Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Zwergzikaden - als Schädlinge meist unbekannt

Seit einigen Jahren macht eine Gruppe sehr kleiner Zikaden auf sich aufmerksam, die an Gemüse und vor allem an Gewürzpflanzen starke Saugschäden verursachen können.

Zikaden auf einem Salbeiblatt
Jörg Planer

Die Zikaden, um die es geht, sind sehr klein, gerade mal 2-4 mm lang, schlank und von keil- bis zigarrenförmiger Gestalt. Sie stechen meist auf der Blattunterseite die Pflanzenzellen an, saugen diese aus und verursachen damit viele weiße Saugstellen mit silbergrauem Glanz auf dem Blatt. Die Blätter wirken weiß besprenkelt, später fahlgrün bis zum völligen Verschwinden des Blattgrüns. Befallen werden vor allem Vertreter der aromatischen Lippenblütler (Pflanzenfamilie: Lamiaceae), zu denen eine ganze Reihe von Heil- und Gewürzpflanzen zählt (siehe Tabelle unten). Aber auch Gemüse ist nicht sicher vor ihnen. Befallen werden in erster Linie Gewächshauskulturen wie Tomaten, Gurken oder Paprika.

Bunte Kartoffelblattzikade Eupteryx atropunctata
Die Bunte Kartoffelblattzikade ist eine der Zikaden-Arten, die an Kräutern Schäden verursachen.

Viele Hobbygärtner kennen zwar Zikaden als Schädlinge von zum Beispiel Rhododendren oder Rosen. Die Zikaden, die für die kleinen weißen Punkte auf den Kräutern verantwortlich sind, kennen die meisten jedoch nicht. Bei den schädlichen Insekten handelt es sich um verschiedene Arten der Familie der Zwergzikaden (Cicadellidae).

Die erwachsenen Zikaden sowie deren Larven bewegen sich - vor allem bei starker Sonneneinstrahlung und großer Hitze - überwiegend auf der Blattunterseite und sind daher kaum zu finden. Ab dem zeitigen Frühjahr, wenn die Temperaturen wieder zunehmen, schlüpfen die ersten Zikaden aus den im Pflanzengewebe überwinternden Eiern und beginnen mit dem Saugen. Während die kleinen, meist gelben Larven nur krabbeln, fallen die schreckhaften erwachsenen Tiere durch ihr enormes Sprungvermögen auf. Wer im Sommer mit der Hand über eine befallene Pflanze streicht, kann sie eifrig hüpfen sehen.

Durch Zwergzikaden befallene Kulturen

Gemüse und Obst: 

Tomaten, Gurken, Paprika, Peperoni, Kartoffeln, Erdbeeren  

Kräuter: 

Lippenblütler: Rosmarin, Thymian, Melisse, Oregano, Salbei, Minze, Drachenkopf, Ysop, Indiandernessel, Katzenminze, Basilikum, Bohnenkraut  

Sonstige: Angelika, Baldrian, Beifuß, Brennnessel, Eibisch, Estragon, Fingerhut, Kamille, Königskerze, Liebstöckel, Malve, Sonnenhut, Spitzwegerich

Verschiedene Einflussfaktoren

Saugschäden der Zikaden an einem Melissenblatt
Zikaden-Saugschaden, sichtbar als silbrig-weiße Punkte auf einem Melisseblatt.

Zikaden treten nicht überall gleichermaßen stark auf. So gibt es Regionen, in denen bisher noch keine Zikade gesehen wurde, in anderen sind die kleinen Sauger dagegen ständig präsent. Die Stärke des Befalls hängt in entscheidender Weise auch vom Klima, der aktuellen Witterung und der Vegetation ab.

Im Gegensatz zum Erwerbsgartenbau, hält sich der Schaden für den Hobbygärtner meist in Grenzen. Sicherlich ist es ärgerlich und unschön, wenn der Oregano für die Tomatensoße oder die Melisse für den Tee weiße Saugflecken hat. Bei geringen Befallsstärken hat der Saugschaden jedoch keinen erkennbaren Einfluss auf den Geschmack oder das Aroma und lässt sich daher gut verschmerzen. Starker Zikadenbefall hinterlässt jedoch hässliche optische Makel. Ein fahlgrünes Blatt mit hunderten Einstichstellen möchte auch keiner mehr so gerne als Gewürz oder Tee verwenden. 

Was tun gegen die kleinen Sauger?

Um stärkere Schäden zu vermeiden, können verschiedene vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Die einfachste Methode ist das frühzeitige Abdecken der Kulturen mit einem Insektenschutznetz. Die Netze dürfen nur eine geringe Maschenweite (max. 1 mm) haben, da die winzigen Tierchen ansonsten buchstäblich durch die Maschen schlüpfen. Aufgebracht werden müssen die Netze noch vor dem ersten Befall. Bei mehrjährigen Kulturen sind die Netze jedoch nur bedingt erfolgsversprechend. Denn die Zikaden legen ihre Eier vor dem Winter in das Pflanzengewebe ab und schlüpfen dann im Frühjahr unterhalb der Netze und vermehren sich dort ungehindert auf den Pflanzen. Da Zikaden auf die Farbe Gelb reagieren, lassen sich einige Tiere auch mit Gelbtafeln einfangen. Bei stärkerem Befall helfen solche Tafeln jedoch nur noch zur Überwachung des Zikadenzuflugs.

Eine perfekte Überwinterungsmöglichkeit für Zikaden stellen Brennnesselsäume dar, die in vielen Gärten zu finden sind. Die Zikadenweibchen legen im Herbst dort ihre Eier ab und die frisch geschlüpften Zikaden befallen im Frühjahr dann die Kulturpflanzen. Wer große Probleme mit Zikaden im Garten hat, sollte solche Brennnesselsäume daher beseitigen.

Wen die Schädlinge sehr stören, für den gibt es im Gartenfachhandel auch Pflanzenschutzmittel, davon einige auch auf pflanzlicher Basis, die wirksam gegen Zikaden sind. Ganz wichtig bei der Ausbringung der Mittel ist es, dass die Blattunterseiten behandelt werden, denn die Tiere sitzen überwiegend dort. Lassen Sie sich bitte vor dem Kauf eines Pflanzenschutzmittels im Gartenfachhandel beraten.

Jörg Planer, Meckenheim |

als hilfreich bewerten 0 Versenden VG Wort