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Vliese, Folien und Netze

Die Einsatzgebiete von Folien, Vliesen oder Netzen sind vielfältig. Hobbygärtner nutzen sie jedoch selten. Häufig aufgrund mangelnder Kenntnisse im Umgang mit diesen Materialien.

Schutznetz
alain wacquier / Fotolia.com

Hilfsmittel wie Folien, Vliese oder Netze sind im Erwerbsgartenbau kaum noch wegzudenken. Die Einsatzgebiete reichen von der Gemüseverfrühung über die Unkrautregulierung bis hin zum Schutz vor Kälte und Schädlingen. Für Hobbygärtner kann es sich lohnen, sich einmal intensiver mit diesen Materialien zu beschäftigen.

Abdeckungen für die Gemüseverfrühung

Wer schon früh im Jahr Kohlrabi und Radieschen ernten möchte, kann sich entweder ein Gewächshaus bauen oder aber sein Gemüse mit Vlies oder Folie abdecken. Diese Materialien sorgen für eine Erwärmung des Bodens und der bodennahen Luftschicht, indem sie die eingestrahlte Sonnenenergie speichern. Dadurch ergeben sich Temperaturen unter dem Abdeckmaterial, die in der Regel drei bis vier Grad höher sind als die Umgebungstemperatur. Das verschafft dem Gemüse einen Vorsprung von bis drei Wochen.

Neben der wärmespeichernden Wirkung bieten Vlies und Folie den Pflanzen darüber hinaus Schutz vor Hagel, Insekten, Wild, Wind und Frost. Durch die geringeren Windgeschwindigkeiten unter der Folie oder dem Vlies hält sich außerdem die Luftfeuchtigkeit besser im Bestand.

Vlies oder Folie?

Bei Vlies und Folie handelt es sich um Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften. Vlies ist ein sehr leichtes textiles Flächengewebe (18 g/m2) aus einzelnen Kunststofffasern, mit einer hohen Wasser- und Luftdurchlässigkeit. Bei Abkühlung bildet sich durch das Kondenswasser eine isolierende Eisschicht, die das Gemüse vor Frost bis minus 5 °C schützt. Ein Nachteil von Vlies ist, dass es nicht besonders dehnbar ist und sich somit nicht dem Pflanzenwachstum anpassen kann. Es muss daher schon von Anfang an großzügig ausgelegt werden.

Bei den aus Kunststoff gefertigten Folien wird unterschieden in Lochfolien und Schlitzfolien. Ein Vorteil gegenüber Vlies ist, dass die Folien das Licht besser an die Pflanze lassen. Ein Nachteil stellt jedoch die geringere Luft- und Wasserdurchlässigkeit dar. Lochfolien sollten mindestens 500 Löcher pro Quadratmeter haben (Lochdurchmesser 10 mm), damit eine ausreichende Durchlüftung und Wasserdurchlässigkeit gewährleistet ist. Eine höhere Lochdichte ist nicht zu empfehlen, da dann die Wärmeverluste unter der Folie zu hoch sind.

Schlitzfolien haben gegenüber den Lochfolien den Vorteil, dass durch die Vielzahl der Schlitze (etwa 2.000/m2) die Folie „mitwächst“ und sich somit dem Pflanzenwachstum anpasst. Mit zunehmender Dehnung der Schlitze verbessert sich auch die Lüftung, was einen weiteren Vorteil der Schlitzfolie ausmacht: Sie kann bis zur Ernte auf den Pflanzen liegen bleiben. Bei weiter Schlitzdehnung kann auch durch die Schlitze gewässert werden.

Wer schon ab Anfang März säen oder pflanzen möchte, sollte sich für eine Doppelabdeckung (Folie oben, Vlies darunter) entscheiden. Bei Einzelabdeckung mit Folie oder Vlies sollten Sie bis Ende März warten.

Künstliche Mulchmaterialien

Unter „Mulchen“ versteht man das Abdecken offener Bodenflächen. Dies schützt den Boden vor zu schneller Austrocknung, übermäßige Abtragung von Boden (Erosion) und Verschlämmung (oberflächliche Verkrustung). Darüber hinaus werden durch das Mulchen die Bodenstruktur und Nährstofffreisetzung verbessert und das Unkrautwachstum gehemmt.

Im gewerblichen Gartenbau werden zum Mulchen von Gemüsearten wie Zucchini, Kohlrabi, Salat, Kohlrabi, Mais oder Fenchel häufig schwarze Mulchmaterialien wie Mulchfolie, Mulchvlies oder Bändchengewebe (Agrotextil) verwendet, da sie das Unkraut wirksam unterdrücken und den Boden erwärmen helfen. Nach der Bodenbearbeitung im Frühjahr werden die Mulchmaterialien auf die Beete aufgebracht. Gepflanzt wird anschließend durch Löcher, die man in die Materialien gestanzt hat.

Die eingesetzten Materialien unterscheiden sich vor allem in ihrer Haltbarkeit und ihrem Preis. Bändchengewebe und Vliese sind sehr robust und jahrelang haltbar, dafür aber recht teuer. Günstiger, dafür aber auch weniger lange nutzbar sind dünne PE-Folien und biologisch abbaubare Folie aus nachwachsenden Rohstoffen (z. B. Maisstärke). Letztere haben den Vorteil, dass man sie nach der Ernte einfach in den Boden einarbeiten kann und damit nicht aufwändig entsorgen muss.

Netze schützen Obst und Gemüse

Kulturschutznetze verhindern den Befall durch schädigende Insekten verschiedenster Art wie Fliegen (z. B. Möhren-, Kohl- oder Zwiebelfliege), Schmetterlingsraupen (z. B. Erbsenwickler, Kohleulen oder Kohlweißling), Erdflöhe oder auch Blattläuse. Darüber hinaus bieten sie auch etwas Schutz gegen Kaninchenfraß sowie Hagel. Gegen Vogelfraß werden im Handel so genannte Vogelabwehrnetze angeboten.

Kulturschutznetze sind in der Regel reißfest und UV-stabilisiert, so dass sie einige Jahre genutzt werden können. Sie werden in verschiedenen Maschenweiten angeboten, je nachdem, welcher Schädling damit abgehalten werden soll. Gegen Fliegen wird eine Maschenweite von etwa 1,4 x 1,4 mm empfohlen, für die kleineren Erdflöhe 0,8 x 0,8 mm und für Blattläuse und Zikaden noch feinmaschigere Netze (0,5 x 0,5 mm).

Direkt nach der Aussaat beziehungsweise Pflanzung werden die Kulturschutznetze locker auf die Beete aufgelegt und rundum befestigt. Im Gegensatz zu Vliesen und Folien können Kulturschutznetze während der gesamten Vegetationsperiode auf den Beeten verbleiben. Nur zum Düngen und Hacken müssen die Netze kurzzeitig abgenommen werden.

Jörg Planer, Meckenheim |

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