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Wie viele Kühe gehen in Deutschland auf die Weide?

Milchprodukte werben zwar in der Regel mit Bildern von weidenden Rindern, das entspricht aber meist nicht der Realität.

Kühe grasen auf der Weide
Fotolia.com / texturewall

Etwa 42 Prozent der deutschen Milchkühe haben für etwa fünf Monate pro Jahr Weidegang. Dies geht aus den Viehzählungsergebnissen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010 hervor. Die fünf Monate Weidezeit sind allerdings als Durchschnittswert zu sehen. Das heißt, es gibt Betriebe die Ihre Tiere länger als fünf Monate und solche die sie weniger lang auf der Weide halten.

Mittelgroße Betriebe bieten mehr Weidegang als kleine und große Betriebe

In großen Milchviehbetrieben mit über 200 Kühen steht meist nicht genügend Grünlandfläche im betriebsnahen Bereich zur Verfügung. In solch großen Betrieben ist der Weidegang daher meist wenig praktikabel. Bei Betrieben mit 50 bis 199 Kühen sieht das schon anders aus. Hier geht in Deutschland jede zweite Kuh auf die Weide. Bei diesen Betrieben handelt es sich in der Regel um klassische Grünlandstandorte – das heißt Regionen, in denen kein oder nur wenig Acker- und Gartenbau betrieben wird. In kleineren Betrieben mit bis zu 49 Kühen gehen laut Viehzählung 42 Prozent der Tiere regelmäßig auf die Weide.

Weide hat Vorteile

Die Weide bietet viele Vorteile für die Gesundheit und das Ausleben der arteigenen Verhaltensweisen der Tiere. Außerdem sind die Futterkosten niedriger, weil das Futter nicht konserviert werden muss. Manche Molkereien bezahlen sogar einen Aufschlag für Weidemilch und auch einige Bundesländer fördern die Weidehaltung finanziell.

Es gibt aber auch Gründe für reine Stallhaltung

Viele Landwirte würden ihre Kühe gerne weiden lassen, haben aber schlichtweg keine Möglichkeit dazu, beispielsweise weil ihre Betriebe mitten im Dorfkern liegen oder die Weiden zu weit entfernt sind. Oder die Weiden bieten für die Kühe nicht die notwendigen Schattenplätze. Ein weiterer Grund, warum viele Milchviehhalter ihren Kühen keinen oder nur stundenweise Weidegang gewähren: Der Nährstoffgehalt von Weidegras ist nicht das ganze Jahr über gleich. Zu Beginn der Weideperiode im Frühjahr ist der Energie- und Eiweißgehalt sehr hoch, nimmt im Laufe des Sommers aber sukzessive ab. Und nicht nur die Futterqualität schwankt, auch die Aufwuchsmenge ist im Jahresverlauf sehr unterschiedlich. Heutige Milchkühe müssen jedoch, um ihre hohe Milchleistungen erbringen zu können, regelmäßig mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden. Hochleistungskühe sind zudem sehr sensibel und reagieren auf den Wechsel von Weide- zur Stallfütterung nicht selten mit Stoffwechselstörungen. Auch die zunehmend auf den Betrieben verwendeten Melkroboter lassen sich mit dem Weidegang nur schwer vereinbaren.

Weidehaltung und Ökolandbau

Übrigens: Auch im Ökolandbau ist Weidegang nicht zwangsläufig verpflichtend. Wenn die Möglichkeiten nicht gegeben sind, reicht ein Laufhof in Stallnähe.

Autorin: Dr. Elisabeth Roesicke, aid |

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