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Was meint der Landwirt, wenn er von Brache spricht?

Etwas „brachliegen lassen“ wird heute häufig synonym verwendet für „ungenutzt bleiben“. Seinen Ursprung hat das Wort in der Landwirtschaft. Was es dort bedeutet, erfahren Sie hier.

Mulchen einer Grünbrache mit Kamilleblüte im Vordergrund
landpixel.de

Mit Brache bezeichnet man in der Landwirtschaft eine Fläche, die eine gewisse Zeit nicht mit Kulturpflanzen bewirtschaftet wird – also ungenutzt bleibt. In diesem Zeitraum kann der teilweise sehr intensiv genutzte landwirtschaftlich Boden sich wieder regenerieren. Auf den Brachflächen wachsen nur Wildgräser und -kräuter, die nicht abgeerntet und vom Feld abtransportiert werden. Durch natürliche Ab- und Umbauprozesse reichert der Boden organische Substanz an. Die gesamte Brachephase verbessert die Struktur des Bodens und fördert die Nährstoffversorgung, was den später auf der Fläche angebauten Ackerkulturen wieder zugute kommt.

Heute gibt es Alternativen zur Brache

Früher – das heißt vor einigen Jahrhunderten – wurde die landwirtschaftliche Brache genutzt, um die Ertragsfähigkeit eines Ackers langfristig zu sichern. Eine Brache bedeutete aber auch immer einen Ertragsausfall von einem ganzen Jahr. Heutzutage stehen dem Landwirt Alternativen zur regenerativen Brache zur Verfügung. So zum Beispiel der Anbau von Leguminosen oder Hackfrüchten, vielgliedrige Fruchtfolgen oder der Anbau von Zwischenfrüchten, sodass die Brache heutzutage so gut wie nicht mehr angewendet wird.

In einigen, weniger fruchtbaren Regionen der Welt – vor allem in den Subtropen – wird das System der Brache aber auch heute noch angewandt. Die Böden sowie die ökologischen Rahmenbedingungen in diesen Regionen sind derart schlecht, dass sie ohne eine Regenerationszeit (Brache) so stark ausgelaugt würden, dass schon nach wenigen Jahren eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich wäre.

Wie hat sich die Brache historische entwickelt?

Schon die Römer in der Antike nutzten die landwirtschaftliche Brache zur Regeneration des Bodens in der sogenannten Zweifelderwirtschaft. Dabei wurde die Ackerfläche in zwei Felder eingeteilt: eins davon wurde mit Getreide bestellt, während das andere „brach“ lag und sich erholen konnte. Im nächsten Jahr wurde dann gewechselt.

Im Hochmittelalter wurde die Zweifelderwirtschaft abgelöst durch die Dreifelderwirtschaft. Dabei wurde der Acker im ersten Jahr mit Wintergetreide, im zweiten mit Sommergetreide bebaut und im dritten Jahr ließ man ihn „brachfallen“. Das heißt die Fläche wurde nach der Ernte des Sommergetreides (im Spätsommer) sich selbst überlassen bis zum nächsten Herbst, in dem wieder Wintergetreide ausgesät wurde. Während der Brache wurde der Boden in der Regel nicht bearbeitet und der natürliche Aufwuchs meist als Weide für das Vieh genutzt. Diese Art der Brache bezeichnet man daher auch als „Grünbrache“. Es gab jedoch auch die „Schwarzbrache“. Dabei bearbeitete der Landwirt den Boden regelmäßig mit Pflug oder Egge, um ihn auf lange Sicht unkrautfrei zu halten.

Ab dem 18. Jahrhundert setzte sich die erweiterte Dreifelderwirtschaft durch. Anstatt die Flächen brachfallen zu lassen, wurden sie zur Grünfuttergewinnung und zur Bodenverbesserung mit stickstoffanreichernden Leguminosen (das sind Hülsenfrüchtler wie Rotklee, Luzerne) oder Hackfruchtkulturen (z. B. Kartoffeln, Rüben) bebaut. Von da an verlor die Brache in Europa zunehmend an Bedeutung.

Eine etwas ungewöhnliche und neue Form der „Brache“ war die sogenannte Flächenstilllegung, die ab Anfang der 1990iger Jahre von der Europäischen Union vorgeschrieben wurde, um der landwirtschaftlichen Überproduktion in Europa entgegenzuwirken. Dabei erhielten Landwirte Ausgleichszahlungen von der EU, wenn Sie einen gewissen Prozentsatz ihrer Fläche brachfallen ließen. Infolge der verstärkten Nachfrage nach Agrarrohstoffen wurde die Flächenstillegung in der EU im Jahr 2009 jedoch wieder abgeschafft.
 

Autor: Jörg Planer, Meckenheim |

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