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Was ist eigentlich ein Nebenerwerbslandwirt?

Mehr als die Hälfte alle landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Deutschland werden im Nebenerwerb geführt. Doch was bedeutet das eigentlich?

Landwirt auf einem offenen Traktor
JackF / Fotolia.com

Als Nebenerwerbsbetrieb bezeichnet man in der Landwirtschaft einen Familienbetrieb, in dem weniger als die Hälfte des Familieneinkommens mit der Landwirtschaft erwirtschaftet wird. Per Definition sind in einem Nebenerwerbsbetrieb weniger als 1,5 Arbeitskräfte (inkl. Betriebsleiter) beschäftigt. Der überwiegende Teil des Familieneinkommens wird also außerhalb der Landwirtschaft verdient, in den meisten Fällen vom Mann.

50 Prozent aller Bauernhöfe im Nebenerwerb

Etwa jedes zweite landwirtschaftliche Einzelunternehmen in Deutschland wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Zwischen den Bundesländern gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede: So liegt der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen unter 40 Prozent, während in Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Sachsen über 60 Prozent im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Alle Nebenerwerbsbetriebe zusammen bewirtschaften knapp ein Fünftel der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland und erzeugen knapp 10 Prozent aller landwirtschaftlich produzierten Güter und Dienstleistungen.

Warum Nebenerwerb?

Die Entwicklung der Nebenerwerbslandwirtschaft ist eng mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte verwoben. Viele Bauernfamilien, deren betriebliche Einkommensgrundlage zu gering ist, stehen vor der Entscheidung, mit erheblichen Kosten in neue Ställe oder eine bessere Vermarktung zu investieren, Mitarbeiter einzustellen oder Flächen zu pachten. Ohne diese Wachstumsschritte ist für viele Familien kein ausreichendes Einkommen mehr zu erwirtschaften. Um nicht komplett aus der Landwirtschaft aussteigen zu müssen, bewirtschaften sie ihre Betriebe oft im Nebenerwerb. Viele machen dies aus Traditionsbewusstsein, Liebe zum Beruf oder um für ein inner- oder außerbetriebliches Zusatzeinkommen weiterhin landwirtschaftlich tätig sein zu können. Das reicht von der Gästebeherbergung und -bewirtung, Direktvermarktung oder der Führung von Schulklassen bis hin zur Mitarbeit im Maschinenring oder einfach nur der außerbetrieblichen Tätigkeit in einem anderen Unternehmen.

Nebenerwerb ist oft mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung verbunden. Die nächste Generation steigt dann unter Umständen aus, weil sich ihre Erwartungen an Freizeit, Urlaub oder Fortbildung an Freunden und Bekannten aus der eigenen Altersgruppe orientieren oder weil über Jahre hinweg keine wirtschaftliche Verbesserung eingetreten ist und Vermögensverluste stattgefunden haben. Nebenerwerb kann daher auch ein Zwischenstadium zur einer rechtzeitigen Betriebsaufgabe sein.

Autoren: Jörg Planer, Meckenheim und Martin Heil, aid |

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