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Warum wird Saatgut gebeizt?

Haben Sie beim Spaziergang schon einmal auffällig gefärbte Getreidekörner oder Samen anderer Pflanzen am Feldrand herumliegen sehen. Das ist gebeiztes Saatgut...

Gebeiztes Maissaatgut auf einer Handfläche
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Landwirtschaftliches Saatgut, insbesondere Getreidesaatgut, aber auch solches von Zuckerrüben oder Raps, wird häufig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt – der Fachmann spricht dabei von „Beizen“. Sinn und Zweck der Saatgutbeizung ist es, die Saat und die daraus entstehenden jungen Keimlinge vor Pilzkrankheiten zu schützen, deren Keime am Saatkorn oder im Boden überdauern. Die Beizung von Saatgut kann aber auch dem Schutz vor schädlichen Insekten, wie zum Beispiel der Fritfliege, dienen.

Auffällige Farben schützen vor Verwechslung

In der Regel werden die Samenkörner mit einem gut haftenden pulvrigen oder flüssigen Mittel umhüllt, das den Pflanzenschutzwirkstoff enthält. Damit solches Saatgut nicht versehentlich als Futtermittel oder zu Nahrungszwecken verwendet wird, werden die chemischen Beizmittel in auffälligen Farben gefärbt. Zum Schutz vor Vogelfraß werden sie häufig auch mit Vergällungsmitteln – das sind Stoffe, die einen unangenehmem Geruch oder Geschmack haben – behandelt. Auf die menschliche Gesundheit haben diese Beizmittel keine Auswirkung, denn bis zur Ernte haben sich diese Mittel vollständig abgebaut.

Beizen geht auch physikalisch

Wird Saatgut mit pestizidhaltigen Beizmitteln umhüllt, spricht man von chemischer Beizung. Eine solche Form der Beizung ist in der ökologischen Landwirtschaft nicht erlaubt. Neben den chemischen gibt es aber auch physikalische Beizmethoden, wie beispielsweise die Heißwasserbeize, die auch im Ökolandbau zur Anwendung kommt. Bei der Heißwasserbeize werden die Samen eine Zeit lang mit etwa 50 °C heißem Wasser behandelt. Nachteil des Verfahrens ist, dass das Saatgut anschließend wieder getrocknet werden muss. Außerdem kann es vorkommen, dass dabei die Samenschale verletzt oder wasserlösliche Nährstoffe ausgewaschen werden. Für das Verfahren sprechen die niedrigen Kosten, die geringe Umweltbelastung und die relativ breite Wirkung.

Eine weitere Form der physikalischen Beizung ist die Elektronenbeize, bei der das Saatgut einer speziellen Elektronenbehandlung unterzogen wird.

Beizmittel in der Kritik

Negativ in die Schlagzeilen geraten sind chemische Beizmittel erstmals 2008 durch ein massives Bienensterben im Rheintal. Ursache für das Massensterben war der Pflanzschutzmittelwirkstoff Clothianidin, mit dem Maissaatgut gebeizt war, um es vor schädigenden Insekten zu schützen. Bei einigen Chargen haftete das Beizmittel nur unzureichend an den Samenkörnern, sodass ein Teil durch die Sämaschine in die Luft geblasen wurde. Der Wirkstoff legte sich als Staubfilm über benachbarte Rapsfelder, die von Bienen angeflogen wurden. Auf diese Weise wurden mehr als 11.000 Völker geschädigt. Daraufhin hat man für bestimmte Nutzpflanzen wie Mais und Raps die Beizung des Saatguts mit Clothianidin sowie ähnlichen Wirkstoffen in Deutschland verboten.

Autor: Jörg Planer, Meckenheim |

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