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Warm, wärmer, Wärmeschutzglas

Die Zukunftsinitiative NiedrigEnergieGewächshaus (ZINEG) untersucht die Praxistauglichkeit von Wärmeschutzglas in Gewächshäusern. Erste Versuchsergebnisse verheißen Positives für die Zukunft.

Glashausfassade vor bewölktem Himmel
Mr Twister / Fotolia.com

Begrenzte Rohstoffvorkommen, schwankende Energiepreise, umweltbewusste Verbraucher – vom finanziellen Aspekt bis zur Imagepflege gibt es viele Gründe, den Energieverbrauch bei der Pflanzenproduktion möglichst gering zu halten. Aber wie? Viele Wege führen bekanntlich nach Rom und jeder hat seine Vorteile und Stolpersteine. Die Zukunftsinitiative NiedrigEnergieGewächshaus (ZINEG) verfolgt daher gleich mehrere spannende Ansätze, mit deren Hilfe Betriebe ihren Energieverbrauch künftig wahrscheinlich deutlich senken können.

Lichtminderung vernachlässigbar

Andreas Bettin vom Fachgebiet Zierpflanzenbau der Hochschule Osnabrück betreut eines der Projekte. Sein Forschungsschwerpunkt sind Gewächshäuser mit Wärmeschutzverglasung. Mit einer solchen Verglasung ausgestattete Varianten wie das Versuchsgewächshaus in Osnabrück besitzen gegenüber alten Normgewächshäusern ein Einsparpotenzial von sagenhaften 70 Prozent. Allerdings schwebte über diesem Ansatz bisher eine nahezu vernichtende Aussage: Wärmeschutzglas schluckt 10 bis 15 Prozent Licht! Eine Tatsache, die bei vielen Produzenten schwerste Bedenken bezüglich der Pflanzenqualität auslöste. Teils zu Unrecht, wie sich in Versuchen mit Zonal-Pelargonien, Neu-Guinea-Impatiens, Elatior-Begonien, Cyclamen und Poinsettien zeigte. „Eine Kernaussage unserer Versuche ist: Die Lichtminderung durch Wärmeschutzglas wird bei blühenden Topfpflanzen, bei denen nicht die Massenbildung, sondern der Habitus im Vordergrund steht, überbewertet“, stellt Andreas Bettin fest.

Pflanzenqualität durch Testkäufer bestätigt

Zwar zeigten die Pflanzen einen minimal geringeren Massezuwachs als die Exemplare, die im Kontrollgewächshaus unter Floatglas aufwuchsen. Erfahrene Testkäufer nahmen diesen Unterschied jedoch nicht wahr, oder hielten ihn bezüglich der Pflanzenqualität für irrelevant. Zudem zeigte sich in den jüngsten Versuchen des seit 2011 laufenden Projekts, dass eine CO2-Düngung die Unterschiede bei einigen Kulturen ausgleichen kann. „Und im Winter wird bei wärmebedürftigen Kulturen wie Elatior-Begonien beziehungsweise bei Kulturabschnitten wie der Azaleen- oder Hortensientreiberei üblicherweise Assimilationslicht eingesetzt. Die Lichtminderung der natürlichen Einstrahlung wird damit weitgehend bedeutungslos.“

Erhöhte Luftfeuchtigkeit ohne Folgen

Auch die höhere Luftfeuchtigkeit, die entsteht, weil an der weniger kalten Gewächshaushülle weniger Wasser kondensiert, stellte in den bisherigen Versuchen kein Problem dar. „Trotz 90 Prozent Luftfeuchte sind so gut wie keine Pflanzen an Botrytis erkrankt. Möglicherweise, weil das Laub nicht so stark auskühlte“, sagt Andreas Bettin. Einzig bei den Elatior-Begonien war ein nennenswerter Qualitätsunterschied zu beobachten. Dieser wurde paradoxerweise aber durch das Gegenteil der befürchteten Lichtminderung verursacht: Während im Kontrollgewächshaus im Sommer schattiert wurde, um Hitzeschäden zu vermeiden, war dies unter Wärmeschutzglas nicht notwendig. „Durch die höhere Lichtmenge wuchsen die Begonien etwas stärker als erwünscht – ein Effekt, der sich durch zusätzliche Hemmstoffgaben oder eine Beschattung aber leicht ausgleichen lässt.“

Nur einer von vielen Ansätzen

Mit Abschluss des Projekts im Jahr 2014 ist das Thema Wärmeschutzverglasung aber weder zu Ende gedacht, noch würde Andreas Bettin es als einzig wahre Lösung präsentieren wollen. Nicht zuletzt deshalb, weil eine solche Verglasung neben dem hohen Einspar- auch ein hohes Ausgabepotenzial hat. „Uns fehlen derzeit schlicht genügend Praxisbeispiele, um realistische Preise abschätzen zu können.“ Zumal neben den Materialkosten natürlich auch eine individuelle wohldurchdachte Planung und ein handwerklich optimaler Aufbau die Rentabilität beeinflussen. „Betriebe, die über eine solche Investition nachdenken, sollten sich unbedingt einen unabhängigen Berater suchen“, empfiehlt der Zierpflanzenprofi. „Außerdem verfolgen die Kollegen an den anderen vier ZINEG-Standorten mindestens ebenso vielversprechende Ansätze zur Energieeinsparung wie wir. Momentan können wir noch nicht mit Sicherheit sagen, in welche Richtung die Reise gehen wird. Aber es lohnt sich, am Ball zu bleiben.“

Mascha Schacht, Frankfurt am Main |

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