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Was versteht man in der Landwirtschaft unter Klonen?

Klonen – Das klingt für viele nach Science Fiction. Dabei ist Klonen ein völlig natürlicher Vorgang, den man sich in der Landwirtschaft zunutze macht.

Hände legen Kartoffeln auf braune Erde
mjaud / Fotolia.com

Der Begriff „Klonen“ ist in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund moralisch umstrittener Verfahren zur Reproduzierung von Lebewesen leider negativ in die Schlagzeilen geraten. Dabei ist das Klonen grundsätzlich ein sehr natürlicher Vorgang. So besitzen alle Bakterien und Pflanzen, aber auch einzellige (z. B. Amöben, Pantoffeltierchen) und niedere Tiere (z. B. Polypen) von Natur aus die Fähigkeit, sich zu klonen. Das heißt, sie sind in der Lage, auf ungeschlechtlichem Wege aus einzelnen Zellen oder Zellverbänden eine Kopie ihrer selbst herzustellen, die genetisch zu 100 % mit dem Original übereinstimmt. Zoologen und Botaniker sprechen auch von vegetativer Vermehrung.

Landwirte klonen schon seit Jahrhunderten

Diese natürliche Fähigkeit von Pflanzen zur vegetativen Vermehrung macht man sich in der Landwirtschaft und im Gartenbau schon seit vielen Jahrhunderten zunutze. Jeder Ableger und jeder Steckling einer Nutz- und Zierpflanze ist zum Beispiel ein Klon. Oder die aus den Kartoffelknollen entstehenden neuen Kartoffelpflanzen sind Klone, ebenso alle Zwiebelpflanzen. Im Weinbau werden die Reben mithilfe von Stecklingen vermehrt, demnach stellt jede aus einem Steckling entstandene Weinpflanze einen Klon dar. Und auch im Obstbau hat das Klonen eine lange Tradition: Äpfel, Birnen, Kirschen und viele andere Obstsorten werden durch sogenannte Pflanzenveredelung auf vegetativem Wege vermehrt.

Warum klont man Pflanzen?

Die vegetative Vermehrung von Pflanzen hat verschiedene Vorteile. Einer der wesentlichen Vorzüge ist, dass man die im Erbgut festgelegten Eigenschaften einer Pflanzensorte unverändert erhalten kann. Denn das Erbgut wird nicht, wie bei der geschlechtlichen Fortpflanzung (auch generative Vermehrung genannt) immer wieder neu kombiniert. Die vegetative Vermehrung stellt für Landwirte und Gärtner aber auch deshalb einen Gewinn dar, weil das Ausgangsmaterial zur Vermehrung bereits eine gewisse Größe hat, und man somit schneller Pflanzen in der erforderlichen Größe erhält.

Klonen hat nicht nur Vorteile

Die vegetative Vermehrung hat aber auch einen Nachteil: Werden Pflanzen nur geklont, wird ihnen die Möglichkeit verwehrt, sich an ändernde Umwelteinflüsse anzupassen. Dies geschieht nur bei der generativen Vermehrung, bei der das Erbgut neu kombiniert wird. Um langfristig also eine genetische Verarmung von Pflanzenarten und -sorten zu vermeiden, ist es daher sehr wichtig, alte Wild- und Kulturformen zu erhalten.

Klonen höherer Tiere – nur mit moderner Technik möglich

Wie weiter oben schon angedeutet, sind nicht alle Lebewesen von Natur aus zur vegetativen Vermehrung befähigt. Bei höheren Tieren ist die vegetative Vermehrung bedingt durch die wachsende Komplexität des Organismus (zunehmende Zellzahl, auf wenige Funktionen spezialisierte Zellen u. a.) und der Art der Ernährungsweise nicht mehr möglich. So können einige Amphibien verlorene Extremitäten (z. B. ein Bein) zwar vollständig regenerieren, das Heranwachsen eines kompletten Individuums aus einem Körperteil ist jedoch unmöglich.

Durch moderne Techniken, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, ist es jedoch möglich geworden, auch komplexere Organismen wie höhere Tiere auf künstliche Weise zu klonen. Der Begriff „Klonen“ wird daher in der Reproduktionsmedizin und der Zellbiologie im engeren Sinne für die künstliche Erzeugung eines vollständigen Organismus oder wesentlicher Teile davon verwendet.

Autor: Jörg Planer, Meckenheim |

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