse eine Holzbank sponsern, eine Druckerei Werbung für das Projekt machen. Nicht vergessen: Rechtzeitig Journalisten zur Auftaktaktion einladen und den Tag in sozialen Netzwerken ankündigen, denn eine gute Öffentlichkeitsarbeit kann neue Unterstützer bringen und ein positives Klima gegenüber dem Projekt schaffen.

Autorin: Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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redfoxca / Fotolia.com
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