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Wissenswertes über Bohne, Lupine & Co.

Wussten Sie, dass Hülsenfrüchte auch Leguminosen oder Schmetterlingsblütler genannt werden und über Knöllchen an der Wurzel Luftstickstoff binden können. Nein? Dann sind Sie hier richtig...

Wickenblüte vor Weizenfeld
Fotolyse / Fotolia.com

Wussten Sie, dass...

... Körnerleguminosen vor dem Verfüttern getoastet werden müssen?

Junges Schwein frisst am Futterautomaten

Körnerleguminosen wie Soja oder Erbse sind ein ideales Futtermittel, doch sie enthalten auch unerwünschte, zum Teil sogar giftige Stoffe. Dazu gehören sogenannte antinutritive Substanzen, die bei Tieren wichtige Verdauungsenzyme blockieren oder sogar Zellen schädigen können. Durch Hitze kann jedoch der größte Teil dieser Stoffe unschädlich gemacht werden. Deshalb werden Ackerbohnen, Erbsen oder Soja nach der Ernte mehrfach kurze Zeit unter Druck auf 100 bis 130 Grad Celsius erhitzt. Diesen Vorgang nennt man Toasten. Übrigens: Auch für Menschen sind diese Inhaltsstoffe schädlich. Um sie unschädlich zu machen, werden Bohnen oder Erbsen nicht getoastet, sondern ganz einfach längere Zeit gekocht.

 ...die Blütenform alle Leguminosen verbinden?

Vier verschiedene Blütenformen von Hülsenfrüchtlern

Neben der Fähigkeit, mithilfe von Bakterien Stickstoff aus der Luft zu sammeln, gibt es eine weitere Gemeinsamkeit, die fast alle Leguminosen verbindet: die auffällige Blütenform. Wegen der großen Ähnlichkeit der Blüten mit den bunten Faltern gab man der Pflanzenfamilie den Namen Schmetterlingsblütler. Neben bekannten krautigen Arten wie Linsen und Erbsen gehören auch Sträucher wie Ginster und sogar Bäume wie die Akazie zu den Schmetterlingsblütlern. Auch viele Zierpflanzen sind in dieser Familie zu finden, etwa der Gold- und Blauregen, Robinien oder der Seidenbaum.

... Hülsenfrüchte Schmetterlingsblütler sind?

Gelber Schmetterling an lila Blüte

Die große Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchte wird auch als Leguminosen bezeichnet. Dazu gehören z. B. Erbsen, Bohnen, Linsen, Soja, Lupinen und viele andere Pflanzen; weltweit insgesamt über 20.000 Arten. Das macht Hülsenfrüchte zu einer der artenreichsten Pflanzenfamilien überhaupt. Man erkennt sie leicht an ihrer auffälligen Blütenform. Weil ihre Blütenblätter bunten Faltern ähneln, nennt man diese Familie auch Schmetterlingsblütler. Neben krautigen Arten wie die bereits erwähnten Linsen und Erbsen findet man unter den Hülsenfrüchten auch Sträucher wie Ginster und sogar Bäume wie die Akazie.

...Hülsenfrüchte kleine Düngerfabriken sind?  

Knöllchenbakterien an einer Leguminosenwurzel

Für die industrielle Herstellung von Stickstoff, dem wichtigsten Nährstoff für alle Pflanzen, werden große Mengen an Energie benötigt. Um ein Kilogramm Stickstoff herzustellen, benötigt man etwa einen Liter Mineralöl. Hülsenfrüchte brauchen dagegen keinen industriell hergestellten Stickstoffdünger, denn sie produzieren ihn selbst. Dabei helfen den Pflanzen sogenannte Knöllchenbakterien in der Wurzel. Sie sind in der Lage, den in der Luft reichlich vorhandenen Stickstoff zu binden und für Pflanzen verfügbar zu machen. In der regel arbeiten die Bakterien so fleißig, dass mehr Stickstoff im Boden bleibt, als die Pflanze selbst verbraucht. Zwischen 30 und 70 Kilogramm pro Hektar verbleiben nach der Ernte im Boden. Davon profitiert die nachfolgende Kultur. 

...auch alle Kleearten zu den Hülsenfrüchten gehören?

Rosa Kleeblüten

Rotklee, Weißklee, Hornklee und alle weiteren 242 Kleearten bilden zwar keine auffälligen Samen wie etwa die Bohne oder Erbse, dennoch gehören auch sie zur Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchte. Auch Klee ist in der Lage, mit Hilfe von Bakterien Stickstoff aus der Luft zu binden. Vor allem Biolandwirte machen sich diese Fähigkeit zunutze, indem sie Kleegras als Viehfutter anbauen. Kleegras ist eine Mischung aus Gras- und Kleesorten. Der Klee dient dabei als eiweißreiche Futterkomponente und zugleich als Stickstofflieferant für das Gras, das viel Stickstoff zum Wachsen braucht.

Auch die sogenannte Königin der Futterpflanzen, die Luzerne, ist eine Hülsenfrucht. Sie wird auch Ewiger Klee genant. Im letzten Jahrhundert war die Luzerne in Deutschland lange Zeit weit verbreitet, heute wird sie aus wirtschaftlichen Gründen kaum noch angebaut.

...Hülsenfrüchte ein wichtiges Futtermittel sind?

Hühner picken Körner

Zahlreiche Hülsenfrüchte wie die Acker- oder Sojabohnen enthalten sehr viel Eiweiß, zum Teil mehr als 40 Prozent. Das macht sie für die Fütterung von Hühnern, Schweinen und Rindern sehr interessant, da Nutztiere einen sehr hohen Bedarf an Eiweiß haben. Vor allem Sojaextraktionsschrot (Reststoff bei der Sojabohnenverarbeitung) ist deshalb fester Bestandteil vieler Futterrationen in der Nutztierhaltung. Sojaextraktionsschrot liefert große Mengen Eiweiß in einer besonders günstigen Zusammensetzung, die optimal zum Bedarf der Tiere passt. Weltweit wird Soja auf 90 Millionen Hektar angebaut, eine Fläche dreimal so groß wie Deutschland.

 ...Sojabohnen auch in Deutschland angebaut werden?

Reife Sojahülsen

Sojabohnen benötigen viel Wärme, wie sie etwa das Klima in den Hauptanbauländern Brasilien, Argentinien und den USA bietet. Doch inzwischen ist der Anbau von Soja auch in Deutschland möglich, vor allem in den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern. Neue Sorten und der fortschreitende Klimawandel machen es möglich. Im Jahr 2015 wurden deutschlandweit auf mehr als 17.000 Hektar Soja gesät und geerntet. Das ist allerdings im Vergleich zu Kulturen wie Weizen mit über drei Millionen Hektar sehr bescheiden. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die Sojabohne in den nächsten Jahren auch in nördlicheren Regionen Deutschlands etablieren wird und die Anbaufläche weiter wächst.

...Hülsenfrüchte einen Acker fruchtbarer machen?

Ackerbohnenpflanzen mit Erdaushub

Landwirte, die Hülsenfrüchte anbauen, tun ihrem Boden etwas Gutes. Denn viele bilden ein weit verzweigtes Wurzelsystem, das tief in den Boden hineinreicht. Dadurch werden unerwünschte Bodenverdichtungen aufgebrochen, die das Wurzelwachstum anderer Nutzpflanzen hemmen. Zudem schließen die tiefreichenden Wurzeln wichtige Nährstoffe wie Phosphat auf und machen sie für nachfolgende Kulturen verfügbar. Stirbt das dichte Wurzelwerk im Herbst ab, ist es eine willkommene Nahrung für viele Lebewesen im Boden, die das Material in wertvollen Humus umwandeln. Von diesen vielen positiven Eigenschaften profitieren auch die nachfolgenden Kulturpflanzen. Baut man zum Beispiel nach Ackerbohnen Winterweizen an, können die Weizenerträge bis zu 15 Prozent höher ausfallen.

...Linsen beim Anbau gestützt werden müssen?

Linsen in Händen

Auch Linsen sind Hülsenfrüchte. Sie werden ausschließlich für die menschliche Ernährung angebaut. Ihr Anbau ist jedoch eine Herausforderung, denn anders als Getreide oder Mais haben Linsen keinen tragenden Hauptstängel. Das hat den Nachteil, dass einzelne Pflanzen schnell umknicken, bevor sie reif sind. Das macht die Pflanze anfälliger für Pilzkrankheiten, verzögert die Reife und erschwert die spätere Ernte. Deshalb baut man Linsen in der Regel mit einer Stützfrucht an, die der Pflanze beim Wachsen Halt gibt. Meist wird dafür eine Getreideart gewählt wie Hafer oder Gerste. Sind Linsen und Getreide reif, werden beide zusammen mit dem Mähdrescher geerntet. Anschließend müssen beide Körnerarten voneinander getrennt werden. Dafür nutzt man spezielle Siebe mit unterschiedlicher Maschenweite.

 ...sich viele Hülsenfrüchte beim Anbau auf dem gleichen Acker nicht vertragen?

Blüte der Gelben Lupine

Landwirte bauen Ackerbohnen, Lupinen und vor allem Erbsen niemals zwei Jahre nacheinander auf dem gleichen Acker an – aus gutem Grund. Denn anders als z. B. Mais oder Getreide sind viele Hülsenfrüchte „selbstunverträglich“. Baut man sie in zu engen Zeitabständen auf dem gleichen Feld an, gehen die Erträge deutlich zurück; zum Teil um mehr als 50 Prozent. Dafür sind vor allem pflanzliche krankheitserreger verantwortlich, die sich beim Anbau stark vermehren und lange Zeit im Boden überdauern können. Auch unterschiedliche Hülsenfruchtarten sollte man aus diesem Grund nicht nacheinander anbauen. Das Risiko für Ertragseinbrüche verringern Landwirte durch eine sogenannte weite Fruchtfolge, d. h. sie bauen die gleiche Frucht in Abständen von 4 bis 10 Jahren an. Doch das ist nicht bei allen Hülsenfrüchten nötig. So gilt etwa die Sojabohne als gut selbstverträglich und kann problemlos alle 3 bis 4 Jahre auf dem gleichen Acker angebaut werden.

...die meisten Hülsenfrüchte aus den Ausland kommen?

Leguminosensamen in Säcken

Obwohl Deutschland einen hohen Bedarf an Hülsenfrüchten als Tierfutter hat, werden sie bei uns nur auf knapp 1,5 Prozent der Ackerfläche angebaut. Der größte Teil der benötigten Hülsenfrüchte wird importiert. Dabei handelt es sich meistens um Sojaschrot, das vor allem in Nord- und Südamerika kostengünstiger erzeugt werden kann. Außerdem sind heimische Hülsenfrüchte wie Ackerbohne oder Erbse anfällig für Krankheiten und liefern relativ niedrige Erträge, die zudem stark schwanken. Um den Anbau heimischer Hülsenfrüchte für Landwirte attraktiver zu machen, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Eiweißpflanzenstrategie ins Leben gerufen: Es werden u. a. Forschungsprojekte zur Züchtung ertragreicher Sorten und zur Verarbeitung von Hülsenfrüchten als Futter- und Lebensmittel gefördert.

...Lupinen zu Schnitzel werden können?

Blaue Lupinen auf dem Acker mit Hof im Hintergrund

Obwohl sie aussieht, als wäre sie für bunte Blumensträuße gemacht, hat es die blau, gelb oder weiß blühende Lupine in sich. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Samen der hübschen Pflanze enthalten bis zu 40 Prozent Eiweiß – und das in einer für die menschliche Ernährung optimalen Zusammensetzung. Isoliert man dieses Eiweiß, lässt es sich nach Entfettung unter hohem Druck strukturieren und in jede gewünschte Form bringen, auch in Schnitzelform. Neben Lupinen-Schnitzel gibt es inzwischen auch Burger oder Würstchen aus dem Eiweiß der bunten Lupine. Ihr Vorteil: Alle Produkte sind reich an Mineral- und Ballaststoffen und komplett cholesterinfrei. Damit das Ganze auch schmeckt, müssen Lupinenprodukte allerdings gut gewürzt sein, weil das isolierte Eiweiß nahezu geschmacksneutral ist.

 ...man Hülsenfrüchte gut mit Salz kochen kann?

Grüne Erbsen in Schüssel

„Getrocknete Bohnen oder Erbsen darf man nicht mit Salz kochen, sonst verlängert sich die Kochzeit,“ – dieser Irrglaube ist bis heute bei vielen Hobbyköchen verbreitet. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Salzwasser verkürzt die Kochzeit! Denn Natrium und Chlorid, aus denen Salz besteht, helfen dabei, das feste Schalengerüst der Samen zu lockern und für das Kochwasser durchlässiger zu machen. Säure hingegen, wie sie in Essig, Zitrone oder auch Tomaten enthalten ist, verhärtet die Zellstrukturen in Hülsenfrüchten. Diese sollten deshalb erst nach dem Kochen oder kurz vor Ende der Garzeit zugegeben werden.

...Gewürze Bohnen und Erbsen deutlich verträglicher machen?

Geöffnete Erbsenhülse vor weißen Hintergrund

Hülsenfrüchte sind wegen ihrer wertvollen Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe sehr gesund. Leider haben sie bei vielen Menschen eine unangenehme Nebenwirkung: Sie verursachen Blähungen. Sie entstehen durch schwer verdauliche Zuckerarten in den Hülsenfrüchten, die unverdaut bis ans Ende des Verdauungstraktes gelangen und hier von Bakterien zersetzt werden. Dabei bilden sich die unerwünschten Gase. Die gute Nachricht: Bei regelmäßigem Genuss von Hülsenfrüchten gewöhnt sich der Organismus daran und die Blähungen bleiben aus. Außerdem kann man dieser unerwünschten Wirkung vorbeugen, indem man das Einweichwasser weggießt und die Hülsenfrüchte anschließend gründlich spült. Würzt man das Gericht zusätzlich noch mit Kümmel, Majoran, Anis, Fenchel oder Ingwer lässt sich der Effekt noch weiter abmildern.

 

aid.de |

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