Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Wenn Glyphosat verboten wäre...

Die Neuzulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der Europäischen Union steht auf der Kippe. Die aktuelle Genehmigung des Mittels läuft noch bis Ende Juni 2016. 

(aid)Bier, Urin oder Muttermilch∩ Glyphosat wurde zuletzt so ziemlich überall gefunden. Umwelt- und Bio-Verbände sind Sturm gelaufen und haben alles gegeben. „Glyphosat steht für ein ackerbauliches System, das wir nicht wollen“, sagt die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Gertraud Gafus. Es gehe jenseits aller Debatten über gesundheitliche und ökologische Auswirkungen um die Systemfrage. Glyphosat unterstütze und fördere industrielle Strukturen im Ackerbau und sei ein billiges und allzu bequemes Mittel, um sorgfältigen Ackerbau ins Hintertreffen zu drängen.

Für konventionelle Landwirte gebe es derzeit keine chemische Alternative, meint Professor Christoph Schäfers, Ökotoxikologe vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Schmallenberg. Alle anderen zugelassenen Mittel seien toxischer für die Umwelt und würden das Grundwasser stärker belasten. Auch die angebauten Kulturen würden stärker geschädigt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sogar der Verbraucher potenziell gefährdeter sei, wenn die Alternativen zum großflächigen Einsatz kämen.

„Somit bleiben nur nicht-chemische Alternativen. Dabei muss im Einzelfall abgeschätzt werden, ob in Hanglagen das Pflügen möglicherweise größere Umweltschäden durch Erosion hervorruft als glyphosatbegleitete Direkteinsaat“, meint Schäfers. Mechanische Unkrautbekämpfung sei in der Regel teurer, ebenso wie Getreidetrocknung mit entsprechendem Energie- oder Flächeneinsatz. Das könne nur der ökologische Landbau durch seine höhere Wertschöpfung leisten. Ein Verzicht auf Glyphosat sei für den konventionellen Landwirt heute wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, wenn sich am Preisgefüge nichts ändere. Die AbL hingegen fordert, auch für konventionelle Landwirte die Beratung und Ausbildung für ein grundlegend anderes ackerbauliches Vorgehen wieder in den Vordergrund zu stellen, um den Verbrauch von Glyphosat langfristig zurück zu drängen.

Die Neuzulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der Europäischen Union steht auf der Kippe. Bei einem Treffen nationaler Experten Anfang März in Brüssel kam die nötige Mehrheit nicht zustande. Die aktuelle Genehmigung des Mittels läuft noch bis Ende Juni 2016.

Britta Klein, www.aid.de

Quellen:

Unabhängige Bauernstimme 2016

und aid-Interview mit Christoph Schäfers

Hintergrundinformation:

Glyphosat ist ein Totalherbizid, das über die Blattoberflächen wirkt und nicht in das Grundwasser verlagert wird. Es wird eingesetzt

1.als ackerbauliche Maßnahme (Vorlaufbehandlung zur Direkteinsaat ohne Pflügen)

2.zur Behandlung von Begleitunkräutern

3.zur Sikkation (Austrocknung) vor der Ernte, was die Ernte erleichtert, die Abreife beschleunigt und manchmal die nötige Getreidetrocknung erspart

als hilfreich bewerten 0 Versenden